Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Elisenweg - Einstimmiger Ratsbeschluss für die Beseitigung der Rutschungen.

Übersberg-Zufahrt wird für 1,32 Millionen Euro saniert

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Im November hatten Segelflieger eine Online-Petition für den Erhalt der Zufahrt zum Übersberg gestartet, die 1 344 Unterstützer unterzeichneten. In Leserbriefen wurde die Stadt aufgefordert, angesichts der historischen Bedeutung des Elisenwegs die teilweise abgerutschte Straße auf jeden Fall wieder instand zu setzen.

Volles Haus im Pfullinger Ratssaal: Zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstag verfolgten  etwa  60 Bürger die Beratungen  zum Thema Elisenweg-Sanierung.
Volles Haus im Pfullinger Ratssaal: Zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstag verfolgten etwa 60 Bürger die Beratungen zum Thema Elisenweg-Sanierung. FOTO: Petra Schöbel
Vor Kurzem mahnte Günther Hecht, Ehrenvorsitzender des Lichtensteingaus im Schwäbischen Albverein, den Gemeinderat, den Weg ins Naherholungsgebiet »per Eilbeschluss« sanieren zu lassen. Unmittelbar vor der Ratssitzung am Dienstagabend übergab die Pfullinger Albvereins-Vorsitzende Doris Sautter eine Liste mit 126 Unterschriften an den stellvertretenden Bürgermeister Martin Fink, in der nachdrücklich um die »Wiederherstellung des Elisenwegs« gebeten wird.

Der Gemeinderat ließ nicht zweimal bitten und beschloss einstimmig, die Rutschungen sanieren zu lassen, was Kosten von insgesamt 1,32 Millionen Euro verursacht. Die Verwaltung werde jetzt die Ausschreibung zügig auf den Weg bringen, sagte Stadtbaumeister Karl-Jürgen Oehrle zu und stellte in Aussicht, dass die Bauarbeiten im April beginnen und nach sechs Monaten beendet sein könnten.

Nicht zufällig sei die Sanierung der Übersberg-Zufahrt der erste Tagesordnungspunkt im neuen Jahr, betonte Martin Fink, der als stellvertretender Bürgermeister erneut die Ratssitzung leitete. »Das zeigt, wie wichtig das Thema dem Gemeinderat und der Verwaltung ist«, erklärte er den rund 60 Zuschauern, die sich im Ratssaal drängten. Es habe Ortsbesichtigungen gegeben, mehrere Sanierungsvarianten wurden geprüft und bewertet. Der Stadtbaumeister schilderte dem Gremium die geologischen Besonderheiten dieses Gebiets, in dem es durch Erosion immer wieder zu Rutschungen und Verwerfungen komme. Für die Sanierung sei es daher notwendig, den Straßenaufbau im festen Gestein, dem sogenannten Impressamergel, zu gründen, um die Standfestigkeit wiederherzustellen.

Das sei allerdings an der Rutschung kurz oberhalb des Ursulaberg-Spielplatzes, an der Abzweigung des Gummiwegs, nicht möglich, weil die Rutschmasse bis in elf Meter Tiefe reiche und für die Gründung bis zu 18 Meter tief gebohrt werden müsse. Deshalb soll dieser Bereich nur »reprofiliert«, das heißt, das Oberflächenprofil durch Abtragen und wieder Auffüllen von Erdreich wiederhergestellt werden. Zusätzlich sollen Sickerpackungen eingebaut werden, die für die Entwässerung sorgen sollen. Für diese Maßnahmen sind 180000 Euro veranschlagt.

