Kommunalpolitik - Sozialausschuss informiert sich über die finanzielle Seite des Arbeitskampfes der Erzieherinnen
84 000 auf einen Streik
VON HEIKE KRÜGER
REUTLINGEN. Einfach war sie offenbar nicht: die finanzielle Abrechnung des Erzieherinnen-Streiks. Trotzdem konnte Bürgermeister Robert Hahn bei der jüngsten Sitzung des Reutlinger Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschusses mit Zahlen aufwarten.
Danach hat der Ausstand von Reutlingens Kindergärtnerinnen rund 84 000 Euro (brutto) in den Säckel gespült. Eine hübsche Summe, die sich durch Fortzahlung sogenannter »Besuchsgelder« bei gleichzeitigem Wegfall von Personalkosten zusammengeläppert hat. Oder anders ausgedrückt: Weil Eltern an Streiktagen für die (Nicht-)Betreuung ihrer Kinder zur Kasse gebeten wurden, verzeichnen die Hüter der Finanzen jetzt ein stattliches Plus.
Was aber geschieht mit diesem Geld? Wird es den betroffenen Familien anteilig rückerstattet? Nein, sagt Robert Hahn. Das stünde in Widerspruch zur kommunalen Kindergartenordnung. Mal ganz davon abgesehen, dass ein solches Prozedere mit erheblichem Verwaltungsaufwand verbunden wäre. Und dieser stünde in keinem Verhältnis zu jenen Kleckerles-Beträgen, die pro Einzelfall ausgeschüttet werden könnten.
Ohne Abzüge
Mal eben einsacken oder gar zweckentfremden werde man die Mittel aber selbstverständlich nicht. Im Gegenteil. Sie sollen, so Robert Hahn, »unmittelbar in die kommunalen Einrichtungen« fließen - etwa zur Anschaffung von ergonomischem Mobiliar. Kurz: Die 84 000 Euro kommen Kindern und Erzieherinnen zugute. Und das, obwohl die Stadt Reutlingen infolge der Arbeitsniederlegungen - insgesamt galt es sechs protestbedingte Schließtage zu bewältigen - Mehrausgaben in nicht näher bezifferter Höhe zu stemmen hatte.
Dass man seitens der Verwaltung wenig Verständnis für die Streiktaktik der Gewerkschaften aufbringen konnte und kann - daraus macht Bürgermeister Hahn keinen Hehl. Hier, poltert er einmal mehr, seien berufliche Interessen auf dem Rücken von Eltern und Kindern ausgetragen worden. Die bewusste Platzierung konzertierter Protestaktionen an Montagen und deren äußerst kurzfristige Ankündigung sei »voll zulasten der Familien« gegangen. »Das war schlichtweg unanständig.«
Von den 52 städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen hatten sich übrigens 46 mal mehr, mal weniger konsequent an den Streiks beteiligt. Aus Rathaussicht handelt es sich demnach um eine »flächendeckende« Kampagne, weshalb die 84 000 Euro auch nicht qua Gießkannenprinzip auf alle am Streik beteiligten Einrichtungen verteilt werden sollen. Stattdessen wolle man Notwendigkeiten abwägen und das Geld gezielt für besonders dringliche und sinnvolle Anschaffungen - etwa höhenverstellbare Tische oder Tripp-Trapp-Stühle - ausgeben.
Über diese Verfahrensweise, hieß es, sei der Gesamtelternbeirat der Reutlinger Kindergärten und Kindertagesstätten (Gerk) bereits per Rundschreiben informiert worden. Und weiter: Begünstigte Tageseinrichtungen sollen - nach getätigter Anschaffung - per Aushang öffentlich Vollzug melden. (GEA)
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