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Promibesuch - Die etwas andere Pressekonferenz: Schüler durften den Fußball-Experten Reiner Calmund alles fragen

Ohne Herzblut geht gar nichts

VON MARION SCHRADE

ENINGEN. »Ohne Geschenkpapier, ohne Rücksicht auf Verluste - ihr dürft mich alles fragen. Auch, warum ich so dick bin.«

Dicke Freunde: Calli mit Viviane.
Dicke Freunde: Calli mit Viviane. FOTO: Andreas Fink
Damit stellte Reiner Calmund von Anfang an klar: Das hier ist kein normales Interview. Der Reutlinger General-Anzeiger hatte in Zusammenarbeit mit der RVM Versicherungsmakler GmbH & Co. KG in Eningen Schüler aus der Region zu einer etwas anderen Pressekonferenz eingeladen: Die 17 Jungs und Mädels zwischen acht und 18 Jahren plauderten mit »Calli« über Fußball, die erste Liebe, die Kelly Family - und natürlich übers Essen.

Mit der Auftakt-Frage nach Callis Leibgericht rennt einer der jungen Nachwuchsreporter offene Türen ein: »Ofenfrischer Jungschweinebraten, Kaiserschmarrn, Reibekuchen, Sauerbraten, Pasta, Steaks ...«, zählt der wahrscheinlich schwerste Fußball-Experte der Welt auf und macht gleich darauf auch der asiatischen Küche eine Liebeserklärung im typisch kölschen Slang.



Papst für einen Tag


Dass sich die Liebe, die durch den Magen geht, auch auf den Rippen niederschlägt, nimmt der Ex-Manager von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen gelassen: »Ich esse unwahrscheinlich gerne, ich esse zu viel und ich bewege mit zu wenig«, gesteht der 62-Jährige freimütig und amüsiert sich über diejenigen Menschen, die ihr Übergewicht grundsätzlich auf die Gene schieben. »Ein Gen-Fehler? Nein, so einen hab ich nicht - höchstens das Zu-oft-zum-Kühlschrank-Ge(h)n!« Calli ist eben Calli und er ist es gern: »Ich gehe immer noch ganz normal einkaufen und quatsche mit den Leuten.« Und wenn er mal für einen Tag ein ganz anderer sein könnte? Hm - dann vielleicht Papst oder US-Präsident. »Und wenn das nicht geht, wäre ich auch mit drei Monaten Bundeskanzler zufrieden.«

Seinen jungen Zuhörern verrät Calli, dass er nicht nur die Beatles und AC/DC, sondern auch die Kelly Family mag. Mit einem Mitglied der Großfamilie hat er nicht etwa Musik, sondern Sport gemacht: Joey Kelly stellte sich der wahrlich nicht einfachen Aufgabe, aus dem »Genießer des Jahres« einen »Iron Calli« zu machen. Seinen Job nahm der Extremsportler offenbar recht ernst: »Wenn du mit dem trainierst, freust du dich nachher aufs Sterben«, witzelt Calmund, der danach 30 Kilo weniger auf die Waage und einen Halbmarathon hinter sich brachte: »Es war klar, dass ich nicht mit den Kenianern vorne durchs Ziel laufen würde, aber ich hab's geschafft.«

Verständnis für Ralf Rangnick


Hinter lustig-lockeren Sprüchen wie diesen steckt eine wichtige Botschaft: Man muss seine Ziele mit Ehrgeiz und Durchhaltevermögen verfolgen. Reiner Calmund wuchs in der Nachkriegszeit in bescheidenen Verhältnissen auf: »Wir hatten zwei Spiele: Fußball und Räuber und Gendarm.« Calli kickte unter Teppichstangen mit Dosen, zur Kommunion bekam er seine ersten richtigen Fußballschuhe. Der Aufstieg der talentierten Nachwuchshoffnung nahm ein jähes Ende: Mit 19 Jahren zog sich Reiner Calmund eine schwere Sprunggelenksverletzung zu und musste vom Rasen an den Spielfeldrand wechseln.

»Wichtig ist, dass du nie aufgibst«, gibt er den Schülern mit auf den Weg. Calli machte weiter - erst als Jugendtrainer, schließlich als Manager. Fast drei Jahrzehnte lang war er bei »seinem« Klub und formte Bayer Leverkusen zu einem modernen Fußballunternehmen, bevor er im Jahr 2004 zurücktrat. Das Feld zum passenden Zeitpunkt Jüngeren zu überlassen oder gar die Notbremse zu ziehen, wenn man selbst nicht mehr kann, hält der Ex-Manager für eine wichtige Tugend - im Fußball wie in der Wirtschaft. Den Rücktritt von Schalke-Trainer Ralf Rangnick und sein offenes Bekenntnis, sich »ausgebrannt« zu fühlen, kann Reiner Calmund jedenfalls gut nachvollziehen: »Unsere Jobs wären klasse, wenn wir nicht dauernd darauf angewiesen wären, was die jungen Herren in den kurzen Hosen machen.«

Teamgeist und Nachwuchsarbeit


Als Trainer oder Manager in der ersten Reihe zu stehen, heißt nicht nur die Lorbeeren, sondern auch die Schelte einzustecken, wenn's mal weniger gut läuft. Das prallt auch am dicksten Fell nicht ewig spurlos ab - ein ernsthaftes Thema, über das sich der XXL-Mann nicht nur mit den Schülern, sondern im späteren Verlauf des Abends auch mit über 400 erwachsenen Gästen unterhielt: Im Rahmen der Kundenveranstaltungsreihe »RVM Forum« sprach er über Parallelen zwischen Wirtschaft und Fußball.

Ein Unternehmen lebt, genau wie ein Fußballklub, von Teamgeist und Nachwuchsförderung. Tradition? Schön und gut, aber: »Tradition schießt keine Tore.« Anstatt in alten Strukturen zu erfrieren, ermunterte er die mittelständischen Unternehmer, rechtzeitig »gute Nachwuchsspieler« aufzustellen: Nicht nur Zeugnisse und Bewerbungen, sondern vor allem Praktika und Auswahltrainings sollten bei der Suche nach jungem Personal eine Rolle spielen. »Dann sieht man, ob's auf beiden Seiten passt«, betont Calmund. »Schlauberger sollten sich nichts einbilden: Man braucht nicht nur Bildung, sondern auch Leidenschaft, Identifikation - ganz einfach Herzblut.« (GEA)




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