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Mountain Spirit - Der Verein aus Lichtenstein hat 500 nepalesische Schulkinder mit Hygiene-Artikeln versorgt

Mountain Spirit: Für jeden eine eigene Zahnbürste

VON PETRA SCHÖBEL

LICHTENSTEIN. Selten waren Wolfgang Henzlers Zähne so gut in Schuss wie jetzt. Denn er hat sie in den vergangenen Wochen recht oft geputzt. »Ich war immer das Modell und habe den Kindern vorgeführt, wie man das richtig macht«, berichtet der Lichtensteiner. Henzler ist Vorsitzender des Vereins Mountain Spirit Deutschland und seit ein paar Wochen zurück von einer Nepal-Tour.

Hygiene-Projekt an sieben Schulen in der nepalesischen Region Solu: Jedes Kind erhielt von Mountain Spirit ein Handtuch, ein Stofftaschentuch, zwei Stück Seife, zwei Tuben Zahnpasta und eine Zahnbürste.  FOTO: PRIVAT
Hygiene-Projekt an sieben Schulen in der nepalesischen Region Solu: Jedes Kind erhielt von Mountain Spirit ein Handtuch, ein Stofftaschentuch, zwei Stück Seife, zwei Tuben Zahnpasta und eine Zahnbürste. FOTO: PRIVAT
Gemeinsam mit Partnern vor Ort hat er Projekte besucht oder neue in die Wege geleitet, die von Mountain Spirit unterstützt werden. Dank vieler Spenden von Privatpersonen und Sponsoren aus der Wirtschaft arbeitet der Verein seit 1999 daran, die Lebensbedingungen für die Bevölkerung in den abgelegenen Bergregionen zu verbessern.

Eine Vielzahl von Projekten in den Bereichen Landwirtschaft, erneuerbare Energien, Gesundheit und Bildung hat Mountain Spirit Deutschland bereits umgesetzt und auf den Weg gebracht. Dieses Mal lag der Schwerpunkt von Wolfgang Henzlers Reise auf den Hygiene-Workshops, die er zusammen mit Phuti Sherpa und Bhude Tamang von der nepalesischen Partnerorganisation Mountain Spirit Foundation an insgesamt sieben Schulen für mehr als 500 Kinder angeboten hat.

»Bei vielen gibt es nur eine Zahnbürste für die ganze Familie«
 

Gut 150 Kilogramm Material wurden für diesen Zweck von Kathmandu zu den Schulen transportiert. »Logistisch gesehen war das durchaus eine Herausforderung«, sagt Henzler, »irgendwo hört dann die Straße einfach auf.« Dann war mit dem Auto kein Weiterkommen mehr, die gesamte Fracht musste von Trägern übernommen und bis zum Ziel gebracht werden.

Alle Kinder der Klassen 1 bis 5 an den ausgewählten Schulen haben je ein Paket mit einer Zahnbürste, zwei Zahnpastatuben, zwei Stück Seife, einem Handtuch sowie einem Taschentuch erhalten. »Das sind Hygiene-Artikel im Wert von neun Euro«, sagt der Lichtensteiner. Anhand von Schautafeln und mit praktischen Übungen führten Henzler und Phuti Sherpa vor, wozu diese Dinge gedacht sind und wie man sie richtig verwendet. »Viele Kinder hatten bis dahin noch nie eine Zahnbürste besessen«, berichtet er, »andere erzählten, es gebe bei ihnen eine Zahnbürste für die ganze Familie.«

Die Schüler lernten auch, warum es wichtig ist, sich mit Seife die Hände zu waschen, insbesondere dann, wenn man gerade von der Toilette kommt. »Das Hygieneverständnis ist in den ländlichen Regionen Nepals grundlegend anders«, schildert Henzlers, »das haben wir versucht, zu ändern.« Richtige Hygiene sei schließlich »der Schlüssel dafür, Infektionen und Krankheiten zu vermeiden«.

