Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Wiener Opernball - Die Pfullinger Sarah Wurth und Christopher Jochens debütieren auf dem Parkett der Staatsoper

Pfullinger debütieren beim Wiener Opernball

Von Uwe Sautter

PFULLINGEN. Die Bekleidungsvorschriften sind streng: Schneeweißes Ballkleid (ohne Reifrock), weiße Handschuhe, weiße Schuhe für die Damen; schwarzer Frack, weiße Handschuhe, schwarze Lackschuhe für die Herren. Sarah Wurth, 22, und Christopher Jochens, 24, hätten deshalb auf ihrem Flug nach Wien gern Frack und Festkleid im Handgepäck mitgenommen. »Wir wollten das einfach bei uns haben.« Denn die beiden tanzen als eines von 186 Debütantenpaaren zur Eröffnung des Wiener Openballs am kommenden Donnerstag. Die Vorstellung, dass der Traum platzt, weil die Koffer irgendwo anders landen als in Wien, ist für Jochens unerträglich. Für die Fluggesellschaft nicht. Die lehnte das Ansinnen zum Leidwesen der Beiden ab.

Sarah Wurth und Christopher Jochens haben für ihr Debüt am kommenden Donnerstag auf dem Wiener Opernball fleißig trainiert.  FOTOMONTAGE: GERLINDE TRINKHAUS
Sarah Wurth und Christopher Jochens haben für ihr Debüt am kommenden Donnerstag auf dem Wiener Opernball fleißig trainiert. FOTO: Gerlinde Trinkhaus
Der Weg zum Opernball ist steil und kostspielig. Ihre beiden »Omis« haben der Studentin der angewandten Medienwirtschaft, die im Moment ein Praktikum beim Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche macht, finanziell unter die Arme gegriffen. Jochens hat sich die vorgeschriebene Kleidung ausgeliehen, sonst hätte der Erzieher, der im Schloss-Kindergarten in Pfullingen arbeitet, »ein Vermögen hinlegen« müssen.

Im Frühjahr haben sie den Entschluss gefasst, zu den rund 186 Paaren zu gehören, die das größte Ballereignis der Welt eröffnen. Warum? Sarah Wurth zögert kurz, dann sagt sie's doch: »Sich einmal wie Sisi fühlen«, mit dem Krönchen auf dem Kopf über das Parkett der Wiener Staatsoper schweben, »welches Mädchen träumt nicht davon«. Jochens sieht's ähnlich: »Ich darf da tanzen - und alle Blicke sind auf die Debütanten gerichtet.«

Dürfen ist die richtige Formulierung. Sie haben seit dem Frühjahr alles getan, um dabei zu sein. »Seit ich denken kann, habe ich kurze Haare«, sagt Sarah Wurth. Seit sie weiß, dass diese beim Opernball nicht so gerne gesehen sind, »wegen der Hochsteckfrisur samt Krönchen«, lässt sie das Haar wachsen.

Bewerbungsvideo gedreht

Und sie haben trainiert. Meistens getrennt. Denn die beiden sind weder im Leben noch auf der Tanzfläche ein festes Paar. »Wir sind gute Freunde«, sagen sie und sie harmonieren prächtig. Die 22-Jährige tanzt seit acht Jahren, der 24-Jährige seit zehn. Es ist ihr größtes Hobby. »Wenn ich tanze, vergesse ich alles«, sagt die Studentin. »Ich kann abschalten, loslassen, mich frei zur Musik bewegen«, fügt Jochens an.

Ganz so frei war's in den vergangenen Monaten nicht. Denn eine Voraussetzung für die Aufnahmen ins Jungdamen- und Jungherrenkomitee sind sehr gute Linkswalzerkenntnisse. Und die müssen belegt werden. Paare aus Österreich müssen vortanzen, ausländische Bewerber ein Video einschicken. Nur wer vor der Jury besteht, den schnellen Tanz perfekt beherrscht, darf dabei sein.

Tipps, Tricks und immer wieder die richtige Haltung waren deshalb in der Reutlinger Tanzschule Dance and Music gefragt. Inhaber Fabrizio Laraia hat die beiden trainiert und gebrieft. Jochens weiß jetzt, dass er mit seinen Schuhen übers Parkett gleiten soll. Nicht unbedingt weil's besser aussieht. Nein, um zu vermeiden, dass er seiner Partnerin gleich beim Eröffnungstanz auf das lange Ballkleid tritt.

Gänsehaut-Feeling

Noch ist's mit den Proben übrigens nicht vorbei. Morgen holen sie ihre Karten in Wien ab. Samstag und Sonntag wird im Opernhaus die Choreografie geübt. »Mit Open End«, wie die beiden sagen. Eben, bis alles perfekt sitzt. Danach haben die beiden, die bei einer Cousine von Jochens übernachten können, zwei Tage frei. Am Mittwoch ist dann die Hauptprobe angesetzt. »Und dann geht's auch schon los«, sagt Sarah Wurth und zeigt ihrem Partner ihren Arm: Die Gänsehaut ist nicht zu übersehen. (GEA)

Der Wiener Opernball


Der erste Ball unter dem Namen Wiener Opernball wurde 1935 für karitative Zwecke ausgerichtet. Alljährlich ist er der größte Treffpunkt Österreichs für Kulturschaffende, Unternehmer, Politiker und Prominente aus dem In- und Ausland. Rund 5 500 Besucher kommen zu diesem Ball, der für seine Gäste kein billiges Vergnügen ist. Die Preise reichen bis zu 18 500 Euro für die Doppelloge. Der günstige Tischanteil für zwei Personen im sechsten Stock kostet 180 Euro. Für den Einlass zum noblen Tanzfest in der Oper sind dann zusätzlich noch 250 Euro pro Person zu zahlen. Das Ereignis ist seit Monaten ausverkauft. Daran beteiligt sind in diesem Jahr 186 Tanzpaare aus dem In- und Ausland, die Damen in weißen Kleidern und Glitzerkrönchen, die Herren im Frack - das Jungdamen- und Herrenkomitee. Die Debütantinnen schmücken ihre Handgelenke mit rosafarbenen Seidenblumen. Beendet wird der Ball Punkt 5 Uhr früh.

Traditionsgemäß spielt das Opernballorchester am Ende folgende drei Stücke: Donauwalzer, Radetzkymarsch und »Brüderlein fein« aus dem Stück »Der Bauer als Millionär« von Ferdinand Raimund (1826). Live übertragen wird der Ball am Donnerstag, 16. Februar, unter anderem ab 21.45 Uhr vom Bayerischen Fernsehen. (GEA)

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