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Martinskirche - Sanierung beginnt im Frühsommer. 1,5 Millionen Euro kosten die in drei Teile gegliederten Arbeiten

Pfullinger Martinskirche wird für 1,5 Millionen Euro saniert

PFULLINGEN. Eigentlich steht sie ganz ordentlich da. Pfullingens Martinskirche ist in einem ihrem Alter entsprechenden guten Zustand, sagt Architekt und Kirchengemeinderat Eberhard Wurst. Gleichwohl muss die Kirchengemeinde 1,5 Millionen Euro in die Hand nehmen, um das zentrumsprägende Gebäude auf Vordermann zu bringen. Im Frühsommer beginnen die sich über mehrere Jahre hinziehenden Arbeiten mit der Sanierung des Turms.

Architekt Eberhard Wurst, Pfarrer Hans-Martin Fetzer und Kirchenpfleger Gunter Haux (von links)  vor dem sanierungsbedürftigen Turm der Martinskirche.
Architekt Eberhard Wurst, Pfarrer Hans-Martin Fetzer und Kirchenpfleger Gunter Haux (von links) vor dem sanierungsbedürftigen Turm der Martinskirche. FOTO: Uwe Sautter
Kein Eigentümer ist glücklich, wenn er für seine Immobilie Geld in die Hand nehmen muss. Vor allem dann nicht, wenn er seine Rücklagen gerne in ein anderes Projekt gesteckt hätte. Ein bisschen so geht es auch der evangelischen Kirchengemeinde. Denn eigentlich müsste dringend das Innere der Martinskirche auf Vordermann gebracht - Raum und Möglichkeiten für einen modernen Gottesdienst geschaffen werden. Doch die Arbeiten am Turm dulden keinen Ausschub. Das ist das Ergebnis einer Voruntersuchung, die im Herbst 2016 begann.

An vier Stellen hatten die Sachverständigen damals ein Gerüst aufgebaut, um die Fassade mit den Naturwerksteinen und die Verglasungen zu untersuchen. Parallel dazu wurde die Kirche vermessen, wurden Pläne gezeichnet, denn weder beim Landesdenkmalamt noch bei der Kirche gab es entsprechende Unterlagen. In das Gebäudeaufmaß haben dann die Spezialisten ihre Befunde eingetragen. Und dabei kam der Turm am schlechtesten Weg. Zum einen ist sein Dachstuhl durch Schädlinge und Pilzbefall stark in Mitleidenschaft gezogen. An einigen Stellen dringt Wasser ein. Deshalb muss er rasch saniert worden.

Glockenstuhl vibriert

Dabei wird auch der Glockenstuhl überarbeitet. Denn die Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass bei seiner letzten Sanierung in den 80er-Jahren, zumindest aus heutiger Sicht, Fehler gemacht wurden. So wurden etwa Stahlplatten eingesetzt, wo es besser gewesen wäre, nach alter Handwerkstradition zu arbeiten. Die Folge: Der Glockenstuhl vibriert stärker als es sein müsste, und dadurch wird die Statik des Turms beeinträchtigt.

Zweiter Schwerpunkt der Sanierung werden die Arbeiten im Kirchenschiff sein. Dabei müssen teilweise die historischen Zinkrauten, mit denen das Schiff eingedeckt ist, ersetzt werden. Wesentlich besser erhalten ist die Kupfereindeckung des Chors. Im Bereich des Traufs ist aber an einigen Stellen Wasser eingetreten. Die Holzkonstruktion dort soll in einem dritten Abschnitt saniert werden.

Zudem sind die Sandsteine, etwa an den Fensterlaibungen, zum Teil verwittert oder Teile platzen ab. Sie sollen ausgebessert werden. Dabei werden korrodierte Metallteile entfernt und ältere zementhaltige Mörtelfugen ersetzt. Außerdem müssen an vielen Stellen die Anschlüsse an die Rahmen der Fenster erneuert werden.

»Das sind handwerklich anspruchsvolle Arbeiten«, so Wurst, die nicht von heute auf morgen erledigt werden könnten. Der Architekt will dann auch mit der Turmsanierung so bald als möglich starten, um sicher 2018 fertig zu werden. »Wenn wir das große Gerüst am Turm über den Winter stehen lassen müssen, wäre das sowohl für das Gebäude als auch für die Kasse der Kirchengemeinde nicht gut.« Mit bis zu 40 Prozent fördert die Landeskirche die Sanierungen. Ob wirklich so viel Geld fließen wird, ist allerdings noch offen - die Entscheidung über die Höhe des Zuschusses ist noch nicht definitiv gefallen.

Spenden willkommen

Optimistisch blicken Pfullingens Kirchenpfleger Gunter Haux und Pfarrer Hans-Martin Fetzer aufs gegenüberliegende Rathaus. Denn die bürgerlichen Gemeinden müssen sich nach einem 130 Jahre alten Gesetz an der Sanierung der Kirchtürme beteiligen, und das mit bis zu 50 Prozent. Bei geschätzten Kosten von rund 500 000 Euro ein gewichtiger Beitrag. Allerdings kommen die Haushaltsberatungen der Stadt momentan nicht vom Fleck, und so kann die evangelische Kirche den Betrag noch nicht einbuchen.

Egal wie viel Zuschuss fließt - eine stattliche Summe soll auch vom Landesdenkmalamt kommen -, die Kirchengemeinde ist auf Spenden angewiesen, um die Sanierung stemmen zu können. Wie diese generiert werden könnten, damit beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe. Schon in den vergangenen Jahren hätten Vereine und Privatpersonen gespendet, betont Fetzer. Wer die Sanierung unterstützen möchte, kann einen Betrag unter dem Verwendungszweck Sanierung Martinskirche auf das Konto der Kirchenpflege bei der Kreissparkasse Reutlingen (IBAN: DE54 6405 0000 0000 6007 23) überweisen. (GEA)

Geschichte der Martinskirche

Bei der Renovierung der Martinskirche 1962 wurden im Zuge von Arbeiten am Fundament ältere Baufragmente entdeckt, die darauf hinwiesen, dass schon vor der bis dahin auf das Jahr 1463 datierten Fertigstellung der im gotischen Stil gebauten Kirche ein anderes Kirchengebäude stand. Die archäologischen Grabungen und Untersuchungen ergaben, dass bereits um 620 an der Stelle der heutigen Martinskirche eine frühchristliche Holzkirche stand. Um 760 wurde sie durch eine karolingische Steinkirche ersetzt und etwa 930 als frühromanische Kirche mit kreuzförmigem Grundriss umgebaut. Die dreischiffige staufische Säulenbasilika wurde im Jahr 1150 errichtet. Der spätgotische Chor entstand 1463. Das Langhaus wurde 1579 modernisiert und das barocke obere Turmgeschoss mit achtseitigem Spitzhelm 1773 aufgesetzt. 1982 fand eine weitere Renovierung statt. (GEA)

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