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Senioren - FEE organisiert im Seniorenzentrum »Frère Roger« eine Fasnetsveranstaltung der etwas anderen Art

Staunen, erinnern und mitsingen

ENINGEN. »Heile, heile Gänschen« und »Humba, humba täterä« tönt es aus einem der Aufenthaltsräume im Seniorenzentrum Frère Roger in Eningen. Durchaus stimmkräftig und fröhlich, begleitet von Waldemar Frommann am Klavier. Zehn Bewohner des Zentrums und fünf Mitarbeiter der Freiwilligenvermittlungs-Initiative FEE (Freiwilliges Engagement Eningen) singen Faschingsschlager, die alle kennen. Denn das Motto der Veranstaltung im Rahmen der Reihe »Vorlesezirkel für Senioren« lautet »Die Narren sind los«.

Dr. Margareta Wittoch (links) liest Informatives zur Entstehung und Geschichte des Karnevals und der Fasnet.
Dr. Margareta Wittoch (links) liest Informatives zur Entstehung und Geschichte des Karnevals und der Fasnet. FOTO: Magdalena Kablaoui
Dazu gehört neben kurzen informativen Texten, Gedichten und Erzählungen über die Fasnet eben auch Faschingsmusik. Gelegenheit für die Senioren, mitzusingen. Und bei jedem Lied, das der ehemalige Rektor der Achalmschule anstimmt, werden die Bewohner von »Frère Roger« selbstsicherer. »Das kann i auswendig«, heißt es, als einer Frau die Noten von »Lustig ist das Zigeunerleben« angeboten werden.

Dr. Margareta Wittoch und Ilse-Dore Schmidt haben die »närrische Stunde« vorbereitet, Masken mitgebracht von der Eninger Narrenzunft, den Häbles-Wetzern und der Trauben-Rike, sowie eine Maske aus Venedig und den Düsseldorfer Erzschelm Hoppeditz als kleine Büste. Die Masken gehen durch die Stuhlreihe, werden angefasst und bewundert.

Karren voller Essen

Dazu lesen die FEE-Mitarbeiterinnen Heidemarie Eckle, Annemarie Winter, Brigitte Hagmeier und Ilse-Dore Schmidt Gedichte und Erzählungen. Beispielsweise »Der Februar« von Erich Kästner und »Karneval der Tiere« von Josef Guggenmos. Die Gedichte sind den Senioren teilweise bekannt, einige wissen sogar einige Zeilen auswendig, die sie mitsprechen. In kurzen Erzählungen erfahren sie, wie Fasnet auf der Alb, im Rheinland, Berlin und Venedig gefeiert wird.

Psychologie-Professorin Wittoch ergänzt mit Texten über die Herkunft der Fasnet. So erfahren die Senioren, dass der Fasnet der germanische Brauch der Austreibung der Wintergeister zugrunde liegt und dass Fasnets-Umzüge schon vor 400 Jahren stattgefunden haben.

Der rheinische Karneval hat eine andere Wurzel, das Saturnalienfest, das durch die römische Besetzung hierzulande eingeführt wurde. Und sich später vermischte mit dem Brauch, vor der 40-tägigen Fastenzeit noch mal richtig viel zu essen, vor allem natürlich das ab Aschermittwoch verbotene Fleisch.

Christine Bauer, die jetzt im Seniorenzentrum wohnt, stammt aus Moers bei Duisburg. Bestätigend nickt sie, als Margareta Wittoch erzählt, dass im Rheinland am Karnevalssonntag Familien und Freunde mit Karren voller Essen und Getränke losziehen. Sie selber habe den rheinischen Karneval als Jugendliche mitgefeiert, erinnert sie sich lächelnd. Zusammen mit anderen Jugendlichen sei sie losgezogen.

Ein Traum für Narren

Staunend vernimmt der kleine Kreis, wie in Venedig im 18. Jahrhundert Karneval gefeiert wurde: Ein halbes Jahr dauerten die närrischen Tage, währenddessen viele Geschäfte ruhten.

»Das war richtig nett«, sagt Hildegard Puhalla am Ende der einstündigen Vorlesestunde: »Gar nicht langweilig.« Und Mitbewohnerin Anne Blust freut sich über die vielen Informationen. Vieles habe sie schon gehört, aber jetzt sei es ihr wieder in Erinnerung gerufen worden. Auch Arthur Binger, der einzige Mann in der Runde, ist zufrieden.

Zum Schluss singen sie alle »So ein Tag, so wunderschön wie heute«. Denn damit endet nicht nur in Mainz die große Prunksitzung, sondern auch im Eninger Seniorenzentrum diese Fasnetsveranstaltung der etwas anderen Art. Der Vorlesezirkel für Senioren wird von FEE derzeit ausschließlich für die Bewohner von »Frère Roger« angeboten und zwar einmal im Monat zu Themen wie »Frühlingserwachen«, »Österliche Bräuche« und »Freud und Leid der Mütter«. (GEA)



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