franz.K - Antidiskriminierungs-Projekt. Mit Rap und Hip-Hop eigenen Problemen Ausdruck verleihen

»Jeder hat etwas zu erzählen«

VON JÜRGEN KEMPF

REUTLINGEN. Stärkung und Stützung von Jugendlichen, Räume zum Austausch und Gespräch, Erlernen von Fähigkeiten – das sind die prinzipiellen Ziele eines Antidiskriminierungsprojekts, das derzeit im franz.K läuft. Seit September vergangenen Jahres engagieren sich dort rund 30 junge Menschen in Hip-Hop- und Rap-Workshops, erforschen in einer anderen Gruppe ihre Welt mit Foto- und Videokamera. Die Ergebnisse ihres Engagements werden am Samstag, 18. Juni, im franz.K vorgestellt.

Haben Spaß beim Rap: Lisa, Naomi und Oliwia (von links) zusammen mit Coach Kaspar Ruegenberg. FOTO: TRINKHAUS
Haben Spaß beim Rap: Lisa, Naomi und Oliwia (von links) zusammen mit Coach Kaspar Ruegenberg. FOTO: TRINKHAUS
Seit 2013 organisiere man das Projekt, sagte Beke Weis vom Netzwerk Antidiskriminierung. Den Anstoß habe damals der Disko-Ausschluss eines schwarzen Jugendlichen geliefert, über den auch der GEA berichtet hat. Bündnispartner des Projekts sind neben dem alternativen Reutlinger Jugendzentrum, der Fachdienst Jugend, Bildung, Migration und das besagte Netzwerk aus dem Oberzentrum.

Eigene Texte

Es gehe in dem Projekt nicht nur um Rassismus, sondern auch um Sexismus und die Benachteiligung von behinderten Menschen, betonte Mentorin Maria Kechaja. Dies schlage sich auch in der Zusammensetzung der Gruppen nieder. So seien auch zwei Rollstuhlfahrer unter den Teilnehmern. Die Altersstruktur liege zwischen 14 und 18 Jahren. In der Mehrzahl hätten die Teilnehmer einen Migrationshintergrund.

Die Hip-Hop- und die Rap-Gruppe seien zentrale Bestandteile des Projekts, würden sie doch einen Zugang zu Musik und Tanz vermitteln, betonte der Rap-Profi Kaspar Ruegenberg. »Jeder Mensch hat etwas zu erzählen«, meint er, »der Rap ist ein Supersprachrohr dafür.« So könnten die Jugendlichen ihre Probleme formulieren und im Gespräch aufarbeiten. Ziel sei es, dass jeder Teilnehmer seinen eigenen Text verfasst. Die Themen seien vielfältig: Stress in der Schule, zu Hause oder mit der Freundin, alltägliche Diskriminierung und Rassismus. Allerdings müsste dabei auch immer wieder einmal über diskriminierende Begriffe aus der Jugendsprache diskutiert und gesprochen werden, räumt Ruegenberg ein. Das soll es natürlich nicht geben.

Vermittelt werden auch Fachbegriffe aus der Rap-Szene: der Part (Strophe, Vers), mit seinen 16 Bars (Zeilen), der Hook (Refrain) samt seinen acht Zeilen, der Flow (das Versmaß) und der Beat (die dem Rap zugrunde liegende Musik). Und einiges mitbekommen sollen die Jugendliche über Reimstruktur und auch der Wortschaft wird geübt und ergänzt, wobei auch auf Jugendliche eingegangen wird, die noch nicht so gut oder gar kein Deutsch können.

Offene Vorstellung

Der erste Auftritt ist nun beim Ract-Festival am 4. Juni in Tübingen. Am 18. Juni, ab 14.30 Uhr, ist dann die offene Vorstellung im franz.K. mit Rap und Hip-Hop. Parallel dazu gibt es eine Ausstellung mit Fotos und Videos aus den vergangenen drei Projektjahren. Wie Beke Weis noch sagte, sei die Finanzierung nicht einfach. 20 000 Euro koste die Sache, 10 000 Euro müssten durch Sponsoren hereingebracht werden.

Das sei diesmal noch gelungen. Für das kommende Projekt, das wieder ab September laufen soll, habe man allerdings einen Zuschussantrag an die Stadt gestellt.

Neben der Landesarbeitsgemeinschaft für offene Jugendbildung (Lago), der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt auch die städtische Wohnbaugesellschaft GWG in diesem Jahr das Projekt. (GEA)



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