Kreistag - Jugendhilfeausschuss befasst sich mit Inklusion in der Kindertagespflege. Tagesmütterverein hier bedeutend

»Das ist ein echter Knüller«

VON NORBERT LEISTER

Miteinander in der Schule: nur ein Bereich, in dem Menschen mit und ohne Behinderung voneinander profitieren können. ARCHIVFOTO: DPA
Miteinander in der Schule: nur ein Bereich, in dem Menschen mit und ohne Behinderung voneinander profitieren können. FOTO: dpa
REUTLINGEN. »Das ist ein wirklich innovatives Konzept, ein echter Knüller, was da jetzt ansteht«, sagte Anne Mack auf GEA-Nachfrage. Was die Geschäftsführerin des Reutlinger Tagesmüttervereins damit meint? Im Jugendhilfeausschuss des Kreistags hatte Gerlinde Kohl vom Kreisjugendamt ein Papier vorgestellt, das den Titel »Inklusive Kindertagespflege im Landkreis Reutlingen« trägt. Und dahinter verbirgt sich »ein wunderbares Konzept, bei dem wir aber schauen müssen, wie wir das realisieren können«, sagte Mack dazu.

Wesentlicher Bestandteil des Entwurfs, der von Vertretern aus Kreissozial- und Kreisjugendamt sowie Tagesmütterverein gemeinsam entwickelt wurde, ist: »Die Unterstützungsleistung für Kinder mit Behinderung soll nicht mehr anhand einer Diagnose im herkömmlichen Sinn abgeleitet werden, sondern durch eine intensive Auseinandersetzung zum Bedarf mit allen Personen, die das Kind erziehen und betreuen.« So nachzulesen in einer Ausschuss-Vorlage. »Aus der Bedarfseinschätzung ergibt sich ein individueller Bedarf, der auch eine individuelle Anpassung der Förderleistung nach sich zieht«, heißt es dort weiter.

Individuelle Bedürfnisse ausloten

Und das bedeutet? Die Fachberaterinnen des Tagesmüttervereins sollen künftig zusammen mit dem Kind selbst (sofern möglich), mit Eltern, Großeltern und anderen an der Betreuung beteiligten Personen ermitteln, wie eine »den individuellen Bedürfnissen angepasste Erziehung, Bildung und Betreuung« aussehen sollte. »Der Ansatz ist gut«, findet Anne Mack. Schließlich solle nicht dem Zufall überlassen werden, wer welches Kind wie betreut.

Allerdings müssen die Fachberaterinnen des Tagesmüttervereins für die Bedarfsermittlung speziell geschult werden. Die Teilnahme an einem Bundesmodell wird laut Gerlinde Kohl die hierfür benötigten Geldmittel in die Kasse spülen. Mithilfe dieser Finanzspritze könnte die Fortbildung der Fachberaterinnen sowie »die Entwicklung von Qualifizierungsmodulen für Tageseltern« finanziert werden. »Dabei handelt es sich um ein Angebot an die Tagespflegeeltern, sich für die inklusive Betreuung fit zu machen«, sagte Anne Mack. Von den rund 1 220 Kindern, die von Tagesmüttern betreut werden, haben bislang etwa acht Prozent »einen besonderen Förderbedarf«, so Mack.

»Die Finanzierung des individuellen Förderbedarfs bei einzelnen Kindern, die sich aus dem entwickelten Konzept der inklusiven Kindertagespflege ergibt, wird im Rahmen der laufenden Geldleistung finanziert«, war in der Ausschuss-Vorlage weiter zu lesen. Und das bedeute konkret: »Die Förderleistung kann individuell und stufenweise in 25-Prozent-Schritten aufgestockt werden, die maximale Aufstockung umfasst 200 Prozent.« Für den Landkreis bedeute das keine immense Steigerung des Budgets für die Kindertagespflege, betonte Mack.

Ob denn nun jedes Kind vor der Vermittlung an eine Tagesmutter von Fachberaterinnen (im Zusammenspiel mit Eltern und anderen beteiligten Erziehungspersonen) begutachtet und der individuelle Bedarf ermittelt werden soll? »Es werden für die Einschätzung der Förderleistung alle notwendigen Informationen seitens der Eltern und wenn notwendig Gutachten zusammengetragen und Thesen für eine notwendige Erhöhung der Förderleistung gebildet«, so Mack. Aber: Natürlich würden die Fachkräfte des Tagesmüttervereins jetzt schon danach schauen, dass Kind und Tagespflegeperson zusammenpassen.

Auf neue Füße stellen

Das werde wohl in Zukunft weiter ausgedehnt werden, zusätzliche Besuche und Unterstützung der Tagesmütter während der Eingewöhnungsphase seien mit Sicherheit bei der Umsetzung des inklusiven Konzepts sinnvoll. »Ich freue mich sehr, mit dem Landkreis zusammen die Inklusion in der Kindertagespflege auf neue Füße zu stellen«, sagte Anne Mack. (GEA)



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