Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Vereinsförderung - Neue Richtlinien sind rückwirkend seit 1. Juli 2016 in Kraft. Erste Bilanz der Vereine fällt positiv aus

Pfullinger Vereinsförderung unterm Strich ein Zugewinn

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Vor einem halben Jahr hat der Pfullinger Gemeinderat die neuen Richtlinien zur Vereinsförderung verabschiedet, die rückwirkend vom 1. Juli 2016 an angewendet werden. Für viele Vereine hat das eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation mit sich gebracht, denn etliche hatten zuvor überhaupt nicht von städtischen Zuschüssen profitiert. Daher fällt die erste Bilanz von Vertretern verschiedener Vereine recht positiv aus.

Für die Aufführungen  der Opera Laiblin im vergangenen Herbst hat die  Initiative für ein Kulturhaus (i?kuh) Vereinsfördermittel  erhalten. Regelmäßigen Veranstaltungen wie den Pfulben-Talk oder Kultur im Kloster muss sie komplett selbst finanzieren. FOTO: BERNKLAU
Für die Aufführungen der Opera Laiblin im vergangenen Herbst hat die Initiative für ein Kulturhaus (i’kuh) Vereinsfördermittel erhalten. Regelmäßigen Veranstaltungen wie den Pfulben-Talk oder Kultur im Kloster muss sie komplett selbst finanzieren. FOTO: BERNKLAU
Bemängelt wird allerdings, dass der Aufwand für die Antragstellung sehr groß sei. Vor allem für die »besondere Förderung unter Berücksichtigung des öffentlichen Interesses« - der neben Grund- und Jugendförderung sogenannten »dritten Säule« der Vereinsförderung - müssen detailgenaue Kostenberechnungen eingereicht werden.

Insgesamt 39 Vereine haben bei Kulturreferentin Sabine Hohloch, die im Rathaus auch für die Vereinsbelange zuständig ist, einen Förderantrag gestellt. »Davon sind 30 ganz neu dabei«, betont sie. Das bedeutet, dass die Stadt unterm Strich mehr Geld für die Vereine ausgibt als zuvor: »Im Haushaltsplan 2018 sind jetzt 180 000 Euro dafür eingestellt.«

Die großen Pfullinger Vereine, die mit verschiedensten Veranstaltungen das Leben in der Stadt mitgestalten, haben schon immer auf Unterstützung von der Stadt zählen können. Die wurde in der Vergangenheit oft sehr unbürokratisch gewährt, was zur Folge hatte, dass es nicht auf Heller und Pfennig aufzurechnen war, was welcher Verein erhalten hatte. Deshalb begrüßen gerade auch kleinere Vereine das neue, transparentere Verfahren, das jetzt klaren Richtlinien folgt.

»Ich bin sehr froh, dass wir nun auch etwas kriegen«
 

»Dafür habe ich mich beim Bürgermeister bedankt«, sagt Elfriede Schmälzle-Fried, die seit sieben Jahren Vorsitzende des Homöopathischen Vereins Pfullingen ist. Vorher habe sie gar nicht wahrgenommen, dass die Stadt den Vereinen überhaupt Unterstützung gewährt. Jetzt bekommt auch ihr Verein aus der Grundförderung, die nach Mitgliederzahl gestaffelt ist, Mittel aufs Konto überwiesen. »Ich bin sehr froh, dass wir nun auch etwas kriegen«, freut sie sich.

Ausgaben fallen beim Homöopathischen Verein, der rund 60 Mitglieder hat, vor allem für Raummiete an. Veranstaltungen organisiert Elfriede Schmälzle-Fried in der Mühlenstube in der Baumannschen Mühle, ein regelmäßiges Sportangebot gibt es in der Sporthalle der Schloss-Schule. Ab und zu lädt sie Referenten für Vorträge ein, die dann ein Honorar erhalten. Früher wurden alle Ausgaben aus den Rücklagen bezahlt, die der Verein aus den Mitgliedsbeiträgen und aus Spenden gebildet hat. »Da wir jetzt die Fördermittel zur Verfügung haben, brauchen wir die Beiträge erst einmal nicht erhöhen«, erklärt sie, was vor allem Mitglieder, die nicht so viel Geld haben, sehr zu schätzen wüssten.

Dass es in den zurückliegenden Jahren so viel Wirbel um die Vereinsförderung gegeben hat, kann sie nicht nachvollziehen. »Es wurde von Anfang an gesagt, dass dieses Modell schrittweise umgesetzt wird«, stellt sie fest. »Da hätten sich die großen Vereine ruhig etwas gedulden können.«

Der Musikverein Stadtkapelle Pfullingen steht nach Angaben des Vorsitzenden Michael Wödl jetzt »nicht schlechter da als vorher«. Als »Stadtkapelle« habe der Verein natürlich auch vorher schon Zuwendungen von der Stadt erhalten. »Jetzt haben wir in der Summe etwas mehr«, erklärt Wödl, allerdings müsse dafür auch mehr bürokratischer Aufwand betrieben werden, um zum Beispiel Zuwendungen aus der »dritten Säule« zu bekommen. Zudem fielen nun mehr Kosten an, da die Nutzung von städtischen Räumen nicht mehr kostenlos sei.

