Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Wildtiere - Mauersegler jagen bis in 3 000 Meter Höhe und legen in ihrem Leben riesige Strecken zurück

Weltenzieher und Luftakrobat

VON FRANK KORNDÖRFER

PFULLINGEN. Der Mauersegler gehört zur Familie der Eigentlichen Segler (Apodidae). Der Name »Mauersegler« ist auf dessen Verhalten, an den Mauern entlangzusegeln, zurückzuführen. Sein wissenschaftlicher Name »Apus apus« leitet sich vom griechischen Wort für »fußlos« ab und ist ein Hinweis auf die kurzen, kaum erkennbaren Stummelbeine des Mauerseglers. Der Vogel steht heute im Mittelpunkt der Serie »Wildtiere in der Stadt«.

Der Mauersegler verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft. FOTO: PR
Der Mauersegler verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft. FOTO: PR
Segler zählen nicht zu den Singvögeln, sondern bilden eine eigene Ordnung in der Vogelwelt. Verwandtschaftlich stehen die Segler den Kolibris nahe. Mit einer Flügelspannweite von über 40 Zentimetern sind Mauersegler beträchtlich größer als die heimischen Schwalben. Sie haben lange, sichelförmige Flügel und einen kurzen gegabelten Schwanz. Bis auf ihre grauweiße Kehle ist das gesamte Gefieder bräunlich bis schwarz gefärbt.

Mauersegler gehen nur in der Luft auf Jagd nach Insekten und Spinnen, die sie gezielt anfliegen und fangen. Sie jagen oft in großer Höhe von bis zu 3 000 Meter über der Erde. Die Flughöhe schwankt mit dem Nahrungsangebot. Bei schlechtem Wetter fliegen sie auch flach über dem Grund, da sich ihre Beutetiere dann dort aufhalten.

In Europa sind als Nahrungstiere vor allem Blattläuse, Käfer, Fliegen und Hautflügler wie Bienen, Wespen oder Ameisen nachgewiesen worden, in Afrika auch schwärmende Termiten. Ursprünglich war der Mauersegler ein Fels- und Baumbrüter. Heute ist er hauptsächlich ein Bewohner von menschlichen Siedlungen, wo er in Dörfern und in Städten mit hohen Gebäuden wie Wohnblocks, Hochhäusern, Türmen und Fabriken vorkommt.

Ihre Nester bauen sie in Nischen und Spalten aller Art, die dunkle Hohlräume mit horizontalem Boden bieten. Diese findet er unter Dachrinnen, unter Jalousiekästen, in Lüftungssteinen oder Stuck-Hohlräumen. Fehlen diese Gebäudestrukturen, nimmt er auch geeignete Nistkästen an. Bei allen Brutplätzen ist ein freier An- und Abflug von entscheidender Bedeutung.

Energiesparende Jungtiere

Mauersegler haben normalerweise eine Brut mit zwei bis vier Eiern. Männchen und Weibchen bebrüten die Eier abwechslungsweise während etwa 20 Tagen und beteiligen sich gleichermaßen am Füttern der Nestlinge, bis diese nach 42 bis 46 Tagen ausfliegen. Wenn wegen Regen oder Kälte das Futter um den Brutplatz knapp wird, weichen die Mauersegler in Schönwettergebiete aus, die mehrere Hundert Kilometer entfernt sein können.

Während solcher »Wetterfluchten« werden die Eier nicht bebrütet und können bei zu langer Abwesenheit der Elterntiere absterben. Dann werden die abgestorbenen Eier aus dem Nest geworfen und als Zweitbrut zwei neue Eier nachgelegt. Nestlinge können bei Futtermangel in eine energiesparende Starre verfallen und so eine Notzeit bis zu zwei Wochen überleben.

Im Jahr fünfmal um die Welt

Mauersegler sind Langstreckenzieher, die südlich der Sahara überwintern und im Frühling zum Brüten nach Norden ziehen. Bei uns treffen sie bis Mitte Mai ein. Der Wegzug beginnt bereits ab Mitte Juli. Sie verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft und fliegen dabei riesige Strecken. Der Schweizer Vogelforscher Emil Weitnauer errechnete für einen von ihm beringten 21-jährigen Mauersegler eine Lebensflugleistung von 3,8 Millionen Flugkilometern. Was knapp Hundert Erdumrundungen entspräche.

Hauptgefährdungsursachen für den Mauersegler sind der Verlust der Nistmöglichkeiten aufgrund von Renovierungen und Neubauten ohne Nischen und Spalten sowie die zunehmende Insektenarmut infolge verstärkter Insektizidanwendung in der Landwirtschaft aber auch durch zunehmend sterile Ziergärten im städtischen Raum. (GEA)

www.nabu-pfullingen.de


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