Soziales - Festakt mit Ansprachen und Musik zu zwanzig Jahren Reutlinger Selbsthilfeforum in Stadt und Landkreis

»Wir haben da einen Schatz«

VON GABRIELE BÖHM

REUTLINGEN. Das Angebot reicht von Aids- bis Zöliaki-Gruppe. Rund 80 Zirkel mit mehreren Hundert Mitgliedern umfasst der aktuelle Führer der Selbsthilfegruppen in Reutlingen, Tübingen und dem Zollernalbkreis. Am Freitag feierte das Selbsthilfeforum Reutlingen sein 20-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Spitalhofsaal.

»Wir haben da einen Schatz, den wir eventuell gar nicht richtig wertschätzen«, sagte Landrat Thomas Reumann in seinem Grußwort. »Die heutige Feier ist eine gute Gelegenheit dazu, Glückwünsche zu überbringen sowie Anerkennung und Respekt auszudrücken.« Bei der Gründung am 13. November 1997 sei in Reutlingen etwas entstanden, das »landesweit noch nicht in aller Munde war«. Die Selbsthilfegruppen übernähmen wichtige Aufgaben in der Gesellschaft und seien aus dem sozialen Netzwerk nicht mehr wegzudenken. »Das Selbsthilfeforum ist ein wichtiges Instrument der Koordination von bürgerschaftlichem Engagement.«

Vier Anlaufstellen

1997 entstand auf Initiative der Bezirksgeschäftsstelle Neckar-Alb des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes aus damals schon rund 60 gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppen der Zusammenschluss des Selbsthilfeforums. Bis heute wird auch die Geschäftsführung des Forums durch die Selbsthilfeunterstützungsstelle des Paritätischen Reutlingen erbracht. »Es bildete sich schnell der Steuerungskreis aus den Leitern der Gruppen sowie den Hauptamtlichen der Selbsthilfeunterstützungsstelle des Paritätischen und der KIGS, der Kontakt und Informationsstelle für gesundheitsbezogene Selbsthilfe der AOK Neckar-Alb«, so Achim Scherzinger vom Paritätischen.

KIGS, Paritätischer, Forum der Selbsthilfegruppen und die Kooperationsberatung für Ärzte und Selbsthilfegruppen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg sind im Raum Reutlingen Anlaufstellen für die Gruppen sowie Vermittler von Ratsuchenden in passende Gruppen.

»Die Selbsthilfegruppen sind ein starkes Stück ehrenamtlichen Engagements«, sagte Klaus Knoll, Geschäftsführer der AOK Neckar-Alb in seinem Grußwort. »Viele wichtige Interessen konnten zusammengetragen und realisiert werden.« Durch die Gruppen habe man das Gesundheitssystem mit ambulanten, stationären und regenerativen Hilfen um eine vierte Säule erweitert. Geschätzt würden bundesweit rund vier Milliarden Euro von Selbsthilfegruppen erwirtschaftet. »Sie bieten einen geschützten Raum für Menschen mit Krankheiten und Verletzungen und helfen Betroffenen, neue Lebensräume zu gewinnen.«

»Das gegenseitige Wahrnehmen, Mitfühlen und moralische sowie praktische Unterstützen in den Gruppen ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft«, sagte Gabriele Janz, Vorsitzende des Kreisverbands des Paritätischen. »Gemeinsam statt einsam« griff sie das Motto des Forums auf.

Maria Luik (Freundeskreis der Suchtkrankenhilfe Hohbuch), Sigrun Schröder (AOK), Ute Zeile (Selbsthilfegruppe Morbus Bechterew) und Edith Neubert (Selbsthilfegruppe Aphasie und Schlaganfall Metzingen) machten in ihren Referaten auf der Bühne die Vorteile des Gruppenzusammenschlusses im Selbsthilfeforum deutlich. Gemeinsam sei es einfacher, Probleme zu lösen.

Auf Augenhöhe

Man entwickele immer mehr Kompetenzen und könne auf der Grundlage dieses Know-hows beispielsweise Ämtern und Institutionen auf Augenhöhe begegnen. Man führe jährlich mindestens vier Sitzungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten durch, biete Fortbildungen an und präsentiere sich auch auf der Gesundheitsmesse.

In ihrem bebilderten Rück- und Ausblick wiesen Achim Scherzinger und Sigrun Schröder auf die Stationen des Forums hin. So sei die 2001 ins Leben gerufene Poolfinanzierung, bei der jede Krankenkasse eine Mark pro Versichertem für die Selbsthilfegruppen bereitstellte, ein wichtiger Schritt gewesen. Jahrestreffen dienten dem Austausch und der Vernetzung, der sehr gut besuchte erste Reutlinger Selbsthilfetag 2011 sei ebenfalls ein großer Erfolg gewesen. 2008 habe man die Homepage www.selbsthilfe-reutlingen.de eingerichtet.

Neben einem neuen Logo, das laut Scherzinger Offenheit, Toleranz und Vielfalt repräsentiert, soll die Vernetzung weiter ausgebaut werden. Neuestes Projekt ist die Fortbildung medizinischer Fachangestellter zum Thema Selbsthilfe.

Zum Schluss wurde allen gedankt, die das Selbsthilfeforum unterstützten. Für Musik sorgten die Geschwister Isabell, Rebecca und Thomas Haas. (GEA)



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