Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Scheibengipfeltunnel - Die Bürgermeister aus Pfullingen, Eningen und Lichtenstein über die Folgen der Öffnung

Scheibengipfeltunnel: Tempo rauf! Tempo runter!

VON UNSEREN REDAKTIONSMITGLIEDERN

LICHTENSTEIN/ENINGEN/PFULLINGEN. Noch eine Woche und der Verkehr rollt durch den Scheibengipfeltunnel. Was ändert sich dadurch in den Nachbarkommunen Reutlingens? Welche Chancen sehen die Bürgermeister aus Eningen, Lichtenstein und Pfullingen für ihr Gemeinwesen? Welche negativen Entwicklungen erwarten sie? Darüber geben sie in einer GEA-Umfrage Auskunft.

Nimmt der Verkehr nach der Tunnelöffnung  weiter zu, könnte die Tempo-30-Regelung in Unterhausen tagsüber ausgeweitet werden.
Nimmt der Verkehr nach der Tunnelöffnung weiter zu, könnte die Tempo-30-Regelung in Unterhausen tagsüber ausgeweitet werden. FOTO: Uwe Sautter
»Die Eninger und auch das Rathaus erhoffen sich eine spürbare Verringerung des Durchgangsverkehrs. Wir sind gespannt und haben Hoffnungen, dass sich da etwas verbessert«, so Bürgermeister Alexander Schweizer. »Die Eninger freuen sich über jede Erleichterung.« Er geht davon aus, dass es eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität bedeutet, wenn das von ihm Erhoffte eintreten wird. Allerdings, so räumt er ein, es gibt auch Stimmen, die glauben, es werde sich nicht viel ändern; aber das sei bisher reine Kaffeesatzleserei, jedenfalls habe man da eine große Hoffnung.

Weil auf diesen Termin gewartet wurde, habe die Gemeinde eine Reihe von Maßnahmen geschoben auf die Zeit nach der Eröffnung des Tunnels - so etwa Sanierungen an der Ortsdurchfahrt, die zu starken Behinderungen führen werden. Auch da hofft Schweizer, dass das dann nicht mehr so schlimm wird.

Durchfahrtsverbot für Lastwagen

Schließlich, wenn es tatsächlich weniger Verkehr gibt, dann könne vielleicht auch die Tempo-30-Regelung auf der Ortsdurchfahrt aufgehoben werden, eine Rückkehr zur Normalität. Denn dies sei ja eine reine Maßnahme zum Lärmschutz.

Immerhin, man sei mit dem Regierungspräsidium Tübingen im Gespräch, um abzuklären, ob ein Durchfahrtsverbot Eningens für Lastwagen erreicht werden könnte. Auch da ist Schweizer guter Hoffnung, das letzte Wort sei da noch nicht gesprochen.

Von einem Durchfahrtsverbot für Lastwagen können die Lichtensteiner nur träumen. Gleichwohl gratuliert deren Bürgermeister Peter Nußbaum den Reutlingern zur Fertigstellung des Tunnels. »Ich hoffe, das führt zu einer Entzerrung des Verkehrs und zu einer Verbesserung für die Pendler, zumindest am Morgen.«

Damit ist der Lichtensteiner Bürgermeister aber auch schon am Ende des Positiven angelangt, wie er betont. Die Gemeinde gehe von einer Änderung der Verkehrsströme und einer Zunahme von Fahrzeugen auf der B 312 durch Lichtenstein aus. Und damit auch von einer stärkeren Belastung der direkten Anlieger und aller Bürger.

Das heißt für ihn, die Ortsdurchfahrt wird weiter das »ausbremsende Nadelöhr« im Verlauf der Bundesstraße bleiben. Dieses Nadelöhr werde nicht nur zementiert, sondern noch mehr verengt, befürchtet Nußbaum. Das habe womöglich Konsequenzen. So sei die Gemeinde zum einen zur Fortschreibung des Lärmaktionsplans angehalten. Eine Folge könnte sein, dass bei steigendem Verkehrsaufkommen auch im südlichen Teil von Unterhausen tagsüber Tempo 30 gelten müsste. Bereits jetzt gebe es im Feierabendverkehr einen Stau im Tunnel.

