Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
LEUTE - Der Pfullinger Moritz Haarmann gewinnt mit cleverer Software-Entwicklung Preis bei IT-Wettbewerb

Tüftler aus Leidenschaft

VON CLAUDIA HAILFINGER

PFULLINGEN. Seine Hingabe gilt vor allem einer Sache: Hindernisse beseitigen, die den Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln bisher noch erschweren. Genauer gesagt will er Probleme lösen, die es ohne diese Technologien erst gar nicht gäbe.

Der Pfullinger Moritz Haarmann (24 Jahre) hat eine clevere Lösung gefunden, mit der Buchstaben und Zahlen auf Displays von Smartphones größer dargestellt und damit besser lesbar werden. FOTO: HAILFINGER
Der Pfullinger Moritz Haarmann (24 Jahre) hat eine clevere Lösung gefunden, mit der Buchstaben und Zahlen auf Displays von Smartphones größer dargestellt und damit besser lesbar werden. FOTO: HAILFINGER
Ein Beispiel: die den Markt zunehmend erobernden Smartphones. Ausgestattet mit modernster Technik sind sie Handy, Navigationssystem, Kamera und mobiler Internetzugang in einem. Lästig nur, dass das Display über eine winzige Tastatur verfügt. Einzig filigrane Finger finden auf dem Touchscreen auf Anhieb die richtigen Buchstaben. Im Zweifelsfall muss ein Stift bei dieser Aufgabe helfen.

Schneller schreiben

Daher machte sich der 24-jährige Moritz Haarmann aus Pfullingen auf, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Auf der Basis eines Wörterbuchs entwickelte er ein Programm, das die häufigsten Buchstabenkombinationen ermittelt.

So kann vorherberechnet werden, welches Wort der Benutzer aller Wahrscheinlichkeit nach schreiben möchte. Entsprechend wird der vermutlich als Nächstes anzutippende Buchstabe deutlich größer als die restlichen abgebildet. So wird es einfacher, die richtige Taste zu treffen und die Schreibgeschwindigkeit kann sich, bei einiger Übung, deutlich erhöhen.

Innovative Lösung

Haarmann kreierte dieses Programm im Rahmen eines Pflichtprojekts in seinem Studium der Medieninformatik an der Stuttgarter Hochschule der Medien. Er gab ihm den Namen »qwerted«, welcher sich ganz trivial auf die ersten Buchstaben einer Tastatur bezieht. Um eben solche innovative Ideen aus dem Südwesten des Landes zu fördern, rief die MFG in Stuttgart, eine Innovationsagentur für IT und Medien, den Wettbewerb »Baden-Württemberg goes mobile« ins Leben.

Ein Dozent, der selbst Mitglied der Jury ist, ermutigte den jungen Pfullinger, seine Idee einzureichen. Da aber schon Ende Dezember Einsendeschluss war, musste sich Haarmann vier Monate lang Tag und Nacht dem Projekt widmen. »Das war harte Arbeit«, erinnert er sich heute. Bis in die Silvesternacht hinein tüftelte er an dem Konzept.

Die Mühe sollte sich lohnen, wie sich wenig später herausstellte. Haarmann belegte in der Kategorie »Troubleshooting«, also dem Lösen von Unzulänglichkeiten in der IT, den mit 5 000 Euro dotierten ersten Platz.

Ende Februar bekam er die Trophäe im Karlsruher Forschungszentrum Informatik vor den Augen seiner stolzen Eltern überreicht. Das Preisgeld soll vor allem zur Finanzierung des noch ausstehenden Studiensemesters eingesetzt werden.

Dass sein Weg so verlaufen wird, war dabei alles andere als klar. Zwar gab er am Friedrich-Schiller-Gymnasium bereits Kurse im Informatikbereich, doch lagen seine Schwerpunkte dort noch auf den Fächern Wirtschaft und Biologie. Nach dem Abitur absolvierte Haarmann zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Rettungsdienst und erwog eine Ausbildung zum Rettungsassistenten zu machen.

Auf eigene Faust in den USA

Die Bewerbung an der Stuttgarter Medienhochschule war zunächst ein wenig zielgerichtetes Unterfangen. Doch schnell stand fest, dass der Pfullinger dort seine Berufung finden sollte. Angeregt durch die Möglichkeiten, die ihm die Hochschule bietet, entwickelte und erprobte er munter drauf los. Durch ein vom Land gewährtes Stipendium konnte er erste Auslandserfahrungen in Finnland sammeln.

Auf eigene Faust und mithilfe des extra angesparten Geldes reiste er dann im vergangenen Jahr nach San Francisco, um an einer Entwicklerkonferenz des Internetriesens Google teilzunehmen. Nach Zürich lockte ihn zuletzt eine Zusammenkunft von IT-Entwicklern. Und sein Forscherdrang ist noch lange nicht gestillt. Seine Bachelor-Abschlussarbeit, die er in diesem Jahr verfassen wird, soll sich mit dem Management von Kontaktdaten in der Geschäftswelt beschäftigen. Im Anschluss ist der Master angepeilt und die Idee zur Gründung eines Kleinunternehmens soll zusammen mit einem Kommilitonen umgesetzt werden.

Noch viel wolle er lernen und noch mehr im Ausland arbeiten. Einmal genügsam und sesshaft zu werden, kann sich der wache Forschergeist heute noch nicht vorstellen. Dabei treibt ihn weniger das Finanzielle. Für ihn ist es wichtig, »dass es einfach Spaß macht«.

Wer sich mal die Homepage von Moritz Haarmann und »qwerted« anschauen will, tippt folgende Adresse ein. (GEA)

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