Ehrung - Konrad-Adenauer-Stiftung zeichnet GEA aus. Bundesratspräsident Böhrnsen: »Lokalteil Seele der Zeitung«
Außenwirksame »Innenansichten«
BREMEN/REUTLINGEN. Von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen des Deutschen Lokaljournalistenpreises einen Kategoriepreis verliehen zu bekommen, ist eine hohe Auszeichnung. Den Preis zwei Mal hintereinander zu erhalten, ist außergewöhnlich und eine Bestätigung dafür, dass sich der Reutlinger General-Anzeiger zu den besten Regionalzeitungen der Bundesrepublik zählen darf.
Bundestagspräsident Professor Dr. Norbert Lammert (zweiter von links) gratulierte GEA-Chefredakteur Hartmut Troebs (rechts) sowie den Redakteuren Andreas Dörr (links) und Carina Stefak zur Auszeichnung. FOTO: MICHAEL IHLE
Der Preis gehört neben dem Theodor-Wolff-, Wächter-, Henry-Nannen- und Egon-Erwin-Kisch-Preis zu den renommiertesten deutschen Journalistenpreisen.
Gestern wurde die Serie »Innenansichten«, in der im vergangenen Jahr GEA-Redakteure, Volontäre und Verlagsmitarbeiter anlässlich der Reutlinger Heimattage den Begriff »Heimat« einer ganz persönlichen Analyse unterzogen, bei einer Festveranstaltung im Theater am Goetheplatz in Bremen mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis 2009/10 ausgezeichnet. Vor 700 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ging Professor Dr. Norbert Lammert (MdB), Präsident des Deutschen Bundestages und damit zweiter Mann im Staat, auf das Ergänzungs- und Wettbewerbsverhältnis zwischen gedruckten und elektronischen Medien ein. »Bei der Tageszeitung sitzen Nachrichtenprofis, die für Vertrauen, Verantwortung und Sicherheit in der Nachrichtenauswahl stehen«, sagte er.
So bunt wie das Leben selbst
Lammert bestätigte die ungebrochen hohe Reichweite der Tageszeitungen auch bei Jugendlichen, die »im Vergleich der Medien bis heute das höchste Vertrauen in die Tageszeitung setzen«. In seiner Festrede lobte der Bundestagspräsident die deutsche Zeitungslandschaft als vielfältigste Europas und griff ein Zitat von Kurt Tucholsky auf: »Das Malheur ist nicht, dass die Leute Tageszeitung lesen, sondern dass sie nur eine Tageszeitung lesen.«
Nach Ansicht des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, kommt es den Menschen im Hinblick auf den Lokaljournalismus »in erster Linie nicht auf die große weite Welt an, sondern auf lokale Sicherheit, Nähe und Vertrauen«.
Auch der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments und amtierende Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Hans-Gert Pöttering, würdigte die besondere Rolle von Lokal- und Heimatzeitungen. Besonders der Lokaljournalismus sei keine »eindimensionale Angelegenheit, sondern so bunt wie das Leben selbst, und das sorgt für seine hohe Attraktivität.«
Die beiden Hauptpreise gingen in diesem Jahr an den »Weser-Kurier« für das Redaktionskonzept »Überraschend nah«, mit dem neue Wege in der Beschreibung der Lebenswirklichkeit von Lesern gegangen wurden. Die »Berliner Morgenpost« wurde für ein innovatives Serienkonzept unter besonderer Berücksichtigung des Themas »20 Jahre Mauerfall« ausgezeichnet. Daneben wurden zehn weitere Preise in verschiedenen Kategorien vergeben. An dem Wettbewerb hatten 560 Einreichungen teilgenommen.
Auch Bremens Bürgermeister und Senator Jens Böhrnsen, Präsident des Senats der Freien Hansestadt und Präsident des Bundesrats, war zur Preisverleihung in das Theater am Bremer Goetheplatz gekommen. »Für die meisten Menschen ist der Lokalteil die Seele der Zeitung«. Er mache die Zeitung weniger austauschbar, betonte er.
Bereits im Vorjahr hatte der GEA diese hohe Auszeichnung für seine Kunst-Ausgabe vom 8. November 2008 gewonnen und im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler eine entsprechende Urkunde entgegennehmen dürfen.
Lob für weitere GEA-Serie
Die Preisverleihung übernahm Dr. Dieter Golombek, Sprecher der Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises. Er begründete die Auszeichnung für den Reutlinger General-Anzeiger unter anderem damit, dass die Leser wissen wollten, »wer da schreibt. Sie wollen Bescheid wissen über die Werkstatt Redaktion, wollen wissen, was die Journalisten umtreibt, wer sie sind« - Vorgaben, die der GEA mit seiner Serie »originell, aussagekräftig und damit preiswürdig« umgesetzt habe.
2009 war Baden-Württemberg bei den Heimattagen zu Besuch in Reutlingen, und die Stadt war dem Ländle bei zahlreichen Großereignissen ein guter Gastgeber. Mit »Kultur schafft Heimat« war ein Veranstaltungsmarathon überschrieben, der im Mai 2009 offiziell begann und der Mitte November zu Ende ging. Die Zahl der Empfänge, Umzüge und Feste war beeindruckend. Sie nahmen die Lokalredaktion des Reutlinger General-Anzeigers monatelang in Beschlag - auch deshalb, weil diese ihren Teil zu den Heimattagen beitragen und nicht nur Berichterstatter sein wollte.
Indes: Wie sich einem Begriff nähern, der sich schwer beschreiben lässt und manchmal kaum mehr ist als ein diffuses Gefühl von Familie, Geborgenheit, Geburtsort oder Vaterland? Bis zum Ende der Heimattage erschienen 17 lange oder kurze Artikel, in denen die Subjektivität Konzept war: Je persönlicher die Beiträge waren, desto besser.
Eine weitere Serie des Reutlinger General-Anzeigers mit dem Titel »20 Jahre Mauerfall« hat die Konrad-Adenauer-Stiftung beim diesjährigen Lokaljournalistenpreis lobend erwähnt - Anerkennung und Würdigung für die journalistische Arbeit der daran beteiligten Redakteure. (GEA)