Fun-Sportart - Geschickte Hochstapler: PSV Reutlingen bietet als erster Verein in der Stadt Sport-Stacking an

»Jung, dynamisch und verspielt«

VON MAGDALENA KABLAOUI

REUTLINGEN. Es ist schon beeindruckend, wenn die Becher durch die Luft zu fliegen scheinen, wie von Geisterhand geschleudert, um sich dann übereinandergestapelt zu einer Pyramide zu erheben. Fabia, Sophie, Mandy und Sophia, allesamt Viertklässlerinnen und Klassenkameradinnen, üben erst seit wenigen Monaten und stacken bereits mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Knapp acht Sekunden zeigt der Timer bei Fabia an, 6,32 Sekunden sogar bei Sophie.

Auf Fehlerlosigkeit und Geschwindigkeit kommt es an beim Sport-Stacking, das auch Speed-Stacking genannt wird. In den USA ist das Becherstapeln längst Trendsportart. Zahlreiche auf »You Tube« eingestellte Videos faszinieren den Betrachter. In rund 20 000 US-amerikanischen Schulen wird Sport-Stacking betrieben, die meisten von ihnen nehmen an Wettbewerben teil. In den 1980er-Jahren in den USA erfunden, wurde das Becherspiel erst 2004 nach Deutschland gebracht und erlangte ein Jahr später größere Bekanntheit durch Fernsehauftritte von deutschen Teilnehmern an einer Sport-Stacking-Weltmeisterschaft.

Auf Sportkongress infiziert

In Baden-Württemberg ist es vor allem der TV 89 Zuffenhausen, der Sport-Stacking betreibt, und das schon seit 2008. Aus dem von Wolfgang Bleischwitz, selbst Weltmeister im Jahre 2013, trainierten Team sind bereits weitere Titelträger hervorgegangen. Bleischwitz war es auch, der auf einem Sportkongress Anfang des Jahres in Stuttgart den Vorsitzenden des PSV Reutlingen, Thomas Gröning, mit dem Stacking-Virus infizierte. »Jung und dynamisch und verspielt – das passt zu unserem bunten Verein«, so Gröning, der seit einem Jahr mit seinen Vorstandskollegen den Verein saniert und umstrukturiert (der GEA berichtete).

Anfang März beim Sporttag des PSV zeigten Wolfgang Bleischwitz und sein Team eine Stacking-Show mit Musik und Choreografie. Denn auch das kann Sport-Stacking sein: ein eindrucksvoller Show-Act. Seitdem werden regelmäßig Übungsstunden für Interessierte am Donnerstagabend in der Geschäftsstelle des PSV, die derzeit noch »Am Heilbrunnen« liegt, angeboten.

Einer der Ersten, die dabei mitmachten, war Frieder Hofmann. Durch Videos im Internet war der 14-Jährige bereits auf diese »Highspeed«-Sportart aufmerksam geworden. Er hatte sich Becher bestellt und Sport-Stacking schon ausprobiert, als er zur PSV-Gruppe stieß. Hier konnte er gleich an einer Fortbildung teilnehmen und fungiert zusammen mit zwei jungen Frauen als Übungsleiter.

»Ziemlich beeindruckt« sei er gewesen, als er auf der Fortbildung sah, wie schnell man Sport-Stacking spielen konnte. Auch bei seinen Freunden kam das neue Hobby »nicht schlecht an«. »Das kennen nur sehr wenige«, musste Frieder feststellen.

Immer wieder Anfragen

Karin Geisenhofer ist kommissarische Leiterin der Stacking-Gruppe, die zusammen mit Sportarten wie Geocaching und Taiko-Trommeln zu einer Funsport-Abteilung aufgebaut werden soll. Sie bekommt immer wieder Anfragen, ob die Gruppe bei Veranstaltungen auftreten könne. Auch Schulen sind interessiert an Workshops und AGs. Denn Sport-Stacking fördert die Auge-Hand-Koordination, die Reaktionsfähigkeit und die Beidhändigkeit. Vereinschef Gröning freut sich über die Kooperationsmöglichkeiten mit den Schulen, er wünscht sich aber auch, dass andere Reutlinger Vereine die neue Sportart ebenfalls integrieren. Sport-Stacking kann in jedem Alter ausgeübt werden. »Es schiebt den Alzheimer nach hinten«, meint Gröning dazu.

Und man kann es schnell lernen. Zwei bis drei Übungsstunden haben die vier Mädchen gebraucht, um die Grunddisziplinen zu lernen. Von der einfachsten Formation, in der dreimal drei Becher gestapelt werden bis hin zum Cycle, der Königsdisziplin, in der Dreier- und Sechserpyramiden auf- und abgebaut werden und zum Schluss eine Zehnerpyramide. Zurzeit wird besonders eifrig geübt: Im November veranstaltet der Schwäbische Turnerbund erstmals einen Sport-Stacking-Cup. Für Gröning ein Zeichen, dass die vor allem in Süddeutschland bisher recht »stiefmütterlich« behandelte Sportart immer mehr Beachtung findet. (GEA)



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