Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Garten - Thomas Heid bietet vielen Tieren und Pflanzen auf seinem Gütle zwischen Pfullingen und Unterhausen einen Lebensraum. Reiche und vielfältige Ernte

Schönheit und Nutzen

Von Magdalena Kablaoui

PFULLINGEN. Die Sonne scheint auf den von vielen verschiedenen Pflanzen umgebenen Naturteich. Insekten, Wasser- und Grasfrösche, Kröten und Molche tummeln sich hier. Und wenn man Glück hat, sieht man, wie sich auf den Seerosenblättern eine Ringelnatter in der Mittagssonne räkelt.

Thomas Heid schafft für die Natur und die lohnt mit einer wahren Blütenpracht die Anstrengungen. FOTO: KABLAOUI
Thomas Heid schafft für die Natur und die lohnt mit einer wahren Blütenpracht die Anstrengungen. FOTO: Magdalena Kablaoui
Ein kleines Paradies hat Thomas Heid (53) für sich und seine Familie in dem zehn Ar großem Gütle zwischen Pfullingen und Unterhausen geschaffen. Mit dem Naturteich, einem Beeren- und Gemüsegarten, einer Spalierobstanlage und einem Wildbienenhotel. Daneben gibt es auf dem Hanggrundstück noch Platz für die Hütte, einen Grillplatz, viel Rasen, ein Wildblumenbeet, Bäume und Hecken.

Ein Gütle also, in dem sich Menschen und Tiere wohlfühlen und Pflanzen gedeihen. Das sich für Naturbeobachtungen genauso eignet wie zum Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern.

»Das Teichleben fasziniert mich«, erklärt der Werbefachwirt Heid, der auch eine Ausbildung zum Fachwart für Obst und Garten absolviert hat und sich bei der Grünflächenberatung des Landratsamts Reutlingen in Sachen Streuobstpflege engagiert.

Ringelnatter aufgetaucht

Eins seiner ersten Projekte nach dem Kauf des damals brachliegenden Gartengrundstücks vor acht Jahren war deshalb die Anlage eines Naturteichs. Die meist einheimischen Pflanzen wie Sumpfdotterblume, Krebsschere, Teich-Schachtelhalm, See- und Teichrose, die er in und um den Teich setzte, sollten einerseits relativ unberührt bleiben, andererseits muss er darauf achten, dass der Teich nicht zu stark verkrautet und komplett zuwächst. Wie gut ihm das gelungen ist, zeigt nicht nur die hier vorhandene Artenvielfalt, sondern auch, dass sich vor einem Jahr die sonst sehr scheue Ringelnatter hier angesiedelt hat. Sie zählt in Deutschland zu den gefährdeten Tierarten und ist deshalb geschützt. Um den Teich herum hat Heid außerdem Blindschleichen und Zauneidechsen beobachten können.

Faszinierend findet der Werbefachwirt, der jeden zweiten Tag nach der Arbeit in seinem Gütle schafft, auch die Kraft, die in einem Baum steckt, »zu was er in der Lage ist«. Die Spalierobstanlage war für den Fachwart für Obst und Garten deshalb eins seiner nächsten Gartenprojekte. 20 Birnen-, Mirabellen- und Apfelbäume stehen hier auf knapp 30 Quadratmeter. Platzsparend und deshalb auch für kleine Gärten geeignet. Der Trick sind schwach wachsende Unterlagen, die am Spalier gezogen werden. Die Bäume sind in der Regel stark im Ertrag, der schon nach zwei bis drei Jahren geerntet werden kann, während die normalen Hochbäume erst nach sechs, sieben Jahren tragen.

Baumscheiben freihalten

Auch der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen, vor allem ist für die Arbeit keine Leiter nötig. »Für den kleineren Garten am Haus gibt es nichts Besseres als diese Baumform«, findet Heid. Man solle die Bäume jedoch im guten Fachgeschäft kaufen und darauf achten, dass sie gegen Schädlinge und Pilze weitgehend resistent sind. Heid selbst setzt durchaus auch schon mal Pflanzenschutzmittel ein, mahnt aber, richtig zu dosieren: »Die Menge macht's.«

Neben der Obstanlage liegt der Rasen und mittendrin die Wildblumenwiese. Der Rasen ist zurzeit gemäht, im Frühjahr hat ihn Heid wegen der Insekten und Wildbienen auch mal länger gelassen. Das habe jedoch auch Nachteile, so der Gartenexperte und verweist auf die Wühlmäuse in seinem Garten, die bereits einige Wurzeln von Obstbäumen total abgenagt haben. Wühlmäuse bevorzugen nicht gemähte Wiesen, die ihnen gute Deckung beispielsweise vor Raubvögeln bieten. Für den Obstanbau sei es wichtig, die Baumscheiben frei zu halten und das Gras kurz zu schneiden, erklärt Heid. Sonst sei der Wühlmausbefall vorprogrammiert.

Heimisches bevorzugt

Haselnuss, Sanddorn, Weißdorn, Liguster, Hechtrose, Hundsrose, Hartriegelgewächse - für den »lebendigen Zaun«, den der Pfullinger um Teile seines Gartens gepflanzt hat, bevorzugt er heimische Gehölze. Auch für die Wildblumenwiese hat er die Samen heimischer Blumen genommen. Die Wiese steht direkt vor dem Wildbienenhaus, dem neuesten Projekt im Heidschen Garten.

»Die Wildbienen können von dort aus gleich weiter zum Spalierobst fliegen«, erklärt Heid. Das nach Süden ausgerichtete »Wildbienenhotel« hat er mit einem überhängenden Dach versehen, das Schutz vor Regen bietet. Als Unterschlupf für die solitär lebenden Wildbienen boten sich Äste und Stämme an, in die er Löcher bohrte. Rund 500 Wildbienenarten gibt es in Baden-Württemberg. Viele seien vom Aussterben bedroht und dabei doch so wichtig für die Befruchtung. Einige dieser Arten brauchen kleine Löcher, andere große. Sie bevorzugen je nach Art Holz, Steine oder Lehm. Deshalb hat Thomas Heid auch Ziegelsteine, Bambusröhren und Lehm mit Löchern und Schneckenhäusern verbaut.

Leckerer Saft

Der 53-Jährige verwertet sein Obst und Gemüse selbst. Die Äpfel beispielsweise presst er selbst, pasteurisiert den Saft bei etwa 80 Grad und hat »leckeren eigenen Apfelsaft«. »Es ist ein Riesenaufwand«, meint er. Beim Discounter bekomme man das Obst billiger. Für ihn ist es jedoch wichtig zu wissen, woher das Obst kommt. Deshalb bedauert er auch den Rückgang der Streuobstwiesen, für deren Erhalt und Pflege er sich mit seinem Fachwissen einsetzt. (GEA)


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