»Die Frage, ob saniert wird oder nicht, stellt sich nicht mehr«
 

Die unterschiedlichen Sanierungsoptionen für die weiter oben am Elisenweg liegenden Rutschungen stellte Werner Herrmann vom Ingenieurbüro Herrmann und Mang vor. In einem Fall muss die Straße auf einer Länge von 50 Metern saniert werden, im anderen auf 120 Metern. Zwar sei die Fahrbahn dort nur auf 60 Meter Länge abgerutscht, doch zeigten sich links und rechts der Rutschung ebenfalls bedenkliche Risse. Herrmann erläuterte die Vorgehensweise der vier untersuchten Sanierungsverfahren und empfahl schließlich die »aufgelöste Betonpfahlwand mit rückverhängten Kopfbalken und eingehängten Raumgitterwänden«. Dazu werden mehrere Bohrpfähle etwa sechs Meter tief in den Untergrund getrieben und mit Kopfbalken verbunden, auf denen wiederum Gabionen oder Mauerscheiben aufgesetzt werden. Auf diese Weise könne die volle Fahrbahnbreite wiederhergestellt werden, betonte der Ingenieur. Diese Variante würde für beide Rutschungen rund 1,14 Millionen Euro kosten. Die anderen Sanierungsoptionen waren teils deutlich teurer. Für das gesamte Projekt erhält die Stadt Fördermittel in Höhe von 590 000 Euro aus dem Hochwasseraufbauhilfeprogramm 2013.

Als alternative Zufahrten wurden nach Angaben von Oehrle die alte Steige vom Waldcafé aus, ein Weg über die Jungviehweide sowie die Zufahrten über die Gemarkungen von Nachbarkommunen untersucht. »Diese Möglichkeiten scheiden aber aus«, erklärte er, sie wären kurz- oder mittelfristig nicht realisierbar.

»Die Frage, ob saniert wird oder nicht, stellt sich nicht mehr«, hob Wolfram Auch (FWV) zu Beginn der Debatte hervor. Die Straße ins Naherholungsgebiet müsse bleiben. Gert Klaiber (CDU) ist es wichtig, dass die Arbeiten jetzt »schnell vorangehen«. Der Elisenweg diene dem Tourismus in der Region und vor allem auch den Segelfliegern, betonte Ute Jestädt (UWV). Sie hoffe, dass die Straße dann »einige Jahre hält«. Britta Wayand (FWV) hakte nach, ob die Zufahrt zum Übersberg dann auch »stabil genug für Busse« sei. »Das geht schon«, erwiderte Herrmann. Die Ratsfrau bat darum, unbedingt mit dem Pächter des »Übersberger Hofes« zu sprechen: »Sonst kann der sein Restaurant so lange zu machen.«

Dass Bevölkerung und Vereine sich »so kräftig« für den Erhalt des Elisenwegs eingesetzt haben, begrüßte Traude Koch (GAL). Was auf dem Weg zur Sanierung nicht geholfen habe, sei die Entscheidung des Gemeinderats gewesen, das Hofgut Übersberg verkaufen zu wollen, merkte sie an. »Wir haben nicht beschlossen, dass es verkauft wird«, stellte Bettina Bamberg (CDU) postwendend fest.

»Für Busse wäre die Zufahrt von oben grundsätzlich besser«
 

Bamberg regte zudem an, mit der Gemeinde Lichtenstein darüber zu sprechen, die Zufahrt über den Göllesberg und den Waldweg über den Winter aufrechtzuerhalten. »Für große Fahrzeuge und Busse wäre die Zufahrt von oben her grundsätzlich besser«, erklärte sie.

»Wir nähern uns dem Zeitpunkt, wo die Schäden durch den Klimawandel, den wir selbst verursacht haben, nicht mehr reparabel sein werden«, stellte Sigrid Godbillon (GAL) fest. Sie schlug einerseits vor, Sponsoren für die Sanierung zu suchen; anderseits riet sie, »schon jetzt nach einer langfristigen interkommunalen Lösung zu suchen«, damit die nächste Rutschung nicht wieder zum Handeln zwinge. »Das ist eine ganz normale Infrastrukturmaßnahme«, hielt ihr Walter Fromm (SPD) entgegen, »die Stadt ist verpflichtet, den Elisenweg zu reparieren.« (GEA)

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