»Das Geld setzen wir direkt für die Jugendarbeit ein«
 

Wödl weist darauf hin, dass zum 30. Juni die zweijährige Probephase für die Vereinsfinanzierung ende. Danach würden auch die Bauhofleistungen kostenpflichtig, die bisher zwar berechnet, aber nicht eingefordert wurden. »Dann müssen wir mal sehen, wie es weitergeht.« Auch die Pfullinger Musik treibender Vereine, die jedes Jahr das Schlösslesparkfest organisieren, haben sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt, betont Wödl. »Wir werden das für dieses Jahr mal kalkulieren«, erklärt er, »und dann sehen, was dabei herauskommt.«

Dem CVJM Pfullingen haben die neuen Richtlinien für die Vereinsförderung ganz neue Möglichkeiten eröffnet. »Zuvor haben wir zu besonderen Anlässen ab und an Mittel von der Stadt bekommen, wie zum Beispiel zu unserem Jubiläum oder für den Freizeitheim-Umbau«, berichtet Susanne Wörner vom Vorstandsteam. Jetzt profitiert der Verein, weil er viele junge Mitglieder hat und für jedes 20 Euro pro Jahr aus der Jugendförderung erhält. »Dieses Geld setzen wir direkt für unsere Jugendarbeit ein«, erklärt sie. Zum Beispiel finanziert der CVJM die Stelle der Jugendreferentin selbst.

Zugute kommt dem Verein, dass er vor allem kirchliche Räume nutzen kann und dafür keine Miete zahlen muss. »Nur für unser Sportangebot müssen wir Hallengebühren aufbringen«, erklärt Susanne Wörner. Nachteilig wirke sich bisher aus, dass die Jungscharen, die der CVJM anbiete, auch von vielen Kindern besucht werden, die nicht Mitglied sind. »Wir bitten jetzt die Eltern, sie anzumelden«, sagt sie, »aber das soll kein Muss sein.« Auch aus der »dritten Säule« erhält der Verein Zuwendungen, zum Beispiel für die Beteiligung an der Markungsputzete und am Weltkindertag. »Alles zusammen bringt uns etwas Geld ein, das wir vorher nicht hatten.«

Sehr zufrieden mit der neuen Regelung ist auch die Albvereins-Vorsitzende Doris Sautter. »Wir stehen jetzt besser da als vorher«, räumt sie ohne Umschweife ein, »trotz der Aufwendungen, die wir gegenrechnen müssen.« Allerdings betont auch sie: »Der Verwaltungsaufwand ist groß!« Doch das nehme der Verein jetzt gern in Kauf, denn »unterm Strich ist es ein Zugewinn«.

Die Albvereins-Ortsgruppe erhält Zuwendungen aus allen drei Säulen: aus der Grund- und Jugendförderung sowie aus der besonderen Förderung unter Berücksichtigung des öffentlichen Interesses. »Der Albverein kümmert sich um viele Aufgaben, die der Allgemeinheit zugutekommen«, sagt Doris Sautter und nennt als Beispiele die Arbeit im Trachtenmuseum, die Instandhaltung von Bänken an den Wanderwegen oder Wander-Angebote für die Gesundheit oder für Menschen mit kognitiven Handicaps. Das alles müsse im Antrag an die Stadt genau aufgelistet werden. Allerdings sei vom Rathaus inzwischen in Aussicht gestellt worden, dass das Antragsverfahren vereinfacht werden solle, erklärt sie.

»Wir sind deshalb auf der Suche nach Sponsoren«
 

»Uns war von Anfang an nicht klar, was aus der Vereinsförderung zu erwarten ist, insbesondere aus der dritten Säule«, erklärt sie ihre anfängliche Skepsis und merkt an: »Im Nachhinein betrachtet kann man sagen: Das war ein guter Zug.«

Probleme mit der neuen Vereinsförderung hat noch die Pfullinger Initiative für ein Kulturhaus (i'kuh). Denn das, was der Verein für das kulturelle Leben der Stadt auf die Beine stellt, ist nicht grundsätzlich förderfähig, wie der Vorsitzende Werner Eichinger schildert. »Wir hatten im Herbst ein längeres Gespräch mit dem Bürgermeister«, berichtet er, »und haben unsere Situation dargelegt.« Weil i'kuh mit derzeit 99 Mitgliedern eher zu den kleinen Vereinen zählt, erhält er aus der Grundförderung gerade einmal 250 Euro. Mangels jugendlicher Mitglieder entfällt die Jugendförderung komplett.

Aus der »dritten Säule« hat die Kulturhaus-Initiative im vergangenen Jahr einen Zuschuss erhalten, um die »Opera Laiblin« auf die Bühne zu bringen. »Weil diese Aufführungen auch überregional interessant waren«, berichtet Eichinger, »für uns war das ein Mammutprojekt.« Alle anderen i'kuh-Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Kultur im Kloster (KiK), der Pfulben-Talk oder das Schlosshof-Open-Air, fielen nicht in die Kategorie der »besonderen Förderung«, weil sie nicht einmalig sind, sondern regelmäßig organisiert werden.

Raummiete und gegebenenfalls Nebenkosten müssten dennoch dafür gezahlt werden. »Wir sind deshalb auf der Suche nach Sponsoren«, betont Eichinger. Andernfalls müssten unter Umständen für manche Veranstaltungen die Eintrittspreise erhöht werden. »Wir erhalten Mittel aus der Vereinsförderung«, fasst Eichinger zusammen, »aber unterm Strich bleibt für uns ein Manko«. Momentan müsse der Verein davon ausgehen, dass »ein Defizit auf uns zukommt«. Zumal, wenn im Sommer auch die Bauhofleistungen kostenpflichtig würden.

»Unser Anspruch ist es, weiterhin in Pfullingen gute Kulturveranstaltungen anbieten zu können«, betont Eichinger. Dabei gehe es nie darum, dass Profit erzielt wird, sondern dass jedes Projekt sich selber trägt. »Deshalb erwarten wir, dass die Stadt uns unterstützt.« (GEA)

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