Arbeiterbildung - Mit neuem Vorstand und vergrößerter Mannschaft soll unabhängige Beratung ausgebaut werden
Arbeiterbildung vor neuen Herausforderungen
REUTLINGEN. Nach der erfolgreichen Stabilisierung des Vereins Arbeiterbildung wurde bei der Hauptversammlung ein neuer Vorstand gewählt, der sich zum Ziel gesetzt hat, auf der Basis des Erreichten aufzubauen und die Arbeit weiterzuentwickeln. Viel Anerkennung gab es für die Leistung der bisherigen Vorstandsmitglieder in den zurückliegenden schwierigen Zeiten - speziell für Rechtsanwalt Daniel Dohmel, der aus beruflichen Gründen den Vorstandsvorsitz aufgeben musste. Er wird den Verein in einem neu zu gründenden Beirat weiter unterstützen.
Der neue Vorstand und die Mitarbeiter der Erwerbslosenberatung (von links nach rechts): Manuel Thumm (Vorstand, Dipl.-Sozialarbeiter, FH), Peter Langos (Beratung, Politologe MA), Anja Schnell (Beratung, Dipl.-Sozialarbeiterin, FH), Jessica Tatti (Vorstand, Dipl.-Sozialarbeiterin, FH), Ursula Neef (Vorstand, Bankkauffrau und Leiterin von Niederlassungen einer Bildungseinrichtung), Peter Luksch (Vorstand, Beratung), Thomas Bangemann (Geschäftsführung). FOTO: PR
Das vorläufige Resümee für 2010 und 2011 fällt positiv aus. So stieg die Anzahl der kostenlosen Beratungsgespräche mit Erwerbslosen bis Ende 2010 um rund 20 Prozent auf etwa 100 monatlich. Im Jahr 2011 ist nach den bisher vorliegenden Zahlen mit über 1 200 Beratungen zu rechnen. An drei Tagen in der Woche stehen kostenlos Experten zur Verfügung, um beispielsweise beim Ausfüllen und Kontrollieren von Anträgen oder auch beim Formulieren von Widersprüchen zu helfen.
Betroffene, die durch falsche oder grenzwertige Entscheidungen des Jobcenters von Obdachlosigkeit bedroht waren oder denen fünfstellige Beträge als Rückforderungen drohten, wurden unterstützt, damit sie ihre Rechte erfolgreich durchsetzen konnten.
Mitgliederzahl verdoppelt
Die Anzahl der Mitglieder im Verein hat sich von 2010 auf 2011 verdoppelt. Durch die Selbstaktivierungsgruppen konnten Interessierte auch in die Mitarbeit eingebunden werden, beispielsweise für die Begleitung von Ratsuchenden zu Terminen beim Jobcenter oder beim Sozialgericht. Durch eine neue Stelle für die Geschäftsführung wurde die interne Arbeitsorganisation verbessert. Ehrenamtliche konnten dadurch entlastet werden und gewannen mehr Zeit für die inhaltlichen Aufgaben.
Nach 30 Jahren gemeinnütziger Arbeit steht der Verein jetzt vor neuen Herausforderungen. Zwar wurde von den Regierungsparteien die Notwendigkeit einer unabhängigen Erwerbslosenberatung anerkannt und die Förderung im Koalitionsvertrag festgeschrieben, doch die Zeit bis zu der erwarteten Förderung durch das Landesprogramm in 2012 muss erst noch überbrückt werden.
Da es noch keine konkreten Aussagen über Umfang und Ausgestaltung der Förderung gebe, könnten auch keine Gespräche mit Stadt und Kreis - etwa wegen der dringend benötigten neuen Räume - geführt werden, meinte der Geschäftsführer Thomas Bangemann.
Jessica Tatti, die neue Vorstandsvorsitzende, konnte im Ergebnis festhalten: Die Beratung wird dieses Jahr mit dem bewährten Fachmann Peter Langos weitergeführt. Unterstützt wird er von Mitarbeitern, die 2011 vom Verein und bei überregionalen Schulungen qualifiziert wurden. Der niederschwellige Zugang, die Qualität einer kostenlosen und unabhängigen Beratung bildeten nach wie vor die Basis für das Vertrauen der Ratsuchenden, so Tatti. Das Modell einer Beratung auf mehreren Ebenen werde weiterverfolgt und ausgebaut.
Neben Ehrenamtlichen, die als Begleiter bei Behördenterminen und bei einfachen Fragen zur Verfügung stünden, werde auf kontinuierliche Qualifizierung der Berater Wert gelegt und ein Modell für die engere Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Spezialisten und Rechtsanwälten für das Sozialrecht angestrebt. So wolle man sich breiter aufstellen und könne dann bei entsprechender finanzieller Unterstützung die Beratungsqualität auch im Jahr 2012 halten und mit der Zuteilung von Fördermitteln aus dem Landesprogramm den notwendigen Ausbau voranbringen.
Ursula Neef, die Verantwortliche für die Finanzen im Vorstand, meinte allerdings, dass es durch die noch ausstehenden Aussagen des Landessozialministeriums notwendig werden könne, mit Mitteln von Stadt, Kreis, privaten Förderern und Spendern bis dahin eine »finanzielle Hängepartie« zu überbrücken. (em)
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