Jugendkultur - Rappen fürs Selbsvertrauen im franz.K

»Talk«-Projekt gegen Rassismus und Sexismus

VON JOACHIM BAIER

REUTLINGEN. Viele Jugendliche haben schon schlechte Erfahrungen mit Ausgrenzung gemacht. Rassismus, Sexismus, Vorurteile wegen einer Behinderung, die Ursachen sind vielfältig, aber fast immer erleben die Betroffenen dabei Ohnmacht und Sprachlosigkeit. Neues Selbstvertrauen schaffen soll das »Talk«-Projekt, das am Mittwoch, 28. September, in der mittlerweile vierten Auflage im franz.K startet. Noch sind einige Plätze in den Workshops frei.

Beim »Talk«-Projekt sollen Jugendliche lernen, die eigenen Potenziale zu entfalten, zum Abschluss dürfen sie im kommenden Jahr alle auf der  franz.K-Bühne ihre Performance zeigen. FOTO: FRANZ.K
Beim »Talk«-Projekt sollen Jugendliche lernen, die eigenen Potenziale zu entfalten, zum Abschluss dürfen sie im kommenden Jahr alle auf der franz.K-Bühne ihre Performance zeigen. FOTO: FRANZ.K
»Talk« steht für Initiative ergreifen. »Wir möchten Jugendliche darin bestärken, sich von Ausgrenzungs- und Diskriminierungs-Erfahrungen nicht unterkriegen zu lassen«, sagt Beke Weis vom Organisations-Team des Projektes. »Sie sollen lernen, ihre Potenziale zu entfalten und sich gegenseitig zu stärken«, formuliert die Erziehungswissenschaftlerin und Street-Dance-Trainerin.

»Die Jugendlichen verändern sich während des Projektes enorm«, so die Erfahrung von Tanz-Lehrerin Teresa Ceran aus den Vorjahren. Es seien Mädchen dabei gewesen, die anfangs von ihren Freundinnen zum Workshop überredet werden mussten, die dann aber im Laufe der Zeit eine enorme Bühnenpräsenz entwickelt hätten. Von Lehrern hätten sie die Rückmeldung bekommen, dass die am Projekt beteiligten Jugendlichen deutlich mehr Selbstbewusstsein zeigen würden.

Das Projekt richtet sich an Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, die Erfahrung mit Ausgrenzung gemacht haben. »Der Hintergrund der Jugendlichen ist sehr unterschiedlich«, erklärt Beke Weis, »teilweise haben sie einen Migrationshintergrund, eine Behinderung oder sie kommen aus sozial schwachen Familien – aber sie haben alle eine Geschichte zu erzählen.«

»Die Jugendlichen sollen ihre eigene Performance entwickeln«
 

Im Rahmen des Projektes werden drei Workshops angeboten: Rapmusik, Hip-Hop-Tanz und Fotografie beziehungsweise Street-Art. Angeleitet werden die Jugendlichen von einem Mentorenteam aus Künstlern und Pädagogen, dazugehören Kasper Rügenberg, Maria Kechaja, Hanna Smitmanns, Teresa Ceran, Beke Weis und Mirjam Kashefipur. »Wir laden dazu immer wieder auch externe Künstler ein«, sagt Beke Weis.

Die Grenzen bei den drei Kunstformen sind fließend, die Wünsche der Jugendlichen werden berücksichtigt. »Wir tanzen nicht nur Hip-Hop, ich bin da ganz offen, wenn jemand Bauchtanz machen möchte, geht das auch«, erklärt die Street-Dance-Trainerin Teresa Ceran. Gleiches gilt auch für die anderen Workshops. »Es gibt kein vorgefertigtes Konzept, die Jugendlichen sollen ihre eigene Performance entwickeln«, ergänzt Beke Weis.

Die Workshops dauern von November bis Juni kommenden Jahres. Am Ende mündet alles in eine große Abschlussfeier – voraussichtlich im Juni 2017 –, bei der die Jugendlichen ihre Kreativität auf der franz.K-Bühne ausleben dürfen. Teilweise würden die Jugendlichen sogar eigene Auftritte etwa bei Schulabschlussfeiern organisieren, bemerkt Teresa Ceran.

Es wird aber nicht nur gerappt, getanzt und fotografiert, die Jugendlichen sollen sich darüber hinaus mit dem Thema Ausgrenzung und Diskriminierung beschäftigen. »Es ist wichtig, dass wir ihnen Gelegenheit geben, ihre eigenen Probleme anzusprechen«, betont Beke Weis. Die künstlerischen Elemente schaffen zudem eine enge Verbindung, viele der Jugendlichen bleiben auch nach dem Projekt noch in Kontakt miteinander.

Das Projekt wird getragen vom Netzwerk Antidiskriminierung e.V. – Region Reutlingen Tübingen, vom Kulturzentrum franz.K und vom Fachdienst Bildung, Jugend, Migration der Bruderhaus- Diakonie. Finanziert werden die Workshops aus Mitteln des Landesverbands Soziokultureller Zentren, der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendarbeit und der Aktion Mensch. Auch die GWG Reutlingen beteiligt sich mit einer Spende. Insgesamt kommen für die kreative Jugendarbeit rund 40 000 Euro zusammen.

»Es wäre schön, wenn es noch mehr Projekte dieser Art geben würde – Angebote zum Thema Ausgrenzung sind eher selten«, meint Beke Weis, die zudem auf eine regelmäßige Finanzierung des »Talk-Projektes« hofft. (GEA)

Wöchentliche Workshops


Die kostenlosen Workshops im Rahmen des »Talk«-Projektes starten am Mittwoch, 28. September, und laufen bis Juni kommenden Jahres. Noch gibt es einige freie Plätze. Nach den Erfahrungen aus den Vorjahren sei eine Gruppengröße von 15 Jugendlichen pro Workshop optimal, erklärt Street-Dance-Trainerin Teresa Ceran. Es würde jedoch niemand zurückgewiesen, da sich erfahrungsgemäß die Teilnehmerzahl im Laufe der Zeit ohnehin verringere.
Die Workshops finden immer mittwochs im franz.K statt: Hip-Hop-Tanz läuft von 14 bis 16 Uhr, ebenso der Foto-Workshop. In der Zeit von 16 bis 18 Uhr sind die Rapper willkommen. Anmeldungen und Anfragen sind per E-Mail unter talk@franzk.net möglich.

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