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Altkleider - Die Aktion Hoffnung setzt Erlöse aus Container-Sammlungen für Entwicklungsprojekte ein

Wer mit alten Kleidern Kohle macht, und wer nicht

Von Petra Schöbel

ENINGEN/STUTTGART. Der Handel mit Altkleidern ist ein globales Geschäft. Viele Verwertungsfirmen, aber auch gemeinnützige Organisationen beteiligen sich daran. Während die einen aus dem Gebrauchtkleider-Export vor allem einen kräftigen Gewinn abschöpfen wollen, nutzen ihn die anderen, um aus dem Erlös weltweit soziale Projekte zu unterstützen. Letzteres ist auch der Grund, warum die Aktion Hoffnung im Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart weit über 1 000 Altkleider-Container aufgestellt hat, zum Beispiel auch in Eningen, Pfullingen und Reutlingen.

Altkleider-Container gehören inzwischen zum Straßenbild. Verbraucher müssen unterscheiden zwischen Organisationen, die mit den Kleidern oder dem Erlös aus deren Verkauf einen guten Zweck verfolgen, und gewerblichen Verwertungsfirmen, die Gewinn erzielen wollen. FOTO: DPA
Altkleider-Container gehören inzwischen zum Straßenbild. Verbraucher müssen unterscheiden zwischen Organisationen, die mit den Kleidern oder dem Erlös aus deren Verkauf einen guten Zweck verfolgen, und gewerblichen Verwertungsfirmen, die Gewinn erzielen wollen. FOTO: dpa
»Im Gegensatz zu anderen Organisationen verkaufen wir nicht nur unser Logo, damit andere Geschäfte machen können«, erklärt Anton Vaas, Geschäftsführer der katholischen Hilfsorganisation. Die Aktion Hoffnung setzt den Erlös aus der Verwertung der Gebrauchtkleider - 2011 waren das immerhin 300 000 Euro - gezielt für Hilfsprojekte in Afrika, Südamerika und Palästina ein.

Deshalb können Verbraucher - anders als im GEA-Artikel über die Eninger Altkleider-Container-Standorte behauptet - eben doch ihre abgelegten Hosen, Kleider, Hemden oder T-Shirts guten Gewissens zum Beispiel in die Behälter mit der Aufschrift Aktion Hoffnung oder Deutsches Rotes Kreuz entsorgen. Sie unterscheiden sich damit von anderen Organisationen, die tatsächlich nur eine Lizenzgebühr für ihr Logo, das dann auf den Containern zu sehen ist, erhalten. Und natürlich von den rein gewerblichen Betrieben, deren Behälter an vielen Orten stehen.

Haussammlungen beim DRK

Der DRK-Kreisverband Reutlingen hat nur noch vor dem DRK-Haus in Eningen eigene Container stehen, wie Frank Silberbauer, zuständig für die Rotkreuz-Dienste, erklärt. Dank des Einsatzes vieler Ehrenamtlicher gibt es aber jedes Jahr Haussammlungen in vielen Orten. Die guten Kleidungsstücke kommen in die DRK-Kleiderkammer in Reutlingen.

Dort können sich Bedürftige versorgen und auch in Notfällen kann auf dieses Reservoir zurückgegriffen werden. »Wir haben zum Beispiel für die Menschen, die seinerzeit beim Brand in Metzingen evakuiert werden mussten, schnell und unkompliziert Kleidung zur Verfügung stellen können«, berichtet Silberbauer. Alles, was nicht mehr tragfähig ist, verkauft der DRK-Kreisverband aber ebenfalls an Verwertungsfirmen. »Dieses Geld setzen wir für die Ausbildung ein oder kaufen für die Helfer vor Ort Material oder Ausstattung«, listet Silberbauer auf. »So kommt das, was uns die Menschen an Kleidern gespendet haben, dann auch wieder der Bevölkerung zugute«, betont er.

