Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Bauarbeiten - Unter den Treppen zur Martinskirche ist ein Schwellenbauwerk versteckt. Jetzt knackt ein Bagger im Dienste des Hochwasserschutzes die dicken Betonwände

Was Bagger bei der Martinskirche knacken

VON UWE SAUTTER

PFULLINGEN. Der große Bagger gleich am Eingang der Fußgängerzone weckt nicht nur das Interesse der jungen Pfullinger. Warum gerade hier vor der Martinskirche der Presslufthammer unter ohrenbetäubendem Lärm im offensichtlich dicken Beton bohrt, das fragt sich auch manch' Alteingesessener auf dem Weg vom oder zum Wochenendeinkauf. Ein Bunker, wie die Bauarbeiter angesichts der dicken, massiv mit Eisen verstärkten Betonhülle launig meinen, war's jedenfalls nicht. Sie knacken ein Bauwerk für den Hochwasserschutz, das in den nächsten Wochen auf Vordermann gebracht werden muss.

Eisen satt: Das Schwellbauwerk an der Martinskirche ist gut bewehrt.
Eisen satt: Das Schwellbauwerk an der Martinskirche ist gut bewehrt. FOTO: Uwe Sautter
Kurz hinter der Martinskirche treffen unter den Treppen, die Richtung Lindenplatz führen, Elisenbach, Heergassenbach und Stadtbach aufeinander. Und das in einer etwa sieben auf drei Meter großen und nicht sehr hohen Betonkammer. Die hat nur einen Zweck, sie soll den 1/8-Kanal und die Steinge vor Hochwasser schützen. Es ist ein Schwellenbauwerk, erklärt Stefan Reusch vom Pfullinger Stadtbauamt auf Nachfrage.

Das heißt, steigt das Wasser im Bauwerk an, fließt das nicht nur in Richtung Steinge ab, sondern landet über zwei Entlastungskanäle auch in der Echaz, vor und hinter der baumannschen Mühle. In den vergangenen Jahren ist die Schwelle aber immer mehr verkalkt und damit höher geworden. Deshalb fließt jetzt mehr Wasser als gewollt in Richtung Steinge. »Und wenn's zu viel wird, kommt's irgendwo raus«, erklärt Reusch. Doch zu unliebsamen Überraschungen soll's nicht kommen. Deshalb muss der Kalk runter von der Schwelle. Das ist angesichts der geringen Raumhöhe ein äußerst schwieriges Geschäft. Darum musste jetzt der Deckel runter, damit die Arbeiter die Ablagerungen gründlich entfernen können.

Mehr Kalk im Wasser

Die Kalkablagerung hat vor etwa zehn Jahren deutlich zugenommen. Dafür nennt Reusch gleich drei Gründe: In den Oberflächengewässern der Stadt landet kein Industrieabwasser mehr. Das ist aus Umweltschutzgründen gut, allerdings setzt jetzt in den Kanälen mehr Kalk an. Unterstützt wird diese Tendenz noch durch den Klimawandel, denn umso wärmer das Wasser ist, umso mehr Kalk fällt aus. Und der dritte Grund: Das Wasser von der Schwäbischen Alb bringt schon deutlich mehr Kalk mit als früher. Durch die Versauerung des Bodens wird nämlich auch mehr im Wasser gelöst.

In den kommenden Wochen wird der Kalk jetzt also weggespitz. Und nicht nur das. Das Bauwerk soll auch eine Steuerung bekommen, wie die genau aussehen wird, das macht das Stadtbauamt davon abhängig, was es jetzt unter dem Boden genau findet. Heute und morgen laufen noch die Abbrucharbeiten, dann können sich die Mitarbeiter der Stadt ein erstes Bild machen und das weitere Vorgehen festlegen.

Letztlich dient die Steuerung auch dem Hochwasserschutz. Denn der 1/8-Kanal, der nach dem Schwellenbauwerk beginnt und dann unter Tage entlang des Lindenplatzes führt und auf Höhe der Metzgerei Geisel zur Steinge wird, muss gereinigt werden, um die notwendige Durchflussmenge sicherzustellen. Um das zu tun, muss aber »das Wasser abgestellt« werden können. Eine entsprechende Vorrichtung ist an der Baustelle an der Martinskirche geplant.

Was die Maßnahme genau kostet, ist momentan ebenso nicht abzusehen, wie die Dauer der Arbeiten. (GEA)

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