Kultur - Das rührige Team vom »franz.K« zieht positive Jahresbilanz. 46 000 Zuschauer bei 280 Veranstaltungen
»franz.K«: Tausend Mal ist was passiert
Von Heike Krüger
REUTLINGEN. 46 000 Zuschauer - allein im zurückliegenden Jahr - lassen keinen anderen Schluss zu: Das »franz.K« ist der Shootingstar unter Reutlingens Kultureinrichtungen. Im Dezember 2008 ohne nennenswerte Vorschusslorbeeren an den Start gegangen, hat es sich binnen Kurzem zu einer festen Größe in der regionalen Kulturlandschaft gemausert. Die Adresse »Unter den Linden 23« - sie ist Stand heute eine äußerst wohlklingende: und das keineswegs nur in den Ohren des Publikums, sondern auch in denen (bekannter) Künstler und renommierter Agenturen.
Straße statt Hinterhöfle? Die Macher des »franz.K« sind sich sicher: Das wäre der Anfang vom Ende.
FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Kein Wunder also, dass »franz.K«-Geschäftsführer Andreas Roth und sein Team angesichts dieser positiven Entwicklung ausgesprochen zuversichtlich in die Zukunft blicken. Was sie dort sehen? Unter anderem die tausendste Veranstaltung, die da als (Programm-)punkt am Horizont aufscheint. Im Frühling dieses Jahres wird sie über die Bühne gehen und kündet von einer Event-Dichte, die ihresgleichen sucht.
»Wir haben eine schwarze Null geschrieben«
Auf 280 Veranstaltungen - Seminar-, Kurs- und Partyangebote nicht mitgerechnet - brachte es Reutlingens Kulturzentrum im vergangenen Jahr. Etliche davon waren »ratzeputz ausverkauft«, wie Andreas Roth sagt. Vereinzelt, erklärt er, konnte die Ticket-Nachfrage nicht einmal ansatzweise befriedigt werden. Und gelegentlich entschloss man sich sogar in weiser Voraussicht dazu, in die Listhalle auszuweichen. Etwa als der Kabarettist Hagen Rether seinen Auftritt hatte - für Leute wie ihn ist das »franz.K« mit seinem Saal schlicht zu klein.
Überhaupt stellt sich Organisationsteam und Trägerverein inzwischen die Kapazitätsfrage. Ihretwegen wurde Roth im September 2011 im Bauausschuss des Gemeinderats vorstellig. Sein Ansinnen damals wie heute: die Zahl der Sitzplätze im Hauptsaal von aktuell 338 auf 400 zu erhöhen. Ein Wunsch, der jedoch nicht bei allen Fraktionen auf spontane Gegenliebe stieß. Insbesondere das »bürgerliche Lager« hegte erhebliche finanzielle Bedenken.
Mittlerweile freilich scheint sich eine Lösung abzuzeichnen. Nach einer Ortsbegehung mit Fachleuten - darunter Vertreter der Feuerwehr - habe sich, so Roth, gezeigt, dass »das Ganze weit weniger kostspielig wird, als zunächst angenommen«. Auf dem kleinen Dienstweg, im Dialog von Mieter und Vermieter, lasse sich die Angelegenheit vermutlich ohne nennenswerte Diskussionen regeln. »Teure Baumaßnahmen werden jedenfalls nicht nötig sein«, weiß Andreas Roth. Und auch das erforderliche zusätzliche Mobiliar - Stühle, Tische, Podeste - dürfte keine astronomischen Summen verschlingen.
Apropos Summen: Die ökonomische Jahresbilanz 2011 des »franz.K« gestaltet sich so positiv wie die Entwicklung der Kulturstätte insgesamt. »Wir haben eine schwarze Null geschrieben.« Dass dies trotz Schaffung zusätzlicher Stellen - mittlerweile teilen sich zehn Personen sieben Planstellen - und der damit einhergehenden höheren Personalkosten möglich war, stimmt die Mannschaft um Andreas Roth naturgemäß froh. Oder anders ausgedrückt: Der Betrieb steht auf soliden Beinen.
»Das wäre definitiv das Aus für uns«
Die indes könnten jäh einknicken, wenn preisgekrönte »Reißbrettentwürfe« zur Um- und Ausgestaltung der »City Nord« eins zu eins in die Tat umgesetzt werden. Vor allem der planerische Vorschlag, die Burkhardt+Weber-Straße übers Post-Areal hinweg bis zur Gutenbergstraße fortzuführen, bereitet den Kulturschaffenden Magendrücken. Weil besagte Verkehrsader in diesem Falle mit den Notausgängen des Kulturzentrums auf Tuchfühlung ginge.
Ihr würde der »Stummelhof«, die schmale Be- und Entladefläche hinterm »franz.K«, zum Opfer fallen und damit die Einrichtung selbst. »Ein Fluchtweg auf eine Hauptverkehrsstraße ist nicht zulässig. Das würde niemand genehmigen, weil die Gefahr besteht, dass im Panikfall Menschen auf die Fahrbahn gedrückt werden. Das wäre definitiv das Aus für uns.«
Dass es dazu, sprich zum Äußersten, kommen könnte - die sieben Macher des »franz.K« mögen sich's nicht ernsthaft ausmalen. Wachsam sind sie trotzdem. Zumal Reutlingens Freie Wähler jüngst einen Antrag formuliert haben, wonach der Bebauungsplan »City Nord« zügig festzuzurren sei.
Bevor jedoch Fakten geschaffen werden, sollte die Verkehrslenkung gründlich überdacht werden. Dies hat Baubürgermeisterin Ulrike Hotz dem »franz.K« im Übrigen fest zugesagt. »Sie hat versprochen, unser Anliegen prüfen zu lassen«, sagt Karl Grüner, der als Vorsitzender des Trägervereins ebenfalls Gutes zu berichten weiß. »Wir haben jetzt 250 Mitglieder«, freut er sich. Das entspricht einer Verzehnfachung innerhalb von nur drei Jahren. (GEA) Seite 25
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