Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Kulturinitiative - Neue Vereinsstruktur: Arbeitsgruppen kümmern sich um Projekte. Pfullinger Kellernacht liegt vorerst auf Eis

Pfullinger i'kuh motiviert in die Kultur-Zukunft

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Viele Ideen, neue Veranstaltungsformate, wachsende Mitgliederzahlen: Auch wenn das Hauptanliegen des Vereins derzeit nicht so recht vorankommt, blickt die Pfullinger Initiative für ein Kulturhaus (i'kuh) motiviert in die Zukunft. »Wir haben uns strukturell neu aufgestellt, was sich sehr positiv auswirkt«, berichtet der Vorsitzende Sieger Maier. Zwar wird es in diesem Jahr keine Kellernacht geben, dafür aber ein breit angelegtes Veranstaltungsprogramm mit bewährten, aber auch ganz neuen Angeboten.

Die Pfullinger Initiative für ein Kulturhaus (i?kuh) hat sich eine neue Struktur gegeben. Arbeitsgruppen sind jetzt eigenverantwortlich zuständig für die Aktionen des Vereins, zum Beispiel für den i?kuh-Klassiker »Kunst im Klosterkeller«
Die Pfullinger Initiative für ein Kulturhaus (i’kuh) hat sich eine neue Struktur gegeben. Arbeitsgruppen sind jetzt eigenverantwortlich zuständig für die Aktionen des Vereins, zum Beispiel für den i’kuh-Klassiker »Kunst im Klosterkeller«. FOTO: Magdalena Kablaoui
Als Ende 2014 der Entwurf des Pfullinger Architekten Thomas Bamberg für die Fluchttreppe an der Klosterkirche inklusive Erweiterungsbau als Sieger aus einem Planungswettbewerb hervorging, löste das bei der Kulturhaus-Initiative doch so etwas wie Euphorie aus. »Dem Ziel so nah wie nie« wähnte sich der Verein vor zwei Jahren anlässlich seines 20-jährigen Bestehens. Doch bald folgte »eine Durststrecke«, wie Maier es formuliert. Das Spardiktat der Stadt ließ die Hoffnung, das Kulturhaus könnte in absehbarer Zeit verwirklicht werden, drastisch sinken. »Das Jahr 2015 war bei uns geprägt, von der teils ermüdenden Diskussion um die Frage: Klappt es mit dem Kulturhaus oder nicht«, erklärt Albert Mollenkopf.
»I'kuh ist viel mehr als nur der Kampf ums Kulturhaus«
 

Für zusätzliche Frustration bei den aktiven Mitgliedern sorgte die Kellernacht 2015. Zum einen, weil die Vorbereitung ein personeller Kraftakt war; zum anderen, weil die beliebte Veranstaltung kurz vor dem angekündigten Termin beinahe noch geplatzt wäre. »Die Stadt zog sehr spät die Brandschutzbremse«, betont Mollenkopf. »Wir waren es gewohnt, auf der Basis gegenseitigen Vertrauens mit der Stadt zusammenzuarbeiten und von ihr Unterstützung zu bekommen«, erklärt Maier. Doch die Vorzeichen hatten sich geändert. Zwar konnte die Kellernacht stattfinden, doch bei den Vereinsmitgliedern war danach erst einmal die Luft raus.

»In dieser Situation beschlossen wir, alles auf den Prüfstand zu stellen und zu schauen, wo wir Perspektiven für den Verein sehen«, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Andrea Popp. Zu diesem Zweck holte sich i'kuh Hilfe: »Anfang 2016 haben wir einen moderierten Workshop veranstaltet«, berichtet sie. In diesem Rahmen entwickelte sich die neue Struktur: Jetzt lastet das Gros der Arbeit nicht mehr auf wenigen Schultern, stattdessen haben viele Mitglieder die Möglichkeit, sich verantwortlich in Arbeitsgruppen einzubringen. »Wir haben in diesem Prozess zwar nicht wie geplant Ballast abgeworfen, aber einen Haufen Ideen gewonnen«, schildert Mollenkopf.

Was das Vorstandsteam freut, ist die Tatsache, dass von den insgesamt rund 70 Mitgliedern jetzt mehr aktiv dabei sind als noch vor zwei Jahren. »Wir haben eine klare Dreiteilung«, hebt Maier hervor, »ein Drittel Aktive, ein Drittel, die für größere Events mobilisiert werden können, und ein Drittel reine Unterstützer.«

Die Grundidee hinter den inzwischen gut funktionierenden Arbeitskreisen ist einfach: »Die Leute bringen sich ein für die Dinge, die sie gern machen«, betont Andrea Popp. Interessierte können jederzeit hinzukommen. Jede Gruppe bearbeitet ihr Projekt eigenverantwortlich, kümmert sich um Kooperationspartner, zum Beispiel andere Vereine. Alle zwei Monate kommt das i'kuh-Plenum zusammen, um über die Aktivitäten zu beraten.

