Reutlingen
Orts-Check - Die Bewohner von Ohmenhausen schätzen die »grüne« Lage, leiden aber unter dem Verkehr

Orts-Check: Auf der Suche nach der Mitte

Von Ulrike Glage

REUTLINGEN-OHMENHAUSEN. Wald im Süden, idyllische Streuobstwiesen im Norden, östlich das Naturschutzgebiet Listhof - sattes Grün, und alles fußläufig erreichbar: das ist einer der Pluspunkte von Ohmenhausen, den die Bewohner so schätzen. Die Nähe zur Natur mag sie darüber hinwegtrösten, dass es nicht wirklich eine Dorfmitte gibt im viertgrößten Stadtteil von Reutlingen.

Dorfidylle: Ohmenhausen hat viele Gesichter - und will noch schöner werden. FOTOS: TRINKHAUS
Dorfidylle: Ohmenhausen hat viele Gesichter - und will noch schöner werden. FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Das aber ist historisch bedingt. Denn Ohmenhausen gehörte einst zum Reutlinger Spital, Verwaltungs-»Ableger« waren die sieben Maierhöfe, die im ganzen Ort verteilt waren. Die Wohnbebauung entwickelte sich drumherum, eine historisch gewachsene Mitte gibt es deshalb nicht. »Gefühlt«, sagt Bezirksbürgermeisterin Heide Schnitzer, ist das Zentrum am ehesten »Hegis« oder Brunnenplatz, letzterer immerhin Standort für den Mai- und Weihnachtsbaum. Die Chancen, dass Ohmenhausen doch noch ein Herzstück bekommt, stehen nicht schlecht: Die Weichen für den Ortsentwicklungsplan, bei dem die Bürger ein gewichtiges Wort mitreden können, sind gestellt. Und die Schaffung einer attraktiven Ortsmitte steht dabei ganz oben auf der Liste.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ohmenhausen 1272. Das Sagen hatten die Herren von Stöffin und die Tübinger Pfalzgrafen - bis dann die Stadt Reutlingen 1358 den adligen Herren Ohmenhausen abkaufte. Nach dem Ende der Reichsstadtzeit 1802/03 war dem Dorf eine Ära als selbstständige württembergische Gemeinde vergönnt. Seit der freiwilligen Eingemeindung 1949 ist Ohmenhausen Stadtteil von Reutlingen.



Der legte nach dem Krieg kräftig zu. Die Mahdachsiedlung wurde gebaut, später dann etwas abseits die Hasenbergsiedlung. Die geografische Lage der neuen Wohngebiete trug nicht gerade dazu bei, den Ort zu einer Einheit werden zu lassen. Die innerörtlichen Entfernungen sind groß und mit ein Grund für die Verkehrsprobleme Ohmenhausens. Denn ohne Auto wird's anstrengend, von A nach B zu kommen. »Einkaufen zu Fuß - das ist schwierig«, sagt Heide Schnitzer.

Ohmenhausen ist ein Ort der Gegensätze: Auf der einen Seite viel Natur, auf der anderen mit der Mark-West ein Industriegebiet, das Kaufkraft bindet. Der Einzelhandel im Ort tut sich deshalb schwer. Das Industriegebiet hat aber auch positive Seiten, denn etliche Ohmenhäuser haben dort ihren Arbeitsplatz gefunden.

Das größte Problem Ohmenhausens ist aber das enorm hohe Verkehrsaufkommen. Besonders geplagt sind die Bewohner der Hohe/Neue Straße, der viel befahrenen Landesstraße. Dort wurde zwar Tempo 30 eingeführt - eine Ortsumgehung wäre den Anliegern freilich lieber. Aber auch die Ohmenhäuser, die an Hansen- und Turmstraße, Fehlhaldenweg und Brühlstraße wohnen, ächzen ob der Fahrzeugkolonnen vor ihrer Tür. Insbesondere Pendler von der Alb nutzen die innerörtlichen Routen als willkommene Abkürzung. (GEA)

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