Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Ausstellung - Eningens Entwicklung vom Weinbaudorf zur bedeutenden Handelsmetropole Württembergs

Mit Krummholzstab und Krätze

ENINGEN. Der »Eninger Krämer« steht im Mittelpunkt einer kleinen Ausstellung, die im Rathaus 1 bis Anfang April zu besichtigen ist. Ewald Schlotterbeck vom Heimat- und Geschichtsverein hat zusammen mit Herbert Ehrmann diese Schau aufgebaut. Auf verschiedenen Tafeln werden viele Informationen präsentiert. Ein lebensgroßes Krämermodell kann im ersten Stock des Rathauses besichtigt werden. Auch in eine »Krätze« - wie der Krämerkasten genannt wurde - können Interessierte Einblick nehmen zu den normalen Öffnungszeiten des Rathauses