Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
LEUTE - Der Ingenieur Dieter Brandt beschäftigt sich mit Grundverhaltenskomponeten. Schon drei Bücher verfasst

Woher das Schlechte kommt

Von Thomas Baral

ENINGEN. »Man versteht, woher das Böse und Schlechte auf der Welt kommt und wie es sich eigentlich vermeiden lässt.« Das sagt der Eninger Dieter Brandt, wenn er gefragt wird, was ein Leser von seiner Arbeit, seiner Entdeckung und seinen Büchern haben kann.

Auf der Suche nach »tiefen Ursachen«: Dieter Brandt im Arbeitszimmer.  GEA-FOTO: BARAL
Auf der Suche nach »tiefen Ursachen«: Dieter Brandt im Arbeitszimmer. FOTO: Thomas Baral
Seit dem Jahr 2007 hat der 1948 in Bad-Mergentheim geborene Ingenieur, er hat einst in Karlsruhe Nachrichtentechnik studiert, sich intensiv damit befasst, so sagt er, die Natur des Menschen zu verstehen und aufzuzeigen, »warum sich intelligente Menschen eigentlich primitiv verhalten«. Um seine Erkenntnisse anderen zugänglich zu machen, arbeitet er an einer Bücherreihe, die er im Selbstverlag »Gesellschaftsevolution« veröffentlicht.

Seit Mitte der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts hat Brandt beim Eninger Messgerätehersteller Wandel und Goltermann gearbeitet. Weil er eines Tages als starker Kritiker der Marketingaktivitäten des Hauses auffiel, sei er in diesem Fachbereich schließlich eingesetzt worden. 1981 hat er dann in Eningen ein Haus gebaut und seitdem lebt er dort mit Frau - die Lehrerin ist - und den Kindern. Letztere aber sind heute längst aus dem Haus.

Ganz einfacher Ansatz

1996 zog es ihn zu einer größeren Firma nach München, ebenfalls ein Messgerätehersteller; dort hat er sich auch ums Marketing gekümmert. Ein wichtiger Bereich seiner Tätigkeit für die beiden Firmen war der Umgang mit Kunden in aller Herren Länder und somit ging er viel auf Reisen. Er habe so viele Kulturen kennengelernt und konnte sich viel mit Weltanschauungsthemen auseinandersetzen. Und auf den Reisen kam er dann auch zum Nachdenken und begann auszuarbeiten, was er entdeckt hatte.

»Zufällig« sei er auf seine Theorie der »genetisch verankerten menschlichen Grundverhaltenskomponenten« gekommen. Und was er da gefunden habe, bezeichnet er »als ganz einfachen Ansatz; die detaillierte Beschreibung der Natur des Menschen«.

Im Grunde, so sagt Brandt, ist seine Theorie ganz ähnlich wie die von Charles Darwin, die dieser über die Evolution lebender Organismen herausgearbeitet hat. Nur gehe sein Ansatz über die Lebewesen hinaus - reiche letztlich zurück bis fast zum Urknall.

Das Grundgesetz der Evolution überträgt er in die Welt der Partikel, Moleküle und glaubt, dass sich dieses darauf anwenden lasse. Die Kernfrage sei: »Welche Verhältnisse lassen im Durchschnitt mehr Organismen entstehen als vergehen?«

Und das heiße - stabile Dinge bleiben, die anderen müssen letztlich vergehen. Im Grunde sei diese Erkenntnis auch gar nicht umstritten. Aber die Anwendung dieses Gesetzes aufs menschliche Verhalten, das sei seine persönliche Entdeckung. Und dass diese Entdeckung etwas Wichtiges sei, davon ist er überzeugt, das will er zu Papier und unter die Menschen bringen, so weit wie möglich streuen.

Schwere Aufgabe

Den Selbstverlag habe er gegründet, weil er zwar einen Verlag gefunden hatte, der seine Bücher drucken wollte, aber auf diese Weise viel zu viel vom Marketing dafür aus der Hand hätte geben müssen. Dass die Vermarktung seiner eigenen Bücher seine »schwerste Marketingaufgabe« werden würde, darüber habe er sich nie Illusionen gemacht.

Er ist damit im Internet präsent in verschiedenen Foren, er meldet sich in Zeitungsdiskussionen zu Wort, wenn er da seine Theorie als hilfreich sieht. Er hält Vorträge und will diese Art der Verbreitung seiner Gedanken in immer größeren Kreisen weitertreiben. Und er setzt auf Gespräche, hofft auf Leute, die Interesse an so etwas haben.

Neben seinem Grundlagenbuch, in dem er sich mit den »Grundverhaltenskomponenten« beschäftigt, hat er bereits zwei weitere Bücher fertig: Das eine beschäftigt sich mit der Religion. Da hat er den evolutionären Ansatz vertieft, sieht Glauben und Religion »als zwangsläufige Konsequenz der unbewussten Evolution, als das Bewusstsein dazu kam«. Und diesen Ansatz hält er für »revolutionär«.

Religion und Pädagogik

Im dritten Buch wendet er seine Erkenntnisse auf pädagogische Themen an: Vor allem für Eltern sei das wichtig, die müssten dringend wissen, warum sich ihr Nachwuchs so entwickle. Seine pädagogischen Ideen kommen dabei nicht aus dem luftleeren Raum. Einmal sei seine Frau als Lehrerin erste Informationsquelle. Schließlich ist er selbst an der Reutlinger Hochschule als Lehrbeauftragter tätig, unterrichtet dort zu Marketingthemen.

Versuche, seine Ideen auch im Wissenschaftsbetrieb unterzubringen, hat er auch unternommen: Man höre ihm zwar teilweise zu, aber von Professoren werde er nicht ernst genommen - er habe keinen Doktor-Titel. Und wenn man höre, dass er als Ingenieur sich mit Themen beschäftige, die traditionell nur Psychologen oder Philosophen beschäftige, dann heiße es - für solche Erkenntnisse sei man nicht zuständig.

Wer ihn verstanden habe, so ist er überzeugt, »der sieht die Welt und seine Mitmenschen mit anderen Augen«, der nehme sich mehr zurück, sei sensibler, rücksichtsvoller in der Kommunikation mit anderen, weniger sarkastisch oder polemisch. Und der verstehe »die tiefen Ursachen von Mobbing, Hass, Feindschaft, Selbstprofilierung, Deprofilierung, Lautsprecherei, Ausbeutung, Zerstörung, Terrorismus und Krieg«. (GEA)


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