Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Kleinkunst - 950 begeisterte Besucher bei der fünften Pfullinger Kellernacht. Großes Lob für Organisatoren

Pfullinger Kellernacht: »Da musst du hin!«

Von Magdalena Kablaoui

PFULLINGEN. »Der Hammer, was hier auf die Beine gestellt wird. So tolle Künstler! Wir sind komplett begeistert.« Mariana und Andreas Schulze stehen im Vorkeller unter dem VHS-Gebäude. Hinter einem Filzvorhang liegt der Gewölbekeller und dort singt Alona. Hineingekommen sind sie nicht mehr, aber die Künstlerin ist an ihnen vorbei gehuscht, nun lauschen sie der sanften Stimme und genießen hochzufrieden das Konzert. »Wir sind trotzdem gut gelaunt«, bringt es Andreas Schulze auf den Punkt.

Tolle Darbietungen, begeisterte Zuschauer: Die A-capella-Gruppe »Vorlaut«
Tolle Darbietungen, begeisterte Zuschauer: Die A-capella-Gruppe »Vorlaut« FOTO: Magdalena Kablaoui
Ihr Ziel, drei bestimmte Vorführungen anzusehen, konnten sie bis zur Halbzeit nicht verwirklichen. Dafür waren sie bei ganz anderen Keller-Events gelandet, so zum Beispiel beim Improvisationstheater Q-rage. Niemals hätte sie sich das ausgesucht, sagt Mariana Schulze, jetzt findet sie Improvisationstheater »genial«. Auch die Organisation lobt sie in den höchsten Tönen, vor allem die »netten Leute« von der Initiative für ein Kulturhaus (i’kuh), die am Eingang den Besucherstrom regeln.

Für eine zauberhafte Atmosphäre auf dem Marktplatz hatten die Lichtkünstler vom Tübinger »Leuchtwerk« bereits zur Eröffnung der Kellernacht gesorgt. Mit sieben farbenfrohen Motiven überzogen sie die Fassade der Martinskirche, ähnlich wie schon vor zwei Jahren. Das Programm jedoch sei ein komplett neues, betont der i’kuh-Vorsitzende Sieger Maier, der mit vielen Helfern und der finanziellen Unterstützung von Stadt und Kreissparkasse das alle zwei Jahre stattfindende Event auf die Beine stellt.

Für so eine Kellernacht habe Pfullingen genau die richtige Größe, betont Maier. 950 Plätze gab es heuer in zwölf städtischen und privaten Gewölbekellern, die für das Kleinkunst-Ereignis, das mittlerweile Kultstatus hat, ihre Türen öffneten. Die Karten dafür waren schnell ausverkauft.

Auch die Künstler kommen nicht primär wegen der Gage, auch wenn i’kuh darauf achtet, dass sie »ein ordentliches Honorar« bekommen. »Eine spannende Atmosphäre, schummrige Beleuchtung und leicht gruselig«, so empfindet es Achim Nörz, Mitglied der Württembergischen Philharmonie Reutlingen und Schlagzeuger beim Peter-Hermann-Trio, das im Keller Schneider in der Kirchstraße Jazz-Kompositionen spielt. »Aber eine überraschend gute Akustik.«

Jedes Programm fünfmal

»Schön, gemütlich, klein und direkt am Publikum, einfach super«, beschreibt Moritz Dröse von der A-cappella-Gruppe »Vorlaut« das Kellerflair. Die gefühlvollen, witzigen und frechen Songs kamen beim Publikum bestens an. »Die singen echt gut und sind superlustig«, freut sich eine junge Frau beim Hinausgehen.

Alle Künstler legen sich bei der Kellernacht für ihr jeweils knapp dreißigminütiges Programm, das fünfmal wiederholt wird, mächtig ins Zeug. Und das Publikum honoriert das. »Umwerfend gut« und »herzhaft gelacht«, heißt es etwa beim Musikclown Jochen Falck im tiefen Keller unter der Klosterkirche. »Genial, wahnsinnig und einfach nicht erklärbar«, so die verblüffte Angela Gräf über die Fähigkeiten des Mentalmagiers Andy Häussler.

Genau diese tolle Stimmung sei dafür verantwortlich, dass die Kellernacht allen unheimlich viel Spaß mache, erklärt Kellerbesitzerin Helga Pech. »Die Leute sind gut drauf, begegnen sich auf den Straßen und empfehlen einander die Spielstätten: ›Da musst du hin!‹«

Gegen zwölf Uhr enden überall die Programme. Peter Goller spielt im leider etwas feuchten Keller unter dem Pavillon im Klostergarten zum letzten Mal seinen Soundtrack zu Buster Keaton, Julian Kehrer lässt im Pfarrkeller den letzten Gitarrenakkord ausklingen und endlich wissen alle Besucher, was es mit den sieben Schwaben, die Stefan Österle von Dein Theater gibt, auf sich hat. Heiner Kondschak wünscht nach dem letzten Lied eine gute Nacht, während Ralph Mürle vom Figurentheater Pforzheim um eine Zugabe nicht herumkommt. Gelegenheit, sich über die vielfältigen Eindrücke dieser Nacht auszutauschen, gibt es anschließend im Keller Reik und im Klosterkeller, wo die Maddis’son Brassband mit einem ungewöhnlichen Mix aus Jazz, fernöstlichem Sound und funky beats begeistert. (GEA)

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