Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Nahverkehr - Der Nachtbus-Testbetrieb wird bis Ende 2018 verlängert. Im Frühjahr soll das Bürgerbus-Projekt starten

Nachtbus fährt auch 2018 nach Lichtenstein

VON JOACHIM BAIER

LICHTENSTEIN. Der Nachtbus hat Ledersitze, viel Beinfreiheit, Holzarmaturen und ist überhaupt kein Bus, sondern eine Limousine. »Da wundern sich viele Fahrgäste«, sagt Edgar Dietenmaier, Geschäftsführer der »Heim Personenbeförderung«, die den Nachtbusverkehr zwischen Pfullingen und Lichtenstein übernimmt. Abfahrt ist immer samstags, sonntags und feiertags um 2.05 und 3.05 Uhr am Pfullinger Laiblinsplatz. Wer mitmöchte, muss sich eine Stunde zuvor anmelden. »Bedarf ist fast an jedem Wochenende«, sagt Dietenmaier. Im Schnitt fahren zwischen einer und drei Personen pro Tour mit.

Immer samstags und sonntags ist der Nachtbus in Lichtenstein unterwegs. Weil das Angebot angenommen wird, gab?s nun Verlängerung für den Anmelde-Linienverkehr ab Pfullingen. FOTO: BAIER
Immer samstags und sonntags ist der Nachtbus in Lichtenstein unterwegs. Weil das Angebot angenommen wird, gab’s nun Verlängerung für den Anmelde-Linienverkehr ab Pfullingen. FOTO: BAIER
Der Lichtensteiner Nachtbus soll auch im kommenden Jahr als Zusatzangebot bestehen bleiben. »Die Bilanz ist positiv«, erklärt Bürgermeister Peter Nußbaum. »Das Angebot kommt an, vermehrt bei Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen.« Über die Verlängerung der Testphase ist Nußbaum froh. »Unser Ziel ist, dass wir ein dauerhaftes Angebot etablieren können.« Mehr Mobilität für Lichtenstein soll auch der neue Bürgerbus bringen, der ab dem kommenden Frühjahr in der Gemeinde seine Runden drehen soll.

Nachfrage steigt

Gestartet war der Nachtbus als Anmelde-Linienverkehr Ende 2016. Inzwischen liegt eine erste Auswertung der Fahrgastzahlen vor. Demnach wurden im Januar 2016 zunächst 15 Personen befördert, im April waren es bereits 42 Personen. Am häufigsten wurde der Nachtbus nach Unterhausen mit 59 Prozent aller Fahrten angefordert, Honau verzeichnet 29 Prozent, Holzelfingen 12 Prozent.

»Insgesamt«, so heißt es in einer Gemeinderatsvorlage, »haben im Betrachtungszeitraum 116 Personen den Nachtbus in Anspruch genommen. Die prozentualen Fahrgastanteile der einzelnen Monate verdeutlicht die Tendenz der zunehmenden Nachfrage.« Der steigende Bedarf belegt aus Sicht der Gemeinde, dass mit der Einführung des Nachtbusses am Wochenende und an Feiertagen eine vorhandene Lücke im ÖPNV-Angebot geschlossen werden kann.

Erfreulich aus Sicht des Bürgermeisters ist, dass das reguläre ÖPNV-Angebot ausgeweitet wurde und die Regionalbusse über Lichtenstein noch etwas später verkehren. Im Gegenzug wurde die bisher angebotene erste Fahrt des Nachtbusses ab Pfullingen um 1.05 Uhr aus dem Fahrplan gestrichen. Durch den Wegfall dieser Fahrt sei kein relevanter Rückgang bei der Nachfrage zu erwarten, da im Wesentlichen die späteren Fahrten nachgefragt würden.

Mehr Flexibilität gewünscht

Zusätzlich wurde ein innerörtlicher Anmelde-Linienverkehr am Wochenende zwischen Holzelfingen und Unterhausen eingerichtet, der eine Verbesserung der Verbindung von und nach Reutlingen über Unterhausen zum Ziel hat. Nach der bislang vorliegenden Zählung wurde dieses Angebot von acht Fahrgästen in Anspruch genommen.

Der Nachtbus verlängert die RSV-Linie N2 von Pfullingen bis nach Lichtenstein. Gehalten wird ausschließlich an ausgewählten Bushaltestellen. Das Nachtbus-Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Landkreis Reutlingen und der Gemeinde Lichtenstein. Der Landkreis trägt zwei Drittel der Kosten, die Gemeinde ein Drittel. Als Fahrgäste zahlen Erwachsene 3,50 Euro und Jugendliche bis 15 Jahre 2,50 Euro pro Fahrt.

Viele Fahrgäste würden sich mehr Flexibilität wünschen, hat Edgar Dietenhofer bei seinen Touren erfahren. Einige, so berichtet er, würden nicht verstehen, warum sie nachts nicht auch von Unterhausen nach Holzelfingen oder Honau mitfahren können. »Ich darf leider in Unterhausen niemand mehr zusteigen lassen«, bedauert er.

Bürgerbus ab Frühjahr

Im kommenden Frühjahr soll der neue Lichtensteiner Bürgerbus starten. Derzeit sucht die Gemeinde ehrenamtliche Fahrer. »Je mehr Fahrer sich melden, desto besser«, erklärt Bürgermeister Peter Nußbaum. Voraussetzung für den Chauffeurs-Job ist lediglich ein Pkw-Führerschein. Die Versicherung für die Fahrer wird von der Gemeinde übernommen.

Über die Anschaffung eines Kleinbusses - angedacht ist ein Achtsitzer - muss im Gemeinderat noch im Detail beraten werden. Im Haushalt sind für die Beschaffung insgesamt 40 000 Euro vorgesehen. Sobald der Lichtensteiner Gemeinderat grünes Licht für den Start gegeben hat, soll es eine Infoveranstaltung zum Bürgerbus-Projekt geben.

»Ich bin überzeugt, dass der Bürgerbus angenommen wird«, sagt Nußbaum. Der Bus soll im gesamten Gemeindegebiet verkehren und jeweils vor der Haustüre der Fahrgäste halten. Das Konzept sieht ebenfalls einen Anmelde-Linienverkehr vor: Bürger müssen ihren Mitfahr-Wunsch rechtzeitig bei der Gemeindeverwaltung anmelden. Fahrtkosten sollen für den Bürgerbus nicht erhoben werden. Die Gemeinde hofft, dass das Projekt über Spenden finanziert werden kann. (GEA)





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