Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Konzert - Landes-Lehrer-Bigband lockt viel Publikum in die Pfullinger Hallen. Vielversprechender Bläser-Nachwuchs

Landes-Lehrer-Bigband: Schüler für Musik begeistern

Von Magdalena Kablaoui

PFULLINGEN. Enttäuscht waren große Teile des Publikums am Samstag in den Pfullinger Hallen. Enttäuscht darüber, dass es trotz heftigem Applaus nur zwei Zugaben von der Landes-Lehrer-Big-Band gab. Zu sehr hatte die Zuhörer der Rhythmus und die sichtliche Spielfreude der Musiker mitgerissen. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, dann hätte das Konzert wesentlich länger als zweieinhalb Stunden dauern dürfen.

Klaus-Dieter Mayer, Mitbegründer und Organisator der Landes-Lehrer-Big-Band Baden-Württemberg mit Mitgliedern der Band. FOTOS: KABLAOUI
Klaus-Dieter Mayer, Mitbegründer und Organisator der Landes-Lehrer-Big-Band Baden-Württemberg mit Mitgliedern der Band. FOTO: Magdalena Kablaoui
Dabei bestritt die Lehrer-Big-Band mit ihrem Auftaktkonzert anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens nur den zweiten Teil des Abends. Begonnen hatte das Konzert in den bis auf den letzten Platz besetzten Pfullinger Hallen mit Schüler-Bläsergruppen.

Unter dem Motto »Begegnungen der Schulmusik« spielten die Bläserklasse 6b der Wilhelm-Hauff-Realschule, das Young-Brass-Ensemble der Pfullinger Musikschule und die B.O.B.-Big-Band des Friedrich-Schiller-Gymnasiums. Wie Pfullinger Realschüler an die Blasmusik herangeführt werden, erklärte der Leiter der Bläserklasse, Konrektor Hans Batsching. Die Schüler erhielten beim Kooperationspartner, der Pfullinger Musikschule, einmal in der Woche Unterricht. »Es ist ein Erfolgsmodell«, so Batsching.



Konzerterfahrene Sängerin

Ziel sei es, dass Schüler die Musik für sich als Hobby entdecken können. Viel Beifall erhielten die jungen Bläser für ihre - angesichts der kurzen Übungszeit - erstaunliche Darbietung und sie überzeugten vor allem mit dem lustigen Stück »Wenn der Elefant in die Disco geht«.

Das Young-Brass-Ensemble der Musikschule bot den »Young-Brass-Rap«, den Leiter Michael Koch selbst geschrieben hat. Und mit dem das Ensemble um die Sängerinnen Luisa Schumacher und Larissa Schwarz bereits im April beim Frühlingskonzert der Musikschule im vergangenen Jahr brilliert hatte.

Fetzig ging es weiter mit »Tequila«, einem Klassiker in der Big-Band-Literatur, gespielt von den Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums unter der Leitung von Jochen Rohn. Schüler verschiedener Altersstufen und einige Ehemalige spielen in dem zwölfköpfigen Ensemble. Sängerin der B.O.B.-Bigband ist seit einigen Jahren Eva Winter, die sich selbstbewusst auf der Bühne bewegte und mit großer Leidenschaft und kraftvoller, souliger Stimme begeisterte. Die Abiturientin hat als Tochter des »Silk'n'Steal«-Duos Heiner und Christina Winter reichlich Konzerterfahrung und tritt mittlerweile mit den Eltern als »Die Winters« auf. Sie interpretierte - begleitet von der Big Band - die Stücke »Birdland«, »My funny Valentine« und »Big time«.

Ein »Wow« gab's dafür nicht nur von Rosalinde Bartels, Schulmusikbetreuerin im Schulamt Tübingen. Sie händigte den Schülergruppen für ihre Teilnahme am »Begegnungskonzert« Urkunden aus. Von Bürgermeister Rudolf Heß gab's dazu einen Pfulben-Gutschein.

Schüler für Musik zu interessieren, zu zeigen, dass Musik Spaß macht und dass auch Lehrer (und Lehrerinnen) »tolle Kerle« sein können, die etwas drauf haben. Das sei, so Mitbegründer, Sänger und Organisator Hans-Dieter Mayer, die Intention der Landes-Lehrer-Big-Band: »Ein 14-Jähriger ist heute von Jazz so weit weg wie von Bach.«

Zwölf Auftritte werden die Lehrer, die meist auch Musiklehrer sind, in diesem Jahr absolvieren, oft - wie in Pfullingen - zusammen mit Schüler-Bands. Außerdem bieten sie zusammen mit der SWR-Big-Band Workshops in Schulen an.

Afroamerikanische Rhythmen

Wie dann aus zwanzig Lehrern begeisterte, mitreißende Jazz-Musiker wurden, das konnten die altersmäßig gemischten Zuhörer im zweiten Teil erleben. Mal mit, mal ohne Sänger Klaus-Dieter Mayer, wippte, stampfte und schnippte der ganze Saal zu afroamerikanischen Rhythmen.

Die Musiker glänzten mit Soli und spontanen Improvisationen. Bisweilen so wild, dass die Tontechnik überfordert war. Ob der Klassiker »sing, sing, sing« gespielt wurde oder das alte Lied »Innsbruck - ich muss dich lassen« in Jazz-Version, der Mambo-Song »Sway«, »Murphys Gesetz«, das romantische »La mer« oder der fetzige Easy-Rider-Titel »Born to be wild«: mit jedem Stück ließen sich die Zuhörer mitreißen und genossen die Interpretationen von Sänger Klaus-Dieter Mayer. Mit Frank Sinatras »The way you look tonight« verabschiedete sich die Big Band schließlich. (GEA)



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