Reutlingen
Stadtentwicklung - Was bedeutet es für die Fußgänger, wenn Steg und Rampe vor dem Tübinger Tor fallen?

»Mehr Übersicht, mehr Sicherheit«

VON ROLAND HAUSER

REUTLINGEN. Nein, übersichtlich ist die Situation vor dem Tübinger Tor für Fußgänger wahrlich nicht. Dort, wo künftig möglichst viele Besucher aus Richtung Innenstadt zur neuen Stadthalle eilen sollen, verbaut ein Betonhügel samt Fußgängersteg und Rampe die Sicht und versperrt vor allem auch den direkten Weg.

Eine Mittelinsel in der Zufahrt zum ZOB, die bei der Wendeplatte beginnt, soll für Fußgänger das Überqueren künftig sicherer machen.Einen freien Blick auf den Bürgerpark, die Stadthalle und die Buszufahrt am ZOB sollen künftig Fußgänger haben, die durchs Tübinger Tor oder von der Rathausstraße kommen. Eine Mittelinsel soll das sichere Überqueren der Zufahrt erleichtern.  GRAFIK: KIENLE
Eine Mittelinsel in der Zufahrt zum ZOB, die bei der Wendeplatte beginnt, soll für Fußgänger das Überqueren künftig sicherer machen.Einen freien Blick auf den Bürgerpark, die Stadthalle und die Buszufahrt am ZOB sollen künftig Fußgänger haben, die durchs Tübinger Tor oder von der Rathausstraße kommen. Eine Mittelinsel soll das sichere Überqueren der Zufahrt erleichtern. GRAFIK: KIENLE
Das soll bald anders werden - mit dem Begleiteffekt, dass aus der gegenüberliegenden Perspektive auch der Blick auf den historischen Stadteingang, das Tübinger Tor und die Stadtmauerhäuser wieder frei und ungetrübt wird. Baubürgermeisterin Ulrike Hotz spricht von einer »großzügigen Eingangssituation«.

Der bereits beschlossene und terminierte Abriss des Fußgängerstegs vor dem Tübinger Tor ist in der aktuellen Diskussion um das Schicksal des Stegabschnitts über die Konrad-Adenauer-Straße von überraschten Bürgern noch einmal hinterfragt worden. Besorgte Stimmen wurden laut, wie es denn künftig um die Sicherheit der vielen Schüler und anderen Fußgänger bestellt sei, wenn sie die Buszufahrt zur »Haltestelle Stadtmitte« ebenerdig überqueren müssen?



Nun, da der Abbruch des von der FDP sogenannten »Stummelstegs« über die Adenauerstraße vom Tisch ist (siehe Info-Box), die Forderung nach einer neuen Rampe aber noch im Raum steht, rückt die Platzgestaltung vor dem Tübinger Tor in den Fokus. »Je übersichtlicher die Situation für die Fußgänger ist«, sagt Ulrike Hotz, »umso sicherer ist sie.«

»Es ist gar nicht zu verhindern, dass dort mehr Leute laufen«
 

Wer nach dem Abbruch der alten Rampe, die übrigens - weil für Rollstühle zu steil - mitnichten behindertengerecht sei, dem Abbruch des dortigen Stegteils und dem Abtragen des Betonhügels durchs Tübinger Tor oder von der Rathausstraße komme, überblicke die Zufahrt zum ZOB problemlos, meinen Hotz und der Leiter der Stadthallen-Projektgruppe, Klaus Kessler, unisono.

Das »erhebliche Gefahrenpotenzial durch die Querung von Fußgängern und Fahrradfahrern bei der Ein- und Ausfahrt zur Haltestelle 'Stadtmitte' südlich des Kreisels beim Tübinger Tor«, das vom Landratsamt im Verlauf des Bebauungsplanverfahrens gesehen wurde, werde durch eine »Querungshilfe« oder Mittelinsel entschärft, erklärt der stellvertretende Leiter des Stadtplanungsamts, Martin Göppert. Außerdem gelte ja auch in diesem Bereich bereits Tempo 30.

Im Juni vorigen Jahres sei die Freiflächenplanung einschließlich der »neuen Querung« am ZOB mit der Verkehrsschaukommission diskutiert worden, berichtet Ordnungsamtsleiter Albert Keppler. Beteiligt waren neben den betroffenen städtischen Ämtern und der Polizei auch die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV) und der Verkehrsbeauftragte des Staatlichen Schulamts Tübingen. Das Ergebnis laut Keppler: »Alle Anforderungen an die Verkehrssicherheit sind erfüllt, es gab keine Bedenken.«

Ziel der gesamten Planung sei es, so Baubürgermeisterin Hotz, mit dem Bürgerpark einschließlich Stadthalle, Hotel und historischem »Krankenhäusle« ein komplett neues Gebiet für Fußgänger und Radfahrer zu erschließen, es an die Altstadt und die anderen angrenzenden Stadtquartiere anzubinden.

