Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Leute - Die Pfullingerin Helga Pech ist leidenschaftliche Weltenbummlerin und hat Wüsten auf vier Kontinenten erkundet

Pfullinger Weltenbummlerin erzählt von ihren Reisen

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Sie liebt ihre Heimatstadt, ist aber dennoch eine Weltenbummlerin: Helga Pech ist ihr Leben lang gern gereist und wird das auch weiterhin tun, solange es geht. In zwei Wochen bricht die 72-Jährige auf, um Neuseeland zu erkunden.

n der marokkanischen Sahara ist Helga Pech mit einer Reisegruppe auf Kamelen unterwegs gewesen und hat die Lastenträger in den Fokus genommen. FOTO: PRIVAT
n der marokkanischen Sahara ist Helga Pech mit einer Reisegruppe auf Kamelen unterwegs gewesen und hat die Lastenträger in den Fokus genommen. FOTO: PRIVAT
Im Oktober will sie auf einer Flussdampferfahrt auf dem Mekong das Flair Südostasiens genießen. Ihre Leidenschaft gilt aber eigentlich eher trockeneren Gefilden: Seit ihrem ersten Besuch in Tunesien im Jahr 1974 ist sie fasziniert von der Wüste. Seither hat sie etliche Wüsten auf verschiedenen Kontinenten bereist, oft auf dem Rücken eines Kamels, manchmal zu Fuß oder mit dem Auto. Ihr Eindrücke aus den »wüsten Gegenden« dieser Welt wird sie am kommenden Donnerstag in einem Bildervortrag schildern.
»Wir haben uns damals einen Traum verwirklicht«
 

In den Weihnachtsferien 1974 sind Hans und Helga Pech zum ersten Mal mit ihrem VW-Käfer nach Tunesien gefahren. Eine Woche hatten sie Zeit, um durch das nordafrikanische Land zu touren. Das reichte ihnen, um bis in den Süden zu fahren, wo es kaum noch Siedlungen, dafür aber jede Menge karge Steppe und schließlich Wüste gibt. »Damals hat mir diese Begegnung mit der absoluten Einsamkeit und Stille noch Unbehagen bereitet«, erinnert sich Helga Pech.

Was das Ehepaar aber nicht davon abhielt, zwei Jahre später erneut durch Tunesien nach Algerien zu fahren und die nördlichen Sahara-Regionen anzusteuern. »Da war dann schon unsere damals eineinhalbjährige Tochter Bärbel dabei«, erzählt die Pfullingerin, »für sie waren die riesigen Sanddünen einfach toll.«

Eine große Sahara-Querung sollte es dann 1978 werden, als die Pechs ohne Kinder, aber mit einem befreundeten Ehepaar in zwei VW-Bussen nach Nordafrika aufbrachen. Reisezeitraum waren wieder die Winterferien, denn Helga Pech war Lehrerin von Beruf. »Sandbleche hatten wir dabei«, sagt sie rückblickend, »aber wir merkten bald, dass unsere Fahrzeuge für den Wüstentrip nicht geeignet waren.«

Der Bulli wurde bald durch einen etwas größeren Mercedes-Bus ersetzt, der Platz für die ganze damals vierköpfige Familie bot. »Wir haben uns dann einen Traum verwirklicht«, erzählt Helga Pech, »und waren auf der Panamericana zehn Monate lang durch Südamerika unterwegs.« Der Pfullinger Hausstand wurde vorher aufgelöst, die Möbel untergestellt, Kleidung, Ausrüstung und jede Menge Kinderwindeln in den Transporter gepackt, der dann nach Buenos Aires verschifft wurde.

