Karriere - Experten in verschiedenen Projekten helfen jungen Menschen dabei, ihre Lehrjahre durchzuziehen

Ausbildungsabbruch muss nicht sein

REUTLINGEN/TÜBINGEN. Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses wird für viele Betriebe in Baden-Württemberg schwieriger. So sank im vergangenen Jahr die Zahl der Bewerber auf einen Ausbildungsplatz um mehr als drei Prozent. Zugleich lösten über 18 000 Jugendliche vorzeitig ihren Ausbildungsvertrag. Projekte wie »Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten« und »Bleib dran! Ausbildungsabbruch vermeiden« steuern entgegen.

Ausbildungsbegleiter helfen, schwierige Ausbildungsverhältnisse zu festigen. Gefördert werden die Initiativen durch das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, die Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände, den Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg – Südwestmetall und den Europäischen Sozialfonds. Bildungsexperten setzen die Projekte um.

Manche Azubis sind kurz davor, die Ausbildung abzubrechen. Die Ausbildungsbegleiter können dann Unterstützung anbieten. Der Jugendliche kann einmal ansprechen, was ihn möglicherweise schon geraume Zeit belastet. Bei einem gemeinsamen Gespräch mit den Ausbildungsverantwortlichen des Unternehmens und dem Auszubildenden lässt sich oft schon vieles klären und die Ausbildung kann hoffentlich erfolgreich weiter geführt werden.

»Ausbildungsbegleiter sehen sich als neutrale Vermittler« Moderieren kann diese Aussprachen Ausbildungsbegleiterin Heike Liebertz. Die Sozialpädagogin leitet das Projekt »Bleib dran! – Ausbildungsabbruch vermeiden« in der Region Reutlingen/Tübingen für den gemeinnützigen Bildungsträger BBQ Berufliche Bildung GmbH. »Wir Ausbildungsbegleiter sehen uns als neutrale Vermittler. Bereits heute melden sich pro Jahr bei uns rund 25 Jugendliche und Betriebe mit schwierigen Ausbildungssituationen. Der Bedarf ist aber weit höher«, sagt Liebertz.

»Häufig sind es Konflikte zwischen dem Azubi, dem Ausbilder oder der Belegschaft, die dem Abbruch der Ausbildung vorausgehen. Das muss nicht sein. In vielen Fällen finden wir im Gespräch mit den Beteiligten eine Lösung. Ist das Verhältnis zwischen Ausbilder und Auszubildenden nicht zu kitten, unterstützen wir die Jugendlichen bei der Suche nach einem anderen Betrieb«, so die Pädagogin.

»Die Ursache liegt nicht selten in der falschen Berufswahl« Besonders betroffen von Ausbildungsabbrüchen sind in der Region Neckar/Alb das Hotel- und Gaststättengewerbe, der Einzelhandel und das Friseurhandwerk, so die Auswertungen des Statistischen Landesamtes. »Gründe für das vorzeitige Aus einer Ausbildung gibt es viele. Neben Schwierigkeiten im Betrieb selbst liegt die Ursache nicht selten in der falschen Berufswahl. Das zeigt sich besonders oft, wenn Vorstellungen vom Beruf und Alltagserfahrung der Azubis stark voneinander abweichen«, so Liebertz.

Der Auszubildende gerät dann in eine schwierige Lage: Hat er trotz reiflicher Überlegungen und Beratung durch die Agentur für Arbeit den falschen Beruf gewählt? Sollte er die Ausbildung abbrechen? Oder ist die Umstellung auf das Berufsleben die eigentliche Ursache des Problems?

Manchmal, so Ausbildungsbegleiterin Liebertz, seien es auch persönliche Gründe oder äußere Umstände, die zum Abbruch der Ausbildung führen – etwa eine Krankheit oder die Schließung des Unternehmens. »Unsere Unterstützung setzt immer an der jeweiligen Situation an. Entsprechend sind unsere Angebote. Die reichen von der Mediation bis zur Beratung bei beruflicher Neuorientierung, der Suche nach einem neuen Ausbildungsbetrieb bis zur Begleitung zum Vorstellungsgespräch. Wir betreuen die Azubis bis zur Abschlussprüfung, helfen bei den Anträgen auf Wohngeld und Ausbildungsbeihilfe.« (eg)

0 70 71/9 65 27 17

liebertz.heike@biwe-bbq.de

www.biwe-bbq.de



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