Während beim Bau des Stegs über den heutigen Oskar-Kalbfell-Platz auf der damaligen Lederstraße täglich 30 000 Fahrzeuge unterwegs gewesen seien, erinnert Ulrike Hotz an die Ausgangssituation vor mehr als 30 Jahren, werde die Zufahrt zum ZOB und Richtung Gerberviertel heute nur noch von geschätzt 5 000 Fahrzeugen täglich genutzt, wovon nach Auskunft von Albert Keppler 1 200 Fahrten auf die Stadtbusse entfallen. Der Rest sind Anlieger und Zulieferer. Bereits jetzt, so Keppler, werde die ZOB-Zufahrt schon von mehr Fußgängern ebenerdig überquert, als man denke. Und selbst wenn der Steg vor dem Tübinger Tor stehen bliebe, sinniert Ulrike Hotz, welcher Besucher würde denn, wenn er die Stadthalle verlässt, die Treppen zum Steg erklimmen, nur um auf ihm die Buszufahrt zu überqueren und danach wieder in Richtung Altstadt abzusteigen? Es sei also »gar nicht zu verhindern«, so Pressesprecher Wolfgang Löffler, »dass dort künftig mehr Leute« ebenerdig unterwegs sind. (GEA)

Steg- und Rampendiskussion: Wie's weitergeht


Der Fußgängersteg über die Konrad-Adenauer-Straße wird definitiv nicht abgerissen, sondern saniert.

Dieses Ergebnis der Prüfung eines FDP-Antrags, ob nicht auch ein Abriss des künftigen »Stummelstegs« sinnvoll wäre, wird die Stadtverwaltung am Dienstag, 24. Januar , dem Bauausschuss mitteilen (ab 17 Uhr im Rathaus).

»In erster Linie aus Sicherheitsgründen« sei das Teilstück über die Adenauerstraße unverzichtbar.

Auch hätte die im Fall eines Abbruchs erforderliche zusätzliche Fußgängerfurt für die Verkehrsabwicklung am AOK-und Wandelknoten nachteilige Auswirkungen: In Spitzenzeiten wären »bis zu dreifach höhere Rückstaulängen auf der Konrad-Adenauer-Straße« zu erwarten, hat das mit der Machbarkeitsprüfung beauftragte Stuttgarter Ingenieurbüro Karajan ermittelt.

Über den Eilantrag der Grünen und Unabhängigen soll am 24. Januar allerdings zuerst nicht öffentlich diskutiert werden, bevor er in der darauffolgenden Woche, am Dienstag, 31. Januar , öffentlich im Gemeinderat behandelt wird (ab 17.30 Uhr).

Wie berichtet, hatten die Grünen beantragt, den beschlossenen Abriss des Stegteils vor dem Tübinger Tor zu verschieben, »bis eine Gesamtlösung auch für den Steg über die Konrad-Adenauer-Straße samt Zufahrt (Rampe) oder Aufzug gefunden ist«. Da der Gemeinderat den Beschluss zum Abriss des Tübinger-Tor-Stegs gefasst habe, so Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, müsse er auch über diesbezügliche Anträge befinden.

Die Frage, ob am Reststeg über die Adenauerstraße nicht nur eine neue Treppe, sondern auch ein Aufzug oder - wie nun unter anderem von einer Bürgerinitiative gefordert - eine Rampe gebaut werden soll, gehöre thematisch zu diesem Komplex und werde deshalb ebenfalls erst am 31. Januar diskutiert.

Nachdem die Stadtverwaltung mit Blick auf das massive öffentliche Interesse - siehe dazu auch den Leserbriefteil der heutigen Ausgabe - bekundet hatte, vor der gemeinderätlichen Diskussion »keine unumkehrbaren Tatsachen zu schaffen«, hat man den zunächst als Beginn der Abbrucharbeiten genannten 16. Januar erst einmal verstreichen lassen.

Als Abbruchtermin ist aktuell der Dienstag, 7. Februar , geplant. Falls die »politische Debatte« eine Verschiebung notwendig mache, sei allenfalls noch eine Woche drin, sagt der Leiter der Stadthallen-Projektgruppe, Klaus Kessler. Die Demontage müsse wegen des Busbahnhofs nächtens erfolgen und lasse sich nur dienstags mit dem RSV-Fahrplan vereinbaren. Auch seien weitere Bauarbeiten bereits terminiert. (rh)



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