Reutlingen
Hochschule - Saniertes Institutsgebäude und neues Rechenzentrum eingeweiht. Gesamtkosten bei 15 Millionen Euro

»Leuchtturm« im Hohbuch

Von Ulrike Glage

REUTLINGEN. Draußen schien die Sonne auf die herbstlich bunten Blätter. Und auch drinnen bei der Festgesellschaft in der Hochschul-Aula sah man vorwiegend strahlende Mienen. Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid sah sich sogar zu einem kosmopolitischen Vergleich inspiriert. Der 28. Oktober, meinte er verschmitzt, sei doch ein wunderbarer Tag, um bedeutende Gebäude einzuweihen:

Stippvisite im frisch sanierten Labor der Technik-Fakultät: Hochschul-Präsident Peter Nieß, Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid schauen den Studenten über die Schulter. GEA-FOTO: PACHER
Stippvisite im frisch sanierten Labor der Technik-Fakultät: Hochschul-Präsident Peter Nieß, Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid schauen den Studenten über die Schulter. FOTO: Uschi Pacher
Exakt vor 125 Jahren die Statue of Liberty, jetzt das sanierte Institutsgebäude und ein neues Rechenzentrum auf dem Hohbuch - beide zwar nicht ganz so bedeutend wie die Freiheitsstatue, aber doch immerhin ein »Leuchtturm« auf dem Campus, so Schmid.

Auch Bernd Selbmann, Chef des Landesamts Vermögen und Bau in Tübingen, siedelte das Hochschul-Projekt hoch an. Er sprach von einem »Meilenstein des Ausbaus und der Sanierung«, um dann noch einmal zurückzublicken: 2001 sei festgestellt worden, dass die 1971 in standardisierter Typenbauweise errichteten Z-Bauten mehr als »betonergraut« seien, nämlich voller Schadstoffe steckten. Besonders hoch war die Belastung mit PCB (Polychlorierte Biphenyle, eine giftige und Krebs auslösende Chlorverbindung) in den Institutsgebäuden 3 und 4. Mehrere kleine Umbauten und Sanierungen folgten, bis es dann 2010 zum, so Selbmann, »ersten großen Schlag«, der Komplettsanierung des Institutsgebäudes 4, gekommen sei.



»Die Voraussetzungen für Spitzenleistungen werden weiter verbessert«
 

Dort ist die Fakultät für Technik untergebracht, die mit Baubeginn im Januar 2010 in ein Provisorium umziehen musste. Nach der PCB-Sanierung wurde der Stahlbetonskelettbau bis auf den Rohbau entkernt und in ein, so Selbmann, »hochmodernes Institutsgebäude« umgebaut. Durch die Aufnahme ins Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes sei es außerdem gelungen, den Startschuss für ein neues Rechenzentrum zu geben. Das hat das Landesamt für Vermögen im alten, nicht mehr genutzten Heizwerk untergebracht, das sich wegen der noch vorhandenen technischen Infrastruktur als optimal erwies. Die Kosten für die 20 Monate dauernde Sanierung des Institutsgebäudes 4 lagen bei 12,5 Millionen Euro, beim Rechenzentrum bei 2,4 Millionen. Hier ging der Umbau in schlanken zwölf Monaten über die Bühne; die Maßnahme ist Teil des Zukunftsinvestitionsprogramms.

Rund 15 Millionen Euro hat das Land also in die Reutlinger Hochschule investiert - »gut angelegtes Geld«, wie Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid bei der Einweihung sagte. Mit der Sanierung und den Umbauten würden die »räumlichen und technischen Voraussetzungen für zukünftige Spitzenleistungen« an der Hochschule weiter verbessert. Die Sanierung des Institutsgebäudes sei ein gutes Beispiel für eine gezielte Investition im Bestand, das neue »Green-IT-Rechenzentrum« für vorbildliche Energieeinsparung an öffentlichen Gebäuden. Denn die Betriebskosten werden um 33 Prozent gesenkt und zudem jährlich 115 Tonnen Kohlendioxid eingespart, was dem Stromverbrauch von rund 80 Vier-Personen-Haushalten entspreche.

»Vorher hatten wir einen Käfer vor dem Haus, jetzt einen Ferrari«
 

Ausführlich ging Schmid auf den »Kassensturz« der grün-roten Landesregierung ein, auch auf Versäumnisse der Vorgänger-Regierung - unter anderem bei der Instandhaltung von Landesgebäuden. Hier gebe es Nachholbedarf, weshalb auch 2012 ein Sanierungsprogramm aufgelegt werde. Und, so der Minister: Weil der Abbau des Sanierungsbedarfs für die Landesregierung hohe Priorität habe, werde im nächsten Jahr mit dem Umbau des Reutlinger Hochschulgebäudes 4 begonnen. 12,5 Millionen Euro seien dafür im Nachtragshaushalt eingestellt. Weihnachten ist noch eine Weile hin, doch schon jetzt verkündete der Minister die frohe Botschaft, dass 2012 auch der Bau eines neuen Institutsgebäudes auf dem Campus im Haushalt vorgesehen sei.

Dass sich der Reutlinger Abgeordnete Nils Schmid »persönlich involviert« für eine zügige Sanierung, freute wiederum Professor Peter Nieß - auch, wenn er nächstes Jahr den Hut nimmt. Denn es sei ein »gehöriger Schock« gewesen, erinnerte der Hochschul-Präsident, als man von der PCB-Belastung in den Gebäuden 3 und 4 erfahren habe. Die seien fortan nur noch eingeschränkt nutzbar gewesen, Schwangere hätten sie beispielsweise im Sommer gar nicht betreten dürfen. »Es sind einige Jahre vergangen, und wir mussten immer wieder Rede und Antwort stehen, ob man sich überhaupt noch in den Gebäuden aufhalten darf.« Umso mehr sei den Hochschul-Verantwortlichen eine »halbe Zentnerlast von der Seele gefallen«, als das Signal zur ersten Sanierung gekommen sei. »Jetzt ist es absehbar, dass auch die zweite Hälfte fallen wird«, so Nieß. Das neue Rechenzentrum bezeichnete er als »weiteres Kleinod« der Hochschule. Ein ganz schön flottes, denn, so der Vergleich des Präsidenten: »Vorher hatten wir einen Käfer vor dem Haus, jetzt einen Ferrari.«

Die Rednerliste schloss Oberbürgermeisterin Barbara Bosch mit der Bemerkung, Reutlingen sei vielleicht arm an Ressourcen, aber reich an Grips. Dieser »Standortvorteil« komme nicht von ungefähr, sondern bedürfe vieler Anstrengungen und Investitionen. Die Hochschule trage dazu maßgeblich bei. (GEA)

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