Betreuung - Das Konzept ist fertig. Nun muss es unter die Leute gebracht werden: Arbeitskreis der Kleinkindergruppen präsentiert »Leitfaden« für Elternvereine

Anleitung zum Besserwerden

VON ANDREA GLITZ

REUTLINGEN. Sie tragen kreative Namen wie »Windelrocker«, »Wespennest« oder »Kinder-Reich«: Bei der unlängst veröffentlichten Umfrage des Gesamtelternbeirats Reutlinger Kindergärten und Kindertagesstätten (Gerk) zum Thema Kinderbetreuung in Reutlingen kamen die Kleinkindergruppen in Elternträgerschaft besonders gut weg. Eltern, die ihre Kleinkinder dort untergebracht haben, waren durchweg zufrieden oder sehr zufrieden mit der Betreuung.

Kein Grund, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Die Freien Träger sind bemüht, ihre Qualität zu verbessern. Der »Leitfaden zur Qualitätsentwicklung« des Arbeitskreises der Kleinkindgruppen Reutlingen« soll dabei helfen. Carola Reinmuth und Gundula Neuscheler von der Kontakt- und Beratungsstelle des Arbeitskreises haben das Konzept zur Qualitätssicherung unlängst vorgestellt.

Gleich und doch anders

Anhand von Fragenbögen sollen Eltern und Pädagoginnen in den Häusern über Themen wie professionellen Umgang mit unterschiedlichen Ansichten, Vernetzung mit den Familien oder transparente Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen diskutieren. Die Beschäftigung mit dem »Leitfaden« soll Debatten über Leitbilder und Selbstverständnis anregen – und zum Nachbessern, wo’s klemmt.

»Wir wollen zudem nach innen und außen vermitteln, dass unsere Kleinkindergruppen eine qualitativ gleichwertige Betreuung anbieten«, erläutern die beiden Frauen. Das sei noch immer nicht überall angekommen, was aus der Historie der Vereine herrühre. »Früher waren das Selbsthilfegruppen, in denen Erzieherinnen ein paar Stunden mit den Kindern gespielt haben«, sagt Carola Reinmuth. Die Stadt Reutlingen hat die Kleinkindergruppen in Elternträgerschaft seit 2009 mit anderen Trägern formal gleichgestellt und bezuschusst sie entsprechend. Gleichwertig sei die Betreuung, aber eben auch anders, weil die Eltern als Vereinsmitglieder die Einrichtungen organisieren und tragen. Sie bestimmen mit, wo’s lang geht, sind aber auch eingespannt. Putzen, renovieren, im Krankheitsfall die Erzieherin vertreten, gehört dazu.

Die Erzieherinnen haben mehr Freiräume, müssen sich aber mit den Eltern auch ganz anders auseinandersetzen. Was in der Regel offensichtlich gelingt. »Wir haben keine Personalprobleme«, sagt Gundula Neuscheler.

Mit dem Leitfaden können die Vereine ihre Qualität nun weiter verbessern, glauben die Frauen. 18 der 21 Reutlinger Vereine finden das auch und wollen mitmachen. Die Stadt hat das Projekt mit 12 000 Euro bezuschusst. Nun würden die Frauen das Konzept gerne in den Vereinen einführen und dazu Infoveranstaltungen und Workshops anbieten. »Das Heft soll ja nicht in der Schublade verschwinden«, sagt Reinmuth. Deshalb hat der Arbeitskreis zweimal 3 000 Euro für den Haushalt 2015/2016 beantragt. Die sind allerdings im Etatentwurf nicht vorgesehen. Die Stadt hat zuletzt mächtig in die Kinderbetreuung reinbuttert.

Es zeichnet sich ab, dass nun kürzer getreten wird. Auch der Antrag des Arbeitskreises, die Bezuschussung für die Kleinkindgruppen, die Öffnungszeiten von 25 Stunden anbieten, zu erhöhen, fand keinen Eingang in den Haushaltsentwurf. Für den Baustein 20 bis 25 Stunden würden nur 20 Stunden von der Stadt bezuschusst, beklagen Reinmuth und Neuscheler, obwohl immer mehr Gruppen sich den Elternwünschen anpassen und die Höchstzeit 25 Stunden anbieten. Die 172 000 Euro Mehrkosten, die der Arbeitskreis nun für den Haushalt angemeldet hat, werden bislang von den Vereinen aufgebracht. (GEA)



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