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Leute - Pfullinger Sascha Lulei ist Gästebetreuer auf einem Kreuzfahrtschiff und fährt dabei rund um die Welt

Pfullinger betreut die Gäste eines Kreuzfahrtschiffes

VON GABRIELE LEIPPERT

PFULLINGEN. Das »Traumschiff«, die Fernsehreihe, die seit 1981 Erlebnisse der Passagiere auf einem Kreuzfahrtschiff erzählt und dabei in aller Herren Länder in Häfen wie Alexandria, Athen, Havanna oder Nassau und New York anlegt, kennt er nicht. Und trotzdem könnte der junge Pfullinger den weltbekannten Schlagertitel »Seemann, deine Heimat ist das Meer« aus den 1960er-Jahren als sein persönliches Lied sehen. Denn auch er ist auf allen Ozeanen der Welt unterwegs und hat so viele Länder besucht, dass er sie fast nicht einzeln aufzählen kann. Sascha Lulei ist Gästebetreuer auf einem Kreuzfahrtschiff.

Sascha Lulei  vor seinem Arbeitsplatz im Hafen von La Romana in der Dominikanischen Republik. FOTO: PRIVAT
Sascha Lulei vor seinem Arbeitsplatz im Hafen von La Romana in der Dominikanischen Republik. FOTO: PRIVAT
Ein Beruf, der dem 23-Jährigen zwar einiges abverlangt, aber auch sehr viel Spaß macht. Und ganz nebenbei wurde er im Juni dieses Jahres von seinen Gästen auch noch zum »Urlaubsheld« gewählt. »Gästebetreuer auf einem Kreuzfahrtschiff ist auf jeden Fall mein Traumjob«, sagt der junge Mann lachend.

Wer ihm zuhört, glaubt es sofort. Denn in jedem seiner Sätze ist die Begeisterung für seine Tätigkeit zu spüren. Doch von Anfang an. Abitur, Studium? »Ich habe die Förderschule in Pfullingen besucht«, erklärt Lulei ganz bescheiden. In einem Reutlinger Hotel absolviert er anschließend die Ausbildung zum Restaurantfachmann.

Weil sein Berufsschullehrer selbst schon auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet hat und seinen Schülern bilderreich davon erzählt, bekommt Lulei erste Eindrücke vom Leben auf See. Nach Abschluss seiner Lehre informiert er sich im Internet noch über mögliche Arbeitsfelder auf Schiffen. Der Gedanke wird zur fixen Idee. »Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, muss ich das auch machen«, sagt der Pfullinger und lacht. Also bewirbt er sich schließlich beim Reiseunternehmen TUI.

Sein Vorstellungsgespräch in Hamburg verläuft gut, »dann habe ich den Job auch schon bekommen«. Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. »Man muss schon ein paar Voraussetzungen erfüllen«, erklärt Lulei. Er musste etwa eine abgeschlossene Ausbildung und Kenntnisse der englischen Sprache vorweisen. Auch galt es, einen Einstellungstest zu bestehen und seine »Seefestigkeit« zu beweisen, weil es schon mal Tage gebe, »wo das Schiff ein bisschen mehr wackelt«. Außerdem müsse er neben Englisch Hochdeutsch reden können, »was mir manchmal ziemlich schwer fällt«.

»Man muss nicht zur Arbeit fahren oder einkaufen«
 

Er beginnt als Junior Steward und wird aufgrund der guten Resonanz der Reisenden befördert. Als Gästebetreuer oder Gastgeber, wie die Position eigentlich heißt, kümmert sich Lulei um alle Angelegenheiten der Gäste in den Restaurants, empfängt sie morgens mit einem Glas Sekt, organisiert die Platzierung an den Tischen, nimmt Reklamationen entgegen.

Die Abwicklung von speziellen Büffets oder Poolpartys gehört genauso zu seinem Aufgabengebiet wie Gourmet-Rundgänge, Gespräche mit den Gästen oder Empfehlungen von Ausflügen oder Massagen und Ähnliches.

Auch wenn Reisende seekrank werden, ist der Pfullinger gefragt. »Bitterschokolade essen und Pfefferminztee trinken, wenn's dann rauskommt, schmeckt's nach After Eight«, sagt er und grinst verschmitzt über den ungewöhnlichen Erste-Hilfe-Insidertipp. »Ich bin eine Mischung aus Reiseleiter, Animateur und Mädchen für alles«, bilanziert Lulei sein Aufgabengebiet.

Seine Arbeitszeiten unterscheiden sich völlig vom herkömmlichen Acht-Stunden-Tag oder der Fünf-Tage-Woche. Seinen Dienst leistet er an sieben Tagen in der Woche ab, dabei kommen täglich zwischen 8,5 bis 10 Stunden zusammen. Wöchentliche Sicherheitstrainings für die Crew oder Seenot-Rettungsübungen mit den Gästen kommen außerdem dazu. »Es ist zwar anstrengend, aber man muss nicht früh aufstehen, nicht zur Arbeit fahren oder einkaufen«. Gelegenheit, Ausflüge mitzumachen oder Freizeit bekomme er genügend, betont der Pfullinger. Er arbeitet vier Monate am Stück durch, hat danach zwei Monate frei und erhält im Anschluss wieder seinen neuen »Arbeitsplatz«, sein neues Schiff zugeteilt.

Die teilweise über tausend Crewmitglieder je Schiff setzten sich aus bis zu fünfzig verschiedenen Nationalitäten »und fast jeder Weltreligion« zusammen. Lulei bedauert nur, dass er wohl der einzige Pfullinger unter ihnen ist. Was ihm fehlt, ist - neben der Familie - schwäbisches Essen wie Linsen mit Spätzle und Saitenwürsten oder Wurstsalat. »Ganz schlimm ist der Kartoffelsalat auf dem Schiff: Der ist mit Mayonnaise«.

Zurzeit ist er auf der Flotte »Mein Schiff« unterwegs. Weil sich Lulei mit Herzblut um seine Gäste kümmert, wurde er im Juni unter allen rund 6 000 Angestellten zum »Urlaubsheld« gewählt. Ein Urlaubstag, ein Geldgeschenk und die Übernachtung in einer Gästekabine mit Balkon waren sein Gewinn. »Das ist schon etwas ganz Besonderes«, freut sich Lulei über diesen Erfolg. Freunde und Familie fänden seine ungewöhnliche Arbeit »voll cool«.

»Ganz aus Pfullingen will ich nicht weg, das ist ein nettes Dörfchen«
 

Höchst beeindruckende Erlebnisse und Momente gehören inzwischen dazu. »Dem Präsidenten von Panama durfte ich schon die Hand schütteln, bei der Taufe von Mein Schiff VI mit ganz vielen Prominenten und vor der neuen Elbphilharmonie war ich dabei und die Mein Schiff I werde ich im Frühjahr 2018 außer Dienst stellen«. Auch überstand er neben ordentlichen Windstärken schon ein kleines Feuer an Bord, hatte Begleitschutz durch die Fregatte Bremen oder erlebte eine Hubschrauberrettung und eine Kollision mit einer Fähre.

Nächstes Jahr, nach Ablauf der derzeitigen Schiffsphase im Indischen Ozean, will der Pfullinger zur Abwechslung mal eine Zeit als Landgänger einbauen und in der Region arbeiten. Auch möchte er seinem Hobby als DLRG-Mitglied und dem Wasserrettungstrupp nachgehen. »Ganz aus Pfullingen möchte ich nicht weg, das ist ein nettes Dörfchen«. (GEA)

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