Gedenken - Ausstellung der Frauengeschichtswerkstatt in der Stadtbibliothek soll über das Projekt Stolpersteine informieren. Denkmäler für Opfer des Nationalsozialismus

»Für Angehörige ein Ort der Trauer«

REUTLINGEN. Viele Opfer des Nationalsozialismus haben kein Grab, über ihr Schicksal ist oft wenig bekannt. Der Künstler Gunter Demnig hat das Projekt Stolpersteine ins Leben gerufen, um der Opfer zu gedenken – und zwar dort, wo sie zuletzt freiwillig gelebt haben. Die Reutlinger Frauengeschichtswerkstatt will mit einer Ausstellung in der Stadtbibliothek über das teils sehr umstrittene Projekt informieren.

So sehen die Stolpersteine aus: ein Bild der Ausstellung.  GEA-FOTO: KNAPPE
So sehen die Stolpersteine aus: ein Bild der Ausstellung. FOTO: Judith Knappe
Stolpersteine sind zehn mal zehn Zentimeter große Gedenktafeln aus Messing, die auf einem zehn Zentimeter hohen Betonstein angebracht sind. »Auf den Tafeln sind relativ viele Informationen zu den Lebensdaten der Opfer«, sagt Christl Ziegler von der Frauengeschichtswerkstatt. Das besondere an diesem Projekt sei, dass die Denkmäler genau dort errichtet werden, wo das Opfer zuletzt zuhause war. »Die Nachbarschaft ist hier besonders wichtig.« Ziegler sieht es als einen großen Vorteil, dass genau festgestellt werden kann, wo Opfer gelebt haben. Sie hofft, dass so auch Jugendliche für die Geschichte sensibilisiert werden können – in dem sie »direkt vor der Haustür« über die Tafeln stolpern.

Kritische Stimmen sind jedoch dagegen, dass auf den Namen der Ermordeten »herumgetreten« wird, Befürworter der Aktion empfinden die Stolpersteine als einen Ort, »wo sich jeder verbeugen muss«. Eines steht aber fest: Vor jeder einzelnen Installation wird die Erlaubnis der Angehörigen eingeholt. »Oft reisen sie dann aus aller Welt an, um den Stolperstein zu sehen«, so Ziegler. »Für die Angehörigen ist das ein Ort der Trauer.«

Bis zum 15. März informiert die Ausstellung nicht nur über das Projekt als solches, sondern ist kombiniert mit Literatur zum Thema Opfer des Nationalsozialismus. Darunter finden sich einige Reutlinger Schicksale – wie beispielsweise der Familie Spiro oder Maier. Christl Ziegler hofft, dass dadurch auch Folgeprojekte angestoßen werden. (judy)

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