Von dort starteten die Pechs zunächst Richtung Süden, tourten durch Chile, wo die Atacama-Wüste auf dem Weg nach Norden lag. »Das ist meiner Ansicht nach die menschenfeindlichste Wüste überhaupt«, sagt Helga Pech. Und das nicht nur wegen der extremen Trockenheit dort. Geschockt war sie, dort mitten im Niemandsland auf Friedhöfe zu treffen, mit Kreuzen dicht an dicht. »Dort liegen Tausende Menschen begraben, die früher in den chilenischen Salpeterminen gearbeitet haben«, berichtet sie. Das extreme Wüstenklima, aber auch die Ausbeutung durch gnadenlose Minenbesitzer hatten sie dahingerafft.
»In der Wüste führt man ein sehr reduziertes Leben«
 

Durch Peru und die endlose Savanne des Gran Chaco (»Eine schwierige Strecke!«) reiste die Familie weiter nach Paraguay, durch Brasilien und zurück nach Argentinien, wo es von Buenos Aires aus dann wieder zurück in die Heimat ging. »Viele haben uns damals für verrückt erklärt«, betont die 72-Jährige. Doch in ihrer Erinnerung bleibt diese Reise ein gelungenes Abenteuer: »Diese Eindrücke kann mir niemand mehr nehmen!«

Gereist sind die Pechs so oft es möglich war. »Das waren nicht immer so große Touren«, sagt sie. Auch in Deutschland waren sie – dann mit drei Kindern, später wieder als Paar – mit dem Campingbus viel unterwegs. Viel Zeit verbrachte die Familie auch auf einem umgebauten Fischkutter, mit dem sie das griechische Mittelmeer und die Adria erkundete.

Seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes vor neun Jahren schließt sich Helga Pech gern Reisegruppen an, denn in die Ferne zieht es sie weiterhin. Seither waren Wüsten wieder ihr bevorzugtes Ziel. Die trockensten Gegenden auf allen Kontinenten hat sie inzwischen besucht: Helga Pech war schon in der Namib in Südafrika und Namibia, sie hat die Sahara von Marokko und Algerien aus bereist und die weiße Wüste in Ägypten mit ihren bizarren Erosions-Skulpturen besucht. Sie war auf dem Sinai, im Wadi Rum in Jordanien und im Oman. Sie tourte auf dem Kamelrücken durch die Wüste Gobi in der Mongolei und ist quer durch die Gibson Desert in Zentralaustralien gefahren. »Meistens wurde dann im Zelt übernachtet«, gelegentlich schlief sie auch unter dem freien Sternenhimmel, was in Wüstengegenden ein ganz besonderes Erlebnis ist.

»Wenn man in der Wüste unterwegs ist, führt man ein sehr reduziertes Leben: essen, schlafen, unterwegs sein«, berichtet Helga Pech. »Man lebt in Stille und Bedächtigkeit und wird dadurch ganz auf sich selbst zurückgeführt«, versucht sie ihr persönliches Erleben zu beschreiben. Manche Reisende könnten diese Art von »ausgesetzt sein« nicht gut aushalten. Für sie selbst sei das aber wie eine Offenbarung: »Das Wahrnehmungsvermögen wird geschärft, man nimmt alles um sich herum ganz anders wahr«, schwärmt sie.

Ihre jüngste Wüstenreise führte die Pfullingerin im November 2015 in die Wüsten Kavir und Lut im Iran. Doch das soll noch nicht ihr letztes Erlebnis dieser Art gewesen sein. Wüste macht süchtig: »Nach so einer Tour komme ich stets ganz erfüllt wieder zurück!«

Wüstenwanderin

Eine Präsentation mit dem Titel »Wüstenwanderungen« zeigt Helga Pech am Donnerstag, 9. Februar, um 20 Uhr im Keller des Restaurants »Klostergarten«. Sie berichtet anhand von Bildern aus verschiedenen Wüsten, wie zum Beispiel der Atacama, Gobi und der Gibson Desert. Der Eintritt ist frei. (GEA)

Stilecht hat sich Helga Pech  mit einem selbst geschlungenen  Turban vor der Sonne  geschützt. FOTO: PRIVAT
Stilecht hat sich Helga Pech mit einem selbst geschlungenen Turban vor der Sonne geschützt. FOTO: PRIVAT

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