Immobilienbesitz - Gemeindeversammlung der evangelischen Kirche Pfullingen: Was brauchen wir in Zukunft?
Was braucht die Kirche für ihre Arbeit wirklich?
Von Uwe Sautter
PFULLINGEN. »Ein Haus ist viel mehr als ein paar Steine, es ist auch ein Stück Heimat«. Wie viel Heimat die evangelische Kirchengemeinde für ihre Arbeit in Zukunft braucht, darum ging es im Paul-Gerhardt-Haus. Für Pfullingens scheidenden geschäftsführenden Pfarrer Martin Sauer eine Frage der Zukunftsfähigkeit der Gemeinde. Zwar ist die Kasse nicht leer und auch in den kommenden fünf Jahren wird die Gemeinde nicht ausbluten, wie Sauer am Rande der Gemeindeversammlung erklärte. Doch zumindest mittelfristig müsse man sich Gedanken über den Umgang mit den Kirchenimmobilien machen.
Kirchenpfleger Gunter Haux erläutert die Besitzverhältnisse beim Kindergarten Strohweiler und dem Pfarrhaus Friedrichstraße.
FOTO: Uwe Sautter
Warum? Das erklärte der geschäftsführende Pfarrer den rund sechzig Zuhörern. Seit 1994 ist die Zahl der Gemeindeglieder um rund elf Prozent von 9 600 auf 8 600 gesunken. »Dabei spielen die Kirchenaustritte nicht die größte Rolle.« Vielmehr sei die demografische Entwicklung dafür maßgeblich verantwortlich. Der Rückgang hat finanzielle Folgen: weniger Kirchensteuern, Opfer und Spenden landen in der Kasse. Und die ist sowieso durch steigende Energiekosten und durch sinkende Zuschüsse von Staat und Kirche belastet.
Eine Million Euro für den Erhalt
Gleichzeitig muss die Gemeinde viel Geld in den Erhalt ihrer Gebäude stecken. Rund eine Million Euro, schätzt der Bauausschuss, muss die evangelische Kirche bis 2018 dafür investieren. Angesichts der jetzt anstehenden Sanierungen müsse sich die Gemeinde deshalb fragen: »Lohnt sich das?«
Doch bevor die Versammlung das Problem anging, stellte Kirchenpfleger Gunter Haux die Gebäude im Besitz der Kirche vor: Magdalenenkirche, Martins-kirche, Paul-Gerhardt-Haus, Thomaskirche samt Pfarrhaus sowie der Kindergarten Strohweiler und das Pfarrhaus an der Friedrichstraße. Wirklich zur Disposition stehen nur zwei Flächen samt Gebäuden, machte Sauer deutlich. So will der Kirchengemeinderat an den drei Kirchenstandorten festhalten: »Wir wollen nah bei den Menschen bleiben.« Das Paul-Gerhardt-Haus und das Pfarrhaus am Laiblinsplatz sind ebenfalls gesetzt.
Bleibt also unter anderem der Kindergarten Strohweiler und das angrenzende Pfarrhaus. Dort ist allerdings die Grundstücksfrage sehr vertrackt. So steht der Kindergarten Strohweiler, für den es eine langjährige Vertragsbindung mit der Stadt Pfullingen gibt, zwar auf eigenem Gelände, allerdings nicht ganz. Die Arkaden liegen auf Grund, der der Landeskirche gehört, die diesen aber per Erbpacht der Kirchengemeinde überlassen hat. Auf dieser rund 17 Ar großen Fläche steht auch das Pfarrhaus Friedrichstraße, das stark renovierungsbedürftig ist. Das kann die Gemeinde nicht losschlagen, denn die Landeskirche hat kein Interesse es zu übernehmen. Die Landeskirche ihrerseits könnte sich aber vorstellen, die Fläche an der Friedrichstraße an die Kirchengemeinde zu verkaufen. Doch das würde richtig Geld kosten - rund 400 000 Euro wären aufgrund der attraktiven Lage dort fällig. Jetzt könnte die Gemeinde also Fläche zukaufen, um den Kindergarten komplett auf eigenen Grund und Boden stellen. Doch was bringt das? Nicht viel. Denn zumindest sollte die Kirche dort so viel Gelände erwerben, dass sich die Fläche eventuell nach Ablauf des Pachtvertrags mit der Stadt in 18 Jahren sinnvoll vermarkten lässt, hieß es aus der Runde. Doch das bindet Geld. Ebenso wie ein kompletter Erwerb.
Hoher Aufwand
Eine Lösung hatte die Versammlung da genauso wenig parat wie bei der Frage, wie mit Pfarrhaus und Wohnungen an der Magdalenkirche verfahren werden soll. »Die Bausubstanz ist gut«, so Architekt Eberhard Wurst. Gleichwohl sei eine Außensanierung einschließlich Dämmung fällig und die würde etwa 285 000 Euro kosten. Ein relativ großer Aufwand müsste dabei für das Endhaus betrieben werden, da unter der nur etwa 50 Quadratmeter großen Wohnung im ersten Stock zwei Garagen liegen, müsste auch dieser Raum gedämmt werden. Allein für dieses Haus wären etwa 55 000 Euro fällig.
Angesichts geringer Mieteinnahmen sei es auch eine Überlegung, das Haus abzureißen und dort Parkplätze anzulegen, sagte Wurst. Der auch noch weitergehende Vorschläge in petto hatte, die bis zum Abriss und kompletten Neubau des gesamten Wohnraums an der Magdalenkirche reichten. Auch hier entspann sich eine Diskussion.
An deren Ende fragte Sauer gleichwohl: »Was würden Sie jetzt tun?« Denn für ihn hat sich in beiden Fällen keine Lösung herauskristallisiert.« Er will die Anregungen aus der Versammlung auf jeden Fall mit in die nächste Kirchengemeinderatsitzung am 14. Februar nehmen. Wichtig war an diesem Abend vor allem auch, Transparenz zu schaffen und die Gemeindeglieder nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. »Wir wollen die Menschen mitnehmen und wenn möglich einen Konsens finden«, hatte er schon eingangs betont. (GEA)
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