Außerdem messe die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) in diesem Jahr die Stickstoffdioxid-Belastung in der Wilhelmstraße. Die Gemeinde habe die Landesanstalt gebeten, diese Messungen auch 2018 fortzusetzen, um eventuelle Veränderungen nach Öffnung des Scheibengipfeltunnels sicher zu erfassen. Das habe die LUBW in Absprache mit dem Verkehrsministerium jetzt zugesagt. Dass die Anstalt einen Grund sieht, die Messungen zu verlängern, ist für den Bürgermeister allein schon ein Signal. Der Schwerlastverkehr in der Gemeinde nimmt stetig zu und damit auch der Stickstoffdioxid-Ausstoß, der vor allem bei der Verbrennung in Dieselmotoren entsteht. Letztlich könnte es sein, dass die Gemeinde bei einer steigenden Belastung einen Luftreinhalteplan aufstellen müsse. Dieser könnte sich ebenfalls auf den Verkehrsfluss auswirken.

Aufzuhalten sei der Verkehrsstrom von der Gemeinde nicht, eine Lösung könne nur der zügige Neubau des Albaufstiegs bringen. Nußbaum setzt darauf, dass das Regierungspräsidium und das Land der neuen Situation Rechnung tragen und am Thema dranbleiben.

Kein Gespräch

Auch mit Pfullingens Bürgermeister Michael Schrenk wollte die GEA-Redaktion über mögliche Chancen und Risiken für die Stadt nach der Öffnung des Scheibengipfeltunnels reden. Wollte etwa wissen, ob die neue Verkehrsführung Auswirkungen auf die Stadtplanung hat? Welche Chancen für eine Entwicklung der Gewerbeflächen im Bereich des Südbahnhofs sich durch die bessere Anbindung an Stuttgart und die Autobahnen ergeben? Oder ob zu befürchten stehe, dass die Stadt jetzt im Verkehrsschatten der B 312 liegt, und die Pendler an Pfullingen in Zukunft öfters vorbeifahren.

Dieses Gespräch wollte Pfullingens Bürgermeister nicht führen. Stattdessen ließ er der Redaktion folgende Zeilen schriftlich zukommen: »Vom Scheibengipfeltunnel erhoffe ich mir eine Verbesserung der Verkehrssituation in unserer Region und eine deutliche Entlastung der Ortsdurchfahrt Reutlingen vom starken Durchgangsverkehr. Der neue Tunnel ist ein wichtiger Baustein auf der Entwicklungsachse Stuttgart - Reutlingen - Schwäbische Alb, was aufzeigt, dass auch noch weitere Bausteine wie beispielsweise der Albaufstieg folgen sollten. Die Fertigstellung des Tunnels zeigt der Bevölkerung, dass der Politik die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in unserer Region wichtig ist.« (GEA)

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms
Mitarbeiter gesucht!
  • Stellenanzeigen werden geladen...


Steinmeier appelliert an Parteien: Verantwortung übernehmen

Angela Merkel, Horst Seehofer und weitere Unionspolitiker treten nach Abbruch der Sondierungen in Berlin vor die Presse. Foto: Bernd von Jutrczenka

Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinm... mehr»

US-Sektenführer und Mörder Charles Manson gestorben

Charles Manson wurde 83 Jahre alt. Foto: California Department of Corrections and Rehabilitation

Los Angeles (dpa) - Der frühere Sektenführer und v... mehr»

Jugendhelfer räumen Fehler im Mordfall um Hussein K. ein

Der Angeklagte Hussein K. im Freiburger Landgericht: Ihm werden in dem seit September laufenden Prozess Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Foto: Patrick Seeger

Freiburg (dpa) - Jugendhelfer haben Fehler bei der... mehr»

Vater ermordete Baby: Neuer Prozess gegen Mutter

Das Landgericht Mönchengladbach rollt den Prozess gegen die Mutter eines ermordeten Säuglings neu auf. Foto: Roland Weihrauch

Mönchengladbach (dpa) - Der Vater hat den Säugling... mehr»

Trump: Nordkorea kommt zurück auf Terrorliste

US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus in Washington. Foto: Evan Vucci

Washington (dpa) - Die USA setzen Nordkorea wieder... mehr»

Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Aktuelle Beilagen