Einem guten Zweck dienen auch die Sammlungen der Aktion Hoffnung. In Informations-Broschüren und im Internet macht die Organisation ihre Verwertungskette transparent. Mehr als 5 400 Tonnen Altkleider und Altschuhe werden pro Jahr in ihren Containern gesammelt. Das Leeren übernimmt - im Auftrag der Aktion Hoffnung - in der Regel eine Verwertungsfirma aus Langenenslingen. In diesem Betrieb wird die Bekleidung von mehr als 100 Frauen sortiert und anschließend an Läden oder Händler weiterverkauft. Die Ware geht ins Ausland. Gemäß den Angaben der Aktion Hoffnung sind dort »die gebrauchten Kleider sehr beliebt, weil sie preisgünstig, von guter Qualität und vor allem modisch sind.« (siehe Box)

Die Erlöse aus dem Altkleider-Verkauf kommen den Projekten der Mitgliedsverbände von Aktion Hoffnung und der Diözese Rottenburg-Stuttgart zugute. In den vergangenen Jahren sind mehr als zwei Millionen Euro in Entwicklungsprojekte in Uganda, Ghana, Paraguay, Mexiko, Palästina, Algerien und Argentinien investiert worden.

Container am falschen Ort

Nach Angaben von Anton Vaas ist es der Organisation - die sich dem Dachverband Fair-Wertung angeschlossen hat - wichtig, dass all ihre Container-Standorte angemeldet sind. »Für jeden einzelnen unserer 1 075 Altkleidercontainer auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart liegt eine Stellplatzgenehmigung vor«, erklärt er. Mit dem Thema Standort-Genehmigung hatte sich vergangene Woche das Verwaltungsgericht Sigmaringen in Eningen befasst.

Auch die Container-Sammlungen im Landkreis Reutlingen seien - gemäß der Vorgaben des neuen Abfallwirtschaftsgesetzes - »beim Landratsamt angezeigt« worden, erklärt Vaas. »Das allein reicht leider nicht«, sagt dazu Andreas Walter vom Eninger Ordnungsamt. Für den Stellplatz hinter der Liebfrauenkirche in Eningen hätte die Gemeinde eine Sondergenehmigung erteilen müssen, wenn sie denn davon gewusst hätte.

Walter erklärt, dass die Aktion Hoffnung, die den Container aufgestellt habe, davon ausgegangen sei, dass der Weg zum Kirchengelände gehöre. Da es sich aber um eine öffentliche Straße handele, müsse der Behälter nun entweder nachgenehmigt oder aber umgestellt werden. Die Gemeinde sei mit der Aktion Hoffnung bereits im Gespräch. (GEA)

Was beim Entsorgen von gebrauchter Kleidung zu beachten ist


Kleidung ist ein Gebrauchsgut, das extremen Modetrends unterworfen ist. Deshalb werden viele Textilien ausrangiert, lang bevor sie kaputt und nicht mehr tragbar sind. Rund 750 000 Tonnen landen jedes Jahr in Containern, Straßensammlungen und Kleiderkammern. Damit ließen sich nach Angaben der Aktion Hoffnung 47 000 Lastzüge beladen.

Wer sichergehen möchte, dass das Entsorgen seiner abgelegten Kleidung einen positiven Effekt hat, der sollte sich genau erkundigen, was die Organisation oder das Unternehmen, denen er die gebrauchten Textilien anvertraut, damit macht. Gewerbliche Sammler »tarnen« sich gelegentlich mit Namen, die an Hilfsorganisationen erinnern. Gemeinnützige Einrichtungen, die tatsächlich mit dem Sammeln von Altkleidern einen guten Zweck erfüllen wollen, legen inzwischen großen Wert auf die Transparenz ihrer Verwertungskette.

Viele sind im Dachverband Fair-Wertung zusammengeschlossen. Der klärt unter anderem darüber auf, wie gewerbliche von gemeinnützigen Sammlungen zu unterscheiden sind, und zeigt auf, wo die Textilien landen und warum es sinnvoll sein kann, gebrauchte Bekleidung in den Ostblock oder nach Afrika zu exportieren. Die Homepage von Fair-Wertung bietet viel Informationen rund um das Thema Secondhand-Kleidung übersichtlich aufbereitet. (ps)

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