Jetzt achten dort die Lehrer darauf, dass die Kinder regelmäßig Zähne putzen, sich waschen und das »Hanky«, das Stofftaschentuch, benutzen: »Wir wollen kein Kind mehr mit Rotznase sehen! Das haben wir ihnen beigebracht.« Aus Henzlers Sicht waren die Workshops ein Erfolg. Mountain Spirit sei jetzt im Gebiet Solu nicht nur im übertragenen Sinne »in aller Munde«.

Schulen in der Region Solukhumbu profitieren auch in andere Hinsicht vom Engagement des deutschen Hilfsvereins mit Sitz in Lichtenstein. »Wir sammeln gebrauchte Laptops, spielen eine neue Software auf und stellen sie für den Unterricht zur Verfügung«, berichtet Henzler. Dafür kooperiert Mountain Spirit mit der weltweit agierenden gemeinnützigen Organisation Labdoo.

Jedesmal, wenn eine Delegation in Richtung Nepal aufbricht, reisen ein paar Laptops im Handgepäck mit. Vor Ort erhalten die Geräte jeweils eine englischsprachige Tastatur, dann sind sie einsatzbereit. »Zuerst werden die Lehrer geschult«, erklärt Henzler, dafür zahlen die Schulen einen kleinen Obolus. »Erst wenn es etwas kostet, wird das Projekt nachhaltig«, weiß er aus Erfahrung. Anschließend erklären die Lehrer den Schülern, wie sie die auf unterschiedliche Altersstufen zugeschnittenen Lern-, Mal- und Spielprogramme nutzen können.

Auf seiner jüngsten Reise besuchte Henzler die Yangrima Schule in Shermathang. Beim großen Erdbeben vor einem Jahr war dieses Schulzentrum – ebenso wie die umliegenden Dörfer – völlig zerstört worden. Mountain Spirit Deutschland half dabei, den Wiederaufbau mitzufinanzieren. Jetzt wurde die Schule mit einem bunten Fest wiedereröffnet.

»Das bedeutet sauberes Wasser für 300 bis 400 Menschen«
 

In fünf Schulgebäude werden derzeit 110 Schüler von der Vorschule bis zur 10. Klasse unterrichtet, teilt Henzler mit. Sie sind aus ihren temporären Zelt-Klassenzimmern in die neu errichteten Gebäude umgezogen. Mit Henzler erreichte das Team einer nepalesischen Software-Firma die Schule und richtete dort den Computerraum mit den gespendeten Laptops ein. Die Fachleute boten auch Workshops für die Schüler an und konnten sich vor Kindern, die den Umgang mit den Computern lernen wollen, kaum retten.

Weitere vier Gebäude sowie die Kantine werden ebenfalls bald fertig sein. Später soll noch ein Hostel hinzukommen und die Schule vervollständigen. Bis zu 350 Schüler – von der Vorschule bis zur 12. Klasse – können dann dort unterrichtet werden.

Beim Besuch an den verschiedenen Schulen haben Henzler und MSF-Mitarbeiter Bhude Tamang auch die Wasserfilter inspiziert, die dort bereits seit längerer Zeit ihren Dienst tun. Mit einfacher Technik, entwickelt an der Universität Kassel, können ganz ohne Energieaufwand bis zu 1 200 Liter gefiltert werden: »Das bedeutet sauberes Wasser für 300 bis 400 Menschen.«

Sehr genossen hat er auch den Besuch bei zwei Kindern und ihren Familien, die über das von Mountain Spirit konzipierte Patenschaftsprogramm von Deutschland aus unterstützt werden. »Das waren tolle Begegnungen«, sagt Henzler. 20 bis 30 Euro Schulgeld pro Monat reichten aus, um den Kindern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Insgesamt hat der Verein schon mehr als 200 nepalesischen Kindern Paten vermittelt, die regelmäßig für den Schulbesuch spenden und dafür ebenso regelmäßig Rückmeldungen über ihre Schützlinge erhalten. Der Lichtensteiner hat sich jetzt erneut davon überzeugt, wie gut das Patenschaftsprojekt vor Ort funktioniert. (GEA)

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