Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Fasnet - Närrische Zustände herrschen am Schmotzigen Donnerstag in Pfullingen, Eningen und Lichtenstein

Nur einer muss richtig kämpfen

VON UNSEREN REDAKTIONSNARREN

PFULLINGEN/ENINGEN/LICHTENSTEIN. Zwei haben sich aus dem Staub gemacht und ihre Stellvertreter ins Scharmützel geschickt. Nur Lichtensteins Bürgermeister steigt selber in den Ring, der hat ja in diesem Jahr auch noch einiges vor. Aber egal: Ob Bürgermeister oder Stellvertreter, letztlich müssen alle den Schlüssel fürs Rathaus an die übermächtigen Narren übergeben.

FOTO: Claudia Hailfinger
Im achten Jahr ungeschlagen - das soll sich für Peter Nußbaum am Schmotziga ändern. Für den Bürgermeisterkampf im Wahljahr haben die Lichtensteiner Narren auf dem Rathausplatz schwere Geschütze aufgefahren: nackte Waden, ansehnliche Lockenpracht und fließendes Schwäbisch. Mit Stephan Blötscher alias Alfred Schäufele schicken sie ein echtes Kaliber als Herausforderer in das Duell mit dem Rathauschef.
»Die Bürokratie hot nun ein Ende, mit den Narren geit's a neue Wende«
 

Über die vier Runden schlägt sich Nußbaum wacker, punktet vor allem in der Fragerunde. Ein Mauerbau um Lichtenstein im Trump'schen Stil? Könnte er sich gut vorstellen. Hätte man so doch ein Alleinstellungsmerkmal, das neugierig mache und schlussendlich wieder mehr Einwohner in den Flecken locke. Auch für seine Lösung der Häckselplatz-Misere erntete der Schultes Beifall. Für die lange Fahrt Richtung Kohlstetten könnte ein Schuss Abenteuer entschädigen: »Anlieferung nur zu Zeiten, in denen geklagt wird.« Im Kugelfeuer werde die Entsorgung von Baumschnitt so schnell zum Erlebnis.

Bei der Verköstigung mit verbundenen Augen - »Fifty Shades für Arme«, wie es Alfred Schäufele beschreibt, - kommt Nußbaum etwas ins Straucheln, als er statt einer Blutwurst eine Mettwurst im Mund zu haben glaubt. Beim Tanzwettbewerb schließlich schafft er es über ein »er bemühte sich redlich« nicht hinaus. Gelingt der Walzer mit Vorzimmerdame Inge Lehmann im Arm noch ganz passabel, muss er sich beim Tango der äußert agil agierenden jungen Horst-Schlämmer-Version mit Hexenpartnerin chancenlos geschlagen geben.

Den Rathausschlüssel muss er daraufhin an Zunftmeisterin Katja Thomas abgeben, die vor versammelter Narrenschar aus Krautscheißern, Burgstoi-Hexa, Wurz'lseppen und Schlosswölfen triumphiert: »Die Bürokratie hot nun ein Ende, mit den Narren geit's a neue Wende!«

In Pfullingen - welch' Überraschung - ist der Bürgermeister beziehungsweise sein Stellvertreter, gar nicht im Rathaus. Die ausgeschickten Hoagamännle und -hexen finden nur ein leeres Amtszimmer vor. Und sonst wo ist er auch nicht zu entdecken, bis sich von der Kirchstraße eine Gestalt den Weg durch die Menge bahnt. »Ich will ins Rathaus, dann ist mir der Zugang verstellt.« Kein Wunder, der Rathausplatz ist bereits fest in Narrenhand. Zottelhopser, Löwen oder Lompenkasperle blockieren den Weg. Gerade sind die Kindergarten-Gruppen in einem kleinen Umzug vom DRK-Haus auf dem Rathausplatz mit viel Beifall empfangen worden. Kein Durchkommen also für Pfullingens stellvertretenden Bürgermeister Martin Fink und einen Schlüssel hat er auch nicht dabei: »Wenn ich komme, ist das Rathaus immer offen.« Wo der Schlüssel versteckt ist, das weiß er aber schon, doch rausrücken will er ihn erst, wenn die Narren seine Fragen richtig beantworten können. Zum Glück kennen die sich in der Pfullinger Sagenwelt halbwegs aus und wissen, wie man die Urschel aus dem Berg befreien kann, oder wie der kopflose Mann, der immer wieder in der Echazstadt auftaucht, heißt. Also gibt Fink das Versteck des Rathausschlüssels letztlich preis. Dass der hinter dem Mülleimer vor dem Rathaus zu finden ist, überrascht selbst Hoagamännle-Chef Michael Tröster. Und kaum sind die Regularien erledigt, schlängelt die erste Polonaise über den Platz - das Narrendorf ist offen.
»Greifet zu, wenn's aufm Rathaus mol ebbes umsonst gibt«
 

»Greifet zu, wenn's auf'm Rathaus mol ebbes umsonst gibt - außer Gelbe Säcke«, rät Ober-Häbles-Wetzer Thomas Hummel der versammelten Narrenschaft in Eningen. Zugreifen, das gilt nicht nur bei Speis und Trank, sondern auch bei den vielen Bonbonles, die von den angereisten Zünften, etwa aus Gönningen, Kohlstetten und Münzdorf, verteilt werden.

Beim Umzug durch die Innenstadt sorgen sie zusammen mit Eninger Kindergartenkindern und Schülern für gute Stimmung unter den am Straßenrand versammelten Fasnetfreunden. Als »Sams«, »Smileys« oder Waldarbeiter verkleidet, glänzen die Kids dabei besonders durch Originalität.

Nicht das Original, dafür den »Joker« bekommt Thomas Hummel nach seinem Leitergang beim Blick in das Bürgermeisterzimmer zu sehen: Stellvertreterin Barbara Dürr. »Die kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Schultes nicht da ist«, so Hummel.

Auch die Häbles-Wetzer setzen an diesem Tag auf ihre Vize: Karin Kapitel nimmt die Rathausfrau bei Sekt und Glitter in bester Wer-wird-Millionär-Manier in die Mangel. Wann fuhr die letzte Straßenbahn durch die Gemeinde? Welche Partyband spielte beim Zehnjährigen der Eninger Narren? Und wo gibt es hier im Ort Katzengold? Dank reichlich Eigenwissen, aber auch mit Unterstützung des Publikums, gelingt es Dürr, fast alle der 25-Euro-Fragen zu beantworten. Das erspielte Geld spenden die Häbles-Wetzer dem Eninger Hospizförderverein. (GEA)




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Rathaussturm Pfullingen 2018
Pfullingen ganz närrisch. FOTO: Uwe Sautter
 
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