Stuttgart 21 - Gegner demonstrieren auf dem Reutlinger Marktplatz die mangelnde Barrierefreiheit

»Zu steil, zu eng, zu teuer«

Von Hans-Jörg Conzelmann

REUTLINGEN. Vorsicht am Bahnsteig: Mit »Engpassaktionen« versuchten gestern die Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 auf die mangelnde Barrierefreiheit des geplanten Durchgangsbahnhofs aufmerksam zu machen. Dazu hatten sie auf dem Reutlinger Marktplatz das Modell eines Bahnsteigs im Maßstab 1:1 aufgebaut - mit schmalen Wegen und steilen Rampen. Auf Kommando stiegen Radfahrer, Rollstuhlfahrer, Menschen mit Koffern und Behinderte an Krücken aus fiktiven Zügen. Die wenigsten erreichten ihren Zug pünktlich. Der Zug fuhr meist ohne sie ab.

»Verpasste Anschlüsse«: Stuttgart-21-Gegner führten die angeblichen Unwegbarkeiten vor. FOTO: MARKUS NIETHAMMER
»Verpasste Anschlüsse«: Stuttgart-21-Gegner führten die angeblichen Unwegbarkeiten vor. FOTO: Markus Niethammer
»Behinderte müssten im Notfall die Treppen hochgetragen werden«
 

Das Modell hatten die »Ingenieure gegen Stuttgart 21« gebaut und reisen damit durch die größeren Städte der Umgebung. Gestern machten sie in Reutlingen Station und trafen die Mitglieder des »Reutlinger Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21« und der »Metzinger Aktionsgemeinschaft K21«. Dazu gesellten sich Mitglieder der »Initiative Barrierefrei«, »Senioren gegen S21«, »Eltern der Initiative Kinderwagendemo gegen S21« und andere.

Katharina Bausch von der Reutlinger Initiative fand starke Worte für Stuttgart 21. Es sei ein »erlogenes, verschwenderisches und für die Mehrheit unnützes Projekt«. Ihr Mitstreiter Eberhard Frasch sprach von »Täuschungs- und Vertuschungsstrategien« der Bahn. Jüngste Vorwürfe, die Bahn habe Kosten absichtlich verschwiegen, kommentierte er als »räuberisches Verhalten«.

Hans Heidemann von den »Ingenieuren gegen Stuttgart 21« kritisierte die »baulichen Mängel«, die auch im Schlichtungsverfahren angesprochen wurden. Generell sei es eine »Zumutung, erst Treppen rauf und dann wieder runter« zu müssen. Das koste Zeit und Nerven: »Es wird der Bahnhof der verpassten Anschlüsse.«

Besonders kritisch seien die Flucht- und Rettungswege des Tiefbahnhofs. Im Brandfall könnten Bahnreisende und -mitarbeiter den Tiefbahnhof nur über Treppen verlassen, da Aufzüge und Rolltreppen außer Betrieb seien. Für ältere und gehbehinderte Menschen sowie für Eltern mit Kinderwagen seien die 40 Treppenstufen ohne fremde Hilfe nicht zu bewältigen - »sie müssten von anderen getragen werden«. (GEA)

Schlichterspruch


Der Schlichterspruch von Heiner Geißler sieht den Bau des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 vor, allerdings mit Nachbesserungen. Folgende Passagen formulierte Geißler zu den Themen Barrierefreiheit und Sicherheit, die gestern von Reutlinger Aktivisten kritisiert wurden: »Im Bahnhof wird die Verkehrssicherheit entscheidend verbessert. Im Interesse von Behinderten, Familien mit Kindern, älteren und kranken Menschen müssen die Durchgänge gemessen an der bisherigen Planfeststellung verbreitert werden, die Fluchtwege sind barrierefrei zu machen.

Die vorgesehenen Maßnahmen im Bahnhof und in den Tunnels zum Brandschutz und zur Entrauchung müssen verbessert werden. Die Vorschläge der Stuttgarter Feuerwehr werden berücksichtigt.«, S-21-Gegner bezweifelten gestern die Realisierung der geforderten Maßnahmen. (co)

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