Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Mostkult - Obst- und Gartenbauverein und die Kulturinitiative i'kuh organisieren Verkostung in die Klosterkirche

Mostverkostung in der Pfullinger Klosterkirche

VON GABRIELE LEIPPERT

PFULLINGEN. »Der Wein erfreut des Menschen Herz und ist des Schwaben Perle. Der Most, der ist des Schwaben Stolz und erfreut den ganzen Kerle.« Mit einem Zitat des früheren Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins (OGV), Richard Schänzlin, eröffnete Sven Hagmaier die fünfte Mostprobe, die der Obst- und Gartenbauverein und die Kulturinitiative i'kuh gemeinsam im Klosterkeller ausrichteten.

Die Nase tief ins Glas: Im Klosterkeller waren fünfzig Tester dem besten Most auf der Spur.
Die Nase tief ins Glas: Im Klosterkeller waren fünfzig Tester dem besten Most auf der Spur. FOTO: Gabriele Leippert
Nur noch Unkundige redeten von »saurem Zeug«, wenn man sie auf Most anspräche. »In den letzten Jahren ist die Qualität deutlich gestiegen, die Lücke zum Wein wird immer kleiner.« Von den guten Produkten profitiere nicht nur die Landschaft, dadurch werde auch die damit verbundene Arbeit aufgewertet, so Hagmaier weiter. Zwar gebe es noch vereinzelt so richtig saure Tropfen, »aber wir sind guten Mutes, dass wir heute Abend gute und genussfähige Getränke testen dürfen«.

Um bei der Auswertung unbestechlich zu sein und kein Verdacht der Schummelei aufkomme, habe der Verein keine Kosten und Mühe gescheut und ein teures Computerprogramm angeschafft, ulkte Hagmaier zum Schluss und bat, »die ganze Sache nicht so bierernst zu nehmen«.
»Do hat sogar an Sprudel a feine Säure drgega«
 

Dreizehn verschiedene Mostproben standen zur Bewertung an, weit über fünfzig Tester hatten sich eingefunden. Zu vergeben waren insgesamt zehn Punkte je Most: einen für die Farbe, zwei für die Klarheit, drei für den Geruch und vier Punkte für den Geschmack. »Die Besonderheit bei uns im Vergleich zu Mostproben in anderen Gemeinden ist, dass die an einem Tisch Sitzenden immer eine gemeinsame Wertung abgeben müssen«, erklärte Manfred Kober, Mitglied in beiden Vereinen. Dadurch war natürlich für rege Unterhaltung gesorgt, schließlich waren die Geschmäcker doch ziemlich unterschiedlich. »Der Oine war so einigermaßen in Richtung Most, der andere gar et, on dr dritte isch ziemlich seicht«, urteilte etwa Harry Pook. Er stelle zwar keinen her, trinke ihn aber sehr gerne bei Freunden und Bekannten. »Ich finde, Most muss nach Most schmecken, also nicht zu süß«, so der Pfullinger.

»Bei dem brauchscht et a mol s'Gläsle ausspüla«, sagte Lothar Gutzeit grinsend bei einer anderen Probe. »Der schmeckt nämlich nach gar nix, do hat sogar an Sprudel a feine Säure drgega«.

Der gebürtige Dettinger Stefan Müller, der schon seit vielen Jahren in Pfullingen wohnt, hat schon oft Most gemacht. Vom Pflanzen der Bäume über deren Pflege bis zur Ernte »isch's a ganze scheene Arbeit«. Wie mühevoll es ist, das schwäbische Nationalgetränk herzustellen, hat auch Nicole Reusch, die ihr Produkt zur Bewertung gestellt hatte, schon in Kindertagen gelernt. Ein Geheimrezept hat die Glemserin nicht. »Es kommt ja darauf an, wie das Wetter im Sommer war und heute Abend ist sowieso der Geschmack der Werter entscheidend.« Sie findet es super, dass auch die Mosthersteller mitbewerten und nicht nur fachkundige Juroren Punkte vergeben durften.

Frank Czogalla, der zurzeit bei Bekannten zu Besuch ist, war der am Weitesten angereiste Verkoster. »Ich mache selber Apfelwein«, erklärte der Berliner und fand die Veranstaltung richtig klasse und den schwäbischen Most ganz schön süffig. Mit zunehmender Dauer der Mostprobe stieg die Stimmung im ehrwürdigen Gewölbekeller. »I han et gsea, wia klar der war«, bat etwa Werner Eichinger mit viel Augenblinzeln um ein weiteres Glas. »Ja, so ist es immer, je später der Abend, desto schwieriger wird die Wertung«, bemerkte schmunzelnd Walter Fromm.
»Hier sind anscheinend lauter sachkundige Mosttrinker«
 

Mit der Veranstaltung Mostkult wolle man die Kultur der Streuobstwiesen und auch die enorme Arbeit für die Pflege ins Blickfeld rücken. »Auch erfahren dadurch die Produkte eine Wertschätzung«, betonte der OGV-Vorsitzende, denn Most zeige die mühevolle Herstellung und der Wettbewerb wolle diese Anstrengung ein wenig honorieren.

Während die Stimmbögen ausgewertet wurden, sorgte der Reutlinger Nikolai Striebel, Deutscher Jugendmeister der Zauberkunst, mit seinen Illusionen und magischen Geschichten, für die er das Publikum fleißig mit einspannte, für beste Unterhaltung.

»Hier sind anscheinend lauter sachkundige Mosttrinker«, freute sich Fromm bei der Siegerehrung, denn die Ausrichter hatten einen »Trojaner«, einen künstlich hergestellten Most, unter die Proben geschmuggelt. »Den haben aber anscheinend alle erkannt, der ist nämlich Vorletzter geworden.« Den Sieg mit 61 Punkten holten sich gleichauf Markus Schwille und Manfred Kober, nur einen Punkt weniger und damit den dritten Platz gab es für Jochen Linder. Sven Hagmaier wurde mit 57 Punkten Vierter. Mit dem letzten Platz und einem Trostpreis musste sich Sven Rauer zufriedengeben. »I seh des sportlich«, meinte der Metzinger. Er will trotzdem mal wieder am Pfullinger Mostkult teilnehmen. (GEA)



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