Spenden - Lydia Pautzke übernimmt das Spendenprojekt für zwei Schulen in der Hauptstadt von Tadschikistan von Suse Gnant, die erkrankt ist

»Kinder Duschanbe«: 154000 Euro in 16 Jahren

VON NORBERT LEISTER

REUTLINGEN. »Das Konzept ist genial, sicher und wirkungsvoll«, betonte Lydia Pautzke am gestrigen Dienstag mit Blick auf das Spendenprojekt »Kinder Duschanbe«, das die Stadt Reutlingen mit der Hauptstadt von Tadschikistan verbindet. Einmal mehr ist momentan die Tadschikin Munawara Achmedowa in Reutlingen, einmal mehr begleitet sie als Verbindungsperson und Lehrerin an der Schule 89 zwei Mädchen, die am internationalen Jugendaustausch der Stadt hier in Reutlingen teilnehmen.

FOTO: Norbert Leister
»Die Situation in Duschanbe ist viel besser geworden«, sagte Achmedowa gestern beim Pressegespräch im Rathaus der Achalmstadt. »Die Schüler können jetzt ungestört zur Schule gehen.«

Das war nicht immer so, lange Jahre wurde das Land vom Bürgerkrieg erschüttert. Und auch heute noch warnt das Auswärtige Amt vor Reisen vor allem in die Grenzgebiete Tadschikistans zu Afghanistan und Kirgisistan .

Duschanbe gilt momentan als relativ sicher. Aber: »Das Land ist eines der ärmsten der Welt«, betonte Klaus Grass gestern. Als Partner von Lydia Pautzke steht er zusammen mit Doris Karner-Klett nun der Aktion »Kinder Duschanbe« vor und wird zusammen mit den beiden Damen auch künftig weiter Spenden sammeln. »Das sind Investitionen in Kinder«, so Grass.

Bislang war Suse Gnant als ehemalige SPD-Stadträtin das Gesicht der Spendenaktion, »sie ist seit einem halben Jahr schwer erkrankt und kann die Aktion nicht mehr leiten«, erläuterte Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele.

Seitdem Gnant die Spendensammelaktion im Jahr 2001 ins Leben gerufen hatte, kamen insgesamt 154 000 Euro zusammen, Gelder, die »eins zu eins an die beiden Schulen mit den Nummern 28 und 89 in Duschanbe gingen«, so Ströbele.

Vor allem ein warmes Mittagessen für 170 Schüler wird mit jährlich rund 12 000 bis 15 000 Euro finanziert, »aber auch Kleidung, Schuhe und Heizung für die Kinder«, erläuterte der Kulturamtsleiter.
»Man sieht, wie nachhaltig dieses Projekt wirkt«
 

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Wirkung der Spenden hatte Achmedowa mitgebracht: Als die Mutter eines ihrer Schüler gestorben ist, lebte der Junge weiter im Keller in dem Haus seiner Eltern. Ohne die Hilfe des Reutlinger Projekts mit der täglichen warmen Mahlzeit und warmen Schuhen im Winter hätte der Junge wohl nicht überlebt.

Weil er unbedingt Deutsch lernen wollte, war er so gut, dass er sogar ein Sprachdiplom von der Schule erhielt und nach Deutschland reisen durfte. Hier absolvierte er dann ein Freiwilliges soziales Jahr und hat nun hier auch eine Ausbildung zum Krankenpfleger begonnen. »Man sieht, wie nachhaltig dieses Projekt wirkt«, betonte Ströbele.

Die neue Vorsitzende der Spendenaktion ist selbst in Tadschikistan geboren worden. Lydia Pautzke kam aber über einen Ausreiseantrag im Jahr 1961 mit ihrer Mutter nach Deutschland, wohnt heute in Kirchheim/Teck, unterstützt die Reutlinger Spendenaktion schon seit einigen Jahren und ist völlig überzeugt davon.

Durch Zufall hatte sie Munawara Achmedowa kennengelernt, reiste zu ihr nach Duschanbe, besuchte die beiden Schulen und »ich habe gesehen, wie hoch der Wissensdurst und die Lebensfreude der Schüler dort ist«, so Pautzke. »Die Entwicklung der Schüler wird genau überwacht«, sagte sie. Wenn ein Kind nicht mehr unbedingt das warme Mittagessen brauche, rücke ein anderes bedürftiges Kind nach aus der Schar der insgesamt 3 000 Schülerinnen und Schüler. (GEA)





NEUES SPENDENKONTO

Nachdem Suse Gnant die Spendenaktion nicht mehr leiten kann, hat sich auch die Spendenkonto-Nummer geändert und läuft nun direkt über die Stadt Reutlingen unter dem Stichwort »Kinder Duschanbe«. Die Nummer lautet: IBAN 6405 0000 0000 0004 88 bei der Kreissparkasse Reutlingen. (GEA)
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