Kefer-Rücktritt - Reutlinger Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 begrüßt den Abgang des Bahnvorstands

»Für Reutlingen relevante Probleme nicht gelöst«

REUTLINGEN. »Dieser Rückzug ist überfällig«, kommentiert das Reutlinger Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 den für September 2017 angekündigten Abgang von Volker Kefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. »Angesichts des Infrastruktur-Desasters, das Kefer den Bahnreisenden und den Nicht-mehr-Bahn-Reisenden in den sieben Jahren seiner Dienstzeit mit seinem Projekt ›Zukunft Bahn‹ beschert hat«, wäre aus Sicht der Sprecher des Aktionsbündnisses – Thomas Müller, Beate Ehrmann, Marcel Maier und Eberhard Frasch – »eigentlich ein Sofortvollzug angebracht.«

Aus nächster Nähe zu besichtigen sei das Desaster »beim Blick durch die milchigen Scheiben der nur zeitweise funktionierenden Türen des Reutlinger Hauptbahnhofs auf marode Bahnsteige. Oder am Tag nach Kefers Rücktrittserklärung, als der IRE nach Stuttgart zwar fast pünktlich abfährt, aber in Nürtingen stehen bleibt – wegen einer Stellwerkstörung in Plochingen, die ein stundenlanges Chaos für die Reisenden bedeutet. Stellwerke sind Teil der Infrastruktur, für sie zeichnet Kefer verantwortlich.«

Dazuhin, findet das Aktionsbündnis, habe sich Kefer dadurch einen zweifelhaften Ruf erworben, dass er die Probleme des Megaprojekts Stuttgart 21, vor allem bei den Kosten, kleingeredet, schöngefärbt und weggelächelt habe. Nun gebe er mit seiner Rücktrittserklärung das Signal: Stuttgart 21 ist gescheitert.

Die vom Reutlinger Aktionsbündnis gegen Stuttgart angesprochenen, für Reutlingen besonders relevanten Probleme seien »bis heute nicht gelöst«: So sei die Planfeststellung des Filderabschnitts von der Bahn seit 2002 mehrfach vergeblich beantragt worden, aber es gebe bis heute keine Baugenehmigung. Die versprochene Reutlinger Flughafenanbindung stehe in den Sternen.

Nicht schneller?

Ferner sei die behauptete größere Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs nach wie vor fraglich. »So werden wir Reutlinger Stuttgart nicht schneller erreichen als heute mit dem IRE (34 Minuten). Und: Die ›kleine Wendlinger Kurve‹ ist von der DB nach wie vor gewollt und geplant – sie wird den Zügen von/nach Reutlingen vor allem Verspätungen bescheren.« Volker Kefer habe dazu im September 2011 gesagt: Wer die große Lösung wolle, müsse dafür finanziell geradestehen. Dass der Reutlinger SPD-Landtagsabgeordnete Nils Schmid vor Kurzem die Wendlinger Kurve und deren gravierende Mängel »neu entdeckte, um nun mit der Forderung nach der großen, zweigleisigen Lösung zu kommen, kann man nur als wohlfeiles Manöver qualifizieren«, heißt es im Pressetext: »Er wusste vor der Volksabstimmung Bescheid, gehört hat man von ihm damals keinen kritischen Ton.«

Das Aktionsbündnis bleibe bei seiner Auffassung, dass der Ausstieg aus Stuttgart 21 »auch heute noch günstiger und produktiver« als seine Realisierung sei: »Deshalb fordern wir: Auftragsvergaben stoppen, den ›Umstieg Kopfbahnhof 2.0‹ starten – jetzt!« (GEA)



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