DRK-Bergwacht - Aus- und Fortbildung ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit. Zulauf bei der Jugend
Spektakulärer Einsatz am Steilhang
Von Magdalena Kablaoui
Ehrungen bei der DRK-Bergwachtbereitschaft Pfullingen (von links): Jochen Boley, Hans Heiss, Jochen Schmid, Staatssekretär Dieter Hillebrand und Erwin Angerbauer.
FOTO: Magdalena Kablaoui
PFULLINGEN. »Zu was braucht man hier eine Bergwacht?« Die Frage werde immer mal wieder gestellt, so der stellvertretende Bereitschaftsleiter der DRK-Bergwacht Pfullingen, Jochen Boley, in seinem Bericht. Beantwortet wird sie unter anderem auf der Jahresversammlung. Zu Wander-, Kletter-, Ski- und Rodelunfällen wurde die Bergwacht 2009 gerufen. Bereitschaftsleiter Erwin Angerbauer nannte dazu noch »ein paar besondere Einsätze«: So rettete die Pfullinger Bergwacht vor einem Jahr einen Eiskletterer, der in einer Schlucht in der Nähe von Pliezhausen von herabstürzendem Eis getroffen und schwer verletzt wurde.
Zu Hilfe gerufen wurden die Retter von der Bergwacht aber auch bei einem besonderen Autounfall, bei dem ein Pkw-Fahrer an der Ernsthütte mit seinem Auto zwischen den Bäumen hindurch einen Weg über den Steilhang nach Unterhausen suchte. Der Fahrer musste verletzt aus dem Steilhang geborgen werden.
In einem Steinbruch wurde ein wertvoller Bohrkopf, der in der Abbruchwand feststeckte, geborgen. Eine gestürzte Reiterin musste in einem Steilhang betreut werden, das Pferd wieder eingefangen und beruhigt werden.
Viele Dienststunden geleistet
Zu insgesamt zehn Einsätzen wurden die Männer der Bergwacht im Sommer gerufen, zu neun im Winter. Ein Vielfaches an Stunden musste dafür in die Aus- und Fortbildung investiert werden. Denn die Anforderungen an den Rettungsdienst steigen, vor allem - wie Dr. Siegfried Hahn deutlich machte - bei der Sanitätsausbildung.
Außerdem wurden Veranstaltungen wie Kletterkurse gemacht und die Bergwacht wirkte unter anderem an der Pfullinger Sportwoche und den Airgames mit. Im Winter werden zudem Skilifte und -rennen betreut, im Sommer Naturschutzmaßnahmen, heuer unter anderem die Errichtung von Trockenmauern am Georgenberg für den künftigen Weinanbau.
Insgesamt 11 460 Dienststunden leisteten die Mitglieder der Bergwacht im vergangenen Jahr, erklärte Fachreferent Bernd Mair.
Sorge macht Erwin Angerer die »seit Jahren langsam zurückgehende Zahl der Aktiven«. Derzeit sind 38 Mitglieder aktiv, 48 aus Alters- oder Zeitgründen inaktiv. Zusammen mit den fördernden Mitgliedern kommt die Bereitschaft auf 253 Mitglieder, von denen mehr als zwei Drittel männlich sind.
Einen »deutlichen Zuwachs« habe die Jugendgruppe bekommen, so Angerbauer. 13 Jungen und ein Mädchen absolvieren hier unter der Leitung von Stefan Wiesenfarth Kletterübungen und Ausbildungen.
Die Bergwacht erwirtschaftete 2009 ein Plus von 1 124 Euro, dazu kommen Einnahmen aus dem wirtschaftlichen Betrieb. Es stehe allerdings die Erneuerung der Heizung auf der Rettungsstation in Genkingen an, mahnte Angerbauer.
»Die Bergwacht hat eine besondere Funktion innerhalb des DRK«, betonte der DRK-Kreisvorsitzende, Staatssekretär Dieter Hillebrand, in seinem Grußwort. Sein Dank galt vor allem dem scheidenden Bereitschaftsleiter Erwin Angerbauer. (GEA)
DRK-Bergwacht verabschiedet Vorsitzenden Erwin Angerbauer
»Traurig und betroffen« mache die Amtsabgabe von Erwin Angerbauer, so Jochen Boley, stellvertretender Bereitschaftsleiter der DRK-Bergwacht Pfullingen. Wegen einer Erkrankung war Angerbauer kurz vor der Jahresversammlung von seinem Amt zurückgetreten. Einstimmig hatte sich daraufhin die Versammlung dafür ausgesprochen, dass die Bereitschaft vom bestehenden Ausschuss unter der Leitung von Jochen Boley bis zu den regulären Neuwahlen im Frühjahr 2011 weitergeführt wird.
Bei den Neuwahlen soll dann ein Generationenwechsel erfolgen, das hatten die Verantwortlichen bereits vor der Erkrankung Angerbauers beschlossen. Man sei dabei, eine junge, teilweise neue Mannschaft aufzubauen.
Boley dankte Angerbauer für die viele Zeit und die Ideale, die er als Bereitschaftsleiter eingebracht habe. Acht Jahre hat Angerbauer die Bereitschaft in Pfullingen geführt, vorher war er viele Jahre Technischer Leiter.
Zudem hat sich der 59-Jährige, der mit 14 Jahren zur Bergwacht stieß, als Landesausbilder verdient gemacht - ganze 24 Jahre lang.
Verändert habe sich in der Zeit seiner Tätigkeit der Verwaltungsaufwand, erzählt Angerbauer. Es gebe mehr Vorgaben, die zu beachten seien. Das Ehrenamt werde belastet durch Nebentätigkeiten, »die mit der eigentlichen Sache nichts zu tun haben«.
Als positiv empfunden hat er die Kameradschaft in der Bergwacht, das Bergerlebnis und die Erfahrung, Leuten in Not zu helfen.
»Die Bergwacht in Pfullingen ist relativ gut aufgestellt«, blickt der langjährige Bereitschaftsleiter bei seinem Weggang zufrieden zurück. Als »tolles Erlebnis« ist ihm der Kurden-Einsatz 1991 in Erinnerung, als er mit vier weiteren Bergwachtmännern aus Pfullingen im bergigen Grenzgebiet zwischen der Türkei und dem Irak den Menschen dort helfen konnte.
»Die Arbeit bei der Bergwacht ist interessant und vielfältig«, wirbt Angerbauer um Nachwuchs. Sie umfasse beispielsweise auch den Bereich Naturschutz. (kab)