Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Notariatsreform - Ab 2018 ist Simone Lang freiberuflich in Pfullingen tätig, der Umzug ins neue Büro läuft auf Hochtouren

Notariatsreform: Von der Beamtin zur Unternehmerin

VON JOACHIM BAIER

PFULLINGEN. Ein paar Umzugskartons stehen schon im Büroflur - aber natürlich viel zu wenige für die Aktenberge, die Simone Lang und ihr Team in den kommenden Tagen in die Kirchstraße 15 umziehen müssen. Währenddessen geht der normale Notariatsbetrieb bis zum 29. Dezember weiter, seit Monaten bereits mit vollem Terminkalender. Besinnliche Stunden wird die 37-jährige Notarin - wenn überhaupt - nur an den Feiertagen genießen können. Von der Beamtin zur Freiberuflerin, der Jahreswechsel bringt für die Pfullingerin neue Herausforderungen.

Simone Lang (rechts) und ihre Mitarbeiterin Tatjana Pfeiler beim Packen, ab dem kommenden Jahr wird die Pfullingerin als freiberufliche Notarin im neuen Büro in der Kirchstraße 15 für ihre Kunden da sein.
Simone Lang (rechts) und ihre Mitarbeiterin Tatjana Pfeiler beim Packen, ab dem kommenden Jahr wird die Pfullingerin als freiberufliche Notarin im neuen Büro in der Kirchstraße 15 für ihre Kunden da sein. FOTO: Joachim Baier
Vom 1. Januar an wird es in Baden-Württemberg keine Amtsnotariate mehr geben. Betroffen von der Schließung im Zuge der Reform sind zum Beispiel das Notariat in Pfullingen mit bisher zwei Notarstellen, das auf der Haid mit zwei Stellen, das in Lichtenstein und das in Eningen mit jeweils einer Stelle. Das Grundbuch für Pfullingen wird bereits seit Juli 2016 beim Amtsgericht in Böblingen geführt.

Bestimmte Aufgaben wie Beurkundungen, Immobilien-Kaufverträge, Grundstücks-Schenkungen, Gesellschafts-Gründungen, Handelsregister-Anmeldungen, Eheverträge, General- und Vorsorgevollmachten sowie Testamente übernehmen künftig die freiberuflich tätigen Notare wie Simone Lang, die ihren Sitz in Pfullingen behält. Nachlass- und Betreuungsangelegenheiten werden ab 2018 von eigenen Abteilungen an den Amtsgerichten geregelt. Dort lagern in Zukunft auch alle fertigen Urkunden.

Der große Tresor wird überflüssig

Den schrankgroßen Tresor wird die Notarin künftig also nicht mehr brauchen, was den Umzug allerdings nur marginal erleichtert. Viele der alten Akten hat sie bereits ans Amtsgericht Reutlingen überstellt. »Die Reform«, sagt sie, »bedeutet einen großen Einschnitt in mein Leben: Ich muss künftig Mitarbeiter akquirieren und vieles mehr, mein Arbeitstag wird sich sehr verändern - es wird bestimmt nicht langweilig werden«.

Auch wenn sich alles sehr anstrengend anhört, freut sich die Notarin doch gleichzeitig auf die berufliche Selbstständigkeit. Das Büro in der Kirchstraße sei größer, heller und die Räume würden behindertengerecht auf einer Ebene liegen, erzählt sie. »Den neuen Standort finde ich super, wir haben sogar eine Tiefgarage.«

Simone Lang ist froh, dass es für sie beruflich in Pfullingen weitergeht, wo ihre Familie lebt und wo sie sich sehr wohl fühlt. Sie hatte sich eigens für die freie Notarstelle in der Echazstadt beim baden-württembergischen Justizministerium bewerben müssen. Wenn man als junge Mutter Beruf und Familie vereinbaren möchte, gehe das viel besser mit kurzen Wegen, ist die Pfullingerin überzeugt. Ihr Bürokollege Frank Michael Hermann wird ab dem kommenden Jahr als freiberuflicher Notar in Balingen tätig sein.

Das Team soll größer werden

Das bisher fünfköpfige Notariatsteam will Simone Lang mittelfristig vergrößern und einen Notarvertreter fest anstellen. »Ein Teil meiner bisherigen Aufgaben fällt zwar weg, aber es wird in der Region auch insgesamt weniger Notare geben, sodass wir weiterhin gut beschäftigt sein werden«, ist sie zuversichtlich.

Für die Bürger werden sich die Dienstleistungen mit der Notariatsreform nicht verteuern. Alle freiberuflichen Notare müssen ihre Gebührensätze nach dem Gerichts- und Notarkosten-Gesetz (GnotKG) richten, das vor zwei Jahren die alte Kostenordnung abgelöst hat.

Grundsätzlich gibt es in Zukunft für die Kunden eine freie Wahl des Dienstleisters. Simone Lang glaubt allerdings nicht, dass allzu viele Menschen für den Gang zum Notar weite Wege in Kauf nehmen möchten.

Wie sich die Reform für sie finanziell auswirken wird, das werde sich zeigen, erklärt die Notarin. Bislang bezog sie ein festes Beamtengehalt zuzüglich Gebühren für bestimmte Dienstleistungen. Auch über ihre künftige Altersvorsorge mache sie sich noch nicht allzu viele Gedanken, gesteht sie. »Ich muss jetzt einfach lernen, unternehmerisch zu denken«, bringt Simone Lang die Herausforderung auf den Punkt. (GEA)

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