Reutlingen
LEUTE - Mark Sinzger komponiert, spielt Theater und nimmt am Finale des Bundeswettbewerbs Mathematik teil

»Ich möchte mehrere Wege gehen«

VON KATHARINA WÖRNER

REUTLINGEN. Er setzt sich an den Flügel der Musikschule und spielt Debussy. Äußerlich unterscheidet Mark Sinzger nichts von anderen 18-jährigen Schülern.

Multitalent Mark Sinzger macht in diesem Schuljahr Abitur am Isolde-Kurz-Gymnasium. Nicht nur seine Kompositionen kommen an: In der Landesrunde des bundesweiten Mathematikwettbewerbs belegte der den ersten Platz. FOTO: WÖRNER
Multitalent Mark Sinzger macht in diesem Schuljahr Abitur am Isolde-Kurz-Gymnasium. Nicht nur seine Kompositionen kommen an: In der Landesrunde des bundesweiten Mathematikwettbewerbs belegte der den ersten Platz. FOTO: WÖRNER
Er ist ein bisschen schlaksig, trägt modern geschnittene Jeans in Hellblau. Fürs Foto hat er unter seinem Kapuzenpulli ein dunkles Hemd an. Er hat aufmerksame braune Augen und versprüht einen jugendlichen Charme. Doch während viele andere Schüler seines Alters mit Blick auf die Zukunft noch nach ihren Stärken und Neigungen suchen, hat Mark Sinzger sie längst gefunden: Mathematik, Musik und Theater.

Im Dezember letzten Jahres wurde der Schüler der 13. Klasse des Isolde-Kurz-Gymnasiums (IKG) mit einem ersten Platz in der Landesrunde des Bundeswettbewerbs Mathematik ausgezeichnet - als einer von insgesamt zehn bestplatzierten Schülern aus Baden-Württemberg. Es ist nicht das erste Mal, dass er an dem Wettbewerb teilnimmt, er hat sich von Mal zu Mal gesteigert und zieht mit seinem ersten Platz nun in die dritte und letzte Runde des Wettbewerbs ein, in der die Bundessieger ermittelt werden. Den Siegern winkt ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes.



Übers Klimpern rangegangen


Beim Thema Mathematik bekommt Mark Sinzger leuchtende Augen. Er sagt Sätze wie: »Mich reizt die unbestechliche Logik« oder »Es ist spannend vom konkreten Fall zum Allgemeinen zu kommen und zu abstrahieren.« Am Ende einer erfolgreich gelösten Aufgabe steht für ihn immer ein Erfolgserlebnis.

Seine zweite Leidenschaft ist die Musik. Mark spielt seit seinem siebten Lebensjahr Klavier. Vor etwa zwei Jahren fragt ihn seine Klavierlehrerin Erika Geringer-Nilius, ob er für ein Konzert statt eines einstudierten Stückes nicht eine eigene Komposition aufführen möchte. Mark Sinzger nimmt die Herausforderung an und komponiert sein erstes Stück »Spuk«. »Ich bin ganz unproblematisch übers Klimpern rangegangen«. Er fängt Feuer fürs Komponieren.

Sein nächstes Projekt gedeiht während eines sechsmonatigen Highschool-Aufenthalts in den USA. Die Weite der dortigen Landschaft inspiriert ihn zu seiner zweiten Komposition »Fields«, einem dreisätzigen Zyklus für Klavier und Klarinette.

In den USA nimmt er einige Kompositionsstunden bei einer Uni-Professorin. Sie überzeugt ihn, sich in seinen Stücken auf wenige Themen zu konzentrieren. Um sich zurück in Reutlingen neu inspirieren zu lassen, wandert er eines Tages nur mit Stift und Papier auf den Gipfel des Georgenbergs. Die Uraufführung des Zweiten Satzes »Still Life« im Januar bekommt beste Kritiken, sein Spiel wird als »mitreißend« beschrieben.

Und wäre die Begeisterung für Mathematik und Komposition nicht genug für so einen jungen Menschen, spielt Mark Sinzger auch Theater. »Ich möchte immer mehrere Wege gehen«, sagt Mark. Er ist Teil des Ensembles des Teenietheatertreffs (TTT) am Theater Patati-Patata. »Die Stücke haben mich menschlich weitergebracht, mich dazu veranlasst, mich mit den Problemen auf der Welt zu beschäftigen.«

Das Wissen weitergeben


Zu Beginn dieses Schuljahres gründet er zusammen mit einem Mitschüler am IKG die »Mathe-Kniffel-Knobel-AG«. Kurz vor seinem Schulabgang möchte Mark sein Wissen noch weitergeben und auch andere Schüler für Mathe begeistern.

Ihm selbst schwebt für die Zeit nach dem Abitur ein Studium der Mathematik oder auch der Komposition vor. Vielleicht auch beides zusammen. Kommenden Montag steht allerdings erst einmal das Finale des Bundeswettbewerbs Mathematik in Höchst im Odenwald an. Auf dem Programm steht ein einstündiges Fachgespräch mit Mathematikern. Mark trainiert dafür zwei Mal die Woche mit Stephan Engelhard, einem Mathelehrer des IKG.

Von Erfolgsdruck möchte er aber nichts wissen: »Ich gehe auf keinen Fall mit irgendeinem Wettbewerbsgedanken in das Finale. Ich nehme es, wie es kommt.« (GEA)



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