Kultur - Auch bei der 42. Auflage gab's wieder eine »geführte Weinprobe« mit Lesung und Gesang

Alles echt Schwäbisch bei den Reutlinger Mundart-Wochen

VON ELKE SCHÄLE-SCHMITT

REUTLINGEN. Acht große runde Tische stehen im Foyer der Reutlinger Volksbank, edel gedeckt mit weißen Leintüchern, Wein- und Wassergläsern für je zehn Personen. Kein Platz wird leer bleiben; die »geführte Weinprobe« im Rahmen der Reutlinger Mundartwochen hat Tradition – und zahlreiche Anhänger. Unter den Gästen finden sich etliche Wiederholungstäter, in puncto Weinprobe, aber auch in Sachen Mundartwochen allgemein.

Der »Mundart-König« thront über seinem amüsierten Gefolge, Jörg Beirer (rechts) gibt bei der »geführten Weinprobe« in der Volksbank den Hofsänger.
Der »Mundart-König« thront über seinem amüsierten Gefolge, Jörg Beirer (rechts) gibt bei der »geführten Weinprobe« in der Volksbank den Hofsänger. FOTO: Elke Schäle-Schmitt
Schon vor der Begrüßung durch Wilhelm König, den Vorsitzenden der Mundartgesellschaft Württemberg, ist die Stimmung vergnügt. Man kennt sich, plaudert angeregt über dies und das, auffallend oft über den Auftritt von »Helge & das Udo« vor zwei Wochen.

Bauchmuskelkater vor Lachen habe sie am nächsten Tag gehabt, berichtet eine Dame ihrer Tischnachbarin, und die bestätigt, ihr sei es genauso ergangen. Nun, ganz so »schlimm« soll's diesmal nicht werden, aber ein heiter-besinnlicher Abend mit genügend Anlass zum Schmunzeln und Lachen steht auch den Weinprobengästen bevor.

In vier Runden werden jeweils zwei »Spitzenweine aus der Region«, so Wilhelm König, gegeneinander verköstigt: je zwei Weiße und zwei Rote der Weingüter Bächner aus Dettingen und Dolde aus Frickenhausen, allesamt angebaut in Neuffen. Die Besonderheiten der Lage – ungewöhnlich hoch, weißer Jura als Untergrund, spezielle Thermik am Albrand – erläutert Petra Bächner so kundig wie charmant. Die Dolde-Weine stellt Weinhändler Bernhard Hüger vor, der den Winzer Helmut Dolde vertritt.

Dialekt als Thema

Der Unterhaltungsteil des Abends ist »hausgemacht«: Wilhelm König liest aus seinen Büchern, und Jörg Beirer, der ebenfalls im Vorstand der Mundartgesellschaft sitzt, trägt am Klavier Gesprochenes und Gesungenes vor. Ums »Frühjohr« geht es da, um »Badenka« und »Schmetterleng«, »Henna« und »Gockeler«, »d' Hoimet« oder »dr Schwädds«, für den man sich Zeit nehmen sollte.

Dazwischen wird es kritisch-politisch, dreht sich um Vorurteile oder den Dreck, der gern mal unter den Teppich gekehrt wird. Alles echt Schwäbisch. Mancher Besucher muss an mancher Stelle beim Nebensitzer nachfragen, ehe er mitlachen kann. Immer wieder wird der Dialekt selbst zum Thema.

So demonstriert König den Unterschied zwischen »Kappiser« und Dettinger Mundart. Oder er wirft die Frage auf, weshalb in »Kiesche«, also den schwäbischen Kirschen, kein R vorkommt, und gibt die Antwort gleich selbst: »'s langet, wenn do Stoiner drin sind, do braucht's et au no a R.« Vor allem Beirer offenbart viel Sinn für gepflegten Unsinn, zur Freude des Publikums, das seiner Aufforderung, beim Refrain mitzusingen, begeistert nachkommt. Mit umso mehr Inbrunst, je länger der Abend dauert, wie der Ammerbucher Kabarettist erfreut konstatiert. Bleibt zu hoffen, dass die Gäste sich Weinhändler Hügers Ratschlag vom Anfang zu Herzen genommen haben: »Je mehr Wasser Sie zwischendurch trinken, umso besser geht es Ihnen am nächsten Tag.« Damit spätestens am morgigen Dienstag wieder alle fit sind, wenn mit dem Kleinkunstauftritt von Ernst Mantel – laut König »einer der besten Gitarristen Württembergs« – die diesjährigen Mundartwochen im Spitalhofsaal ihren Abschluss finden. (GEA)

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