Dieser Ansatz hat auch neue Veranstaltungsformate hervorgebracht, etwa den politischen Stammtisch, zu dem im März zum zweiten Mal eingeladen wird. Eigene Arbeitsgruppen gibt es für den i'kuh-Klassiker »Kunst im Klosterkeller«, für den Pfulben-Talk, der zweimal jährlich zusammen mit der Stadtbücherei und RTF1 veranstaltet wird, für den Mostkult, eine Kooperation mit dem Obst- und Gartenbauverein, für das Open-Air-Konzert im Schlosshof, für Kleinkunst und Events, die an verschiedenen Orten ausgerichtet werden, sowie für den Bereich Technik, Equipment und Logistik. »Wir haben jetzt auch eine 'Wir'-Gruppe, deren Aufgabe es ist, Gutes für die Aktiven zu tun und die Motivation hochzuhalten«, berichtet Andrea Popp. So gab es für die besonders Engagierten schon mal eine Einladung zu einer Premiere des Theaters Lindenhof oder einen Ausflug zu einer regionalen Brauerei. An dieser Vielfalt wird nach Andrea Popps Ansicht deutlich, dass i'kuh »viel mehr ist als nur der Kampf ums Kulturhaus«.
»Diese positiven Signale machen manches wett«
 

Dennoch bleibt dieses Thema natürlich auf der Tagesordnung. Die Strategiegruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie es mit dem Kulturhaus weitergehen wird. Deshalb wandte sich im vergangenen Jahr Architekt Thomas Bamberg an diese Gruppe, um für seine Idee zu werben, einen Förderverein für die Klosterkirchen-Erweiterung zu gründen und private Sponsoren zu finden. »Wir sehen unsere Aufgabe vor allem darin, aufzuzeigen, wie das Kulturhaus mit Leben gefüllt werden kann«, hebt Mollenkopf hervor. Die bekannten i'Kuh-Veranstaltungen sind ein Baustein dazu. Ein weiterer wäre, eine »Kultur von unten« zu etablieren: Mollenkopf stellt sich verschiedenste Initiativen vor, die – als Ergänzung zur traditionellen Kultur, die von den Pfullinger Vereinen gepflegt wird – unter dem Dach von i'kuh das Leben in der Stadt bereichern können.

Erste Kostproben für diese neue Kreativität wird es schon dieses Jahr geben. Mit Nico Haydt und Peter Goller bringen zwei junge Pfullinger eigene Kulturprojekte auf die Bühne, die sie ohne Unterstützung des Vereins nicht hätten stemmen können.

Damit derlei Aktionen nicht an der Finanzierung scheitern, hat i'kuh inzwischen einen Antrag auf besondere Förderung im Rahmen der neuen städtischen Vereinsförderung gestellt. Maier hofft, dass das Netzwerk »Vereine und Ehrenamt« bald zusammenkommen wird, um über die Vereinsanträge zu beraten.

Dass das kulturelle Engagement von i'kuh in der Stadt ankommt, erleben die Verantwortlichen nicht nur bei den stets gut besuchten Veranstaltungen. Sie erhalten viel persönlichen Zuspruch, auch aus den Reihen der Ratsmitglieder sowie von Spendern und Sponsoren. »Diese positiven Signale machen manches wett«, betont Andrea Popp.

Das Thema Kellernacht ist im Verein zunächst einmal auf Eis gelegt. »Wir sind uns einig, dass diese Veranstaltung wichtig ist«, sagt Popp. Derzeit könne aber niemand den organisatorischen Aufwand stemmen. Alle drei halten es aber für möglich, dass sich die Pfullinger Keller eines Tages wieder für die Kleinkunst und ihr zahlreiches Publikum öffnen werden. »Die Kellernacht hat Strahlkraft weit über Pfullingen hinaus gewonnen«, betont Andrea Popp. Der Wunsch, dies irgendwann fortzuführen, bleibe bestehen.

i'kuh-Termine 2017

Donnerstag, 9. Februar: Wüstenwanderungen, Reisebericht von Helga Pech.

Freitag, 24. Februar: Pop & Poesie, Nico Haydt & Friends und Musikschule Pfullingen.

Freitag, 3. März: MostKult, Mostprobe mit dem OGV Pfullingen.

Donnerstag, 6. April: Pfulben-Talk in der Stadtbücherei.

Samstag, 24. Juni: Open-Air im Pfullinger Schlosshof.

Samstag, 7., und Sonntag, 8. Oktober: Junge Oper Pfullingen, Peter Goller & Friends und Musikschule Pfullingen.

Donnerstag, 19. Oktober: Pfulben-Talk in der Stadtbücherei.

Freitag, 17., und Samstag, 18. November: KiK – Kultur im Klosterkeller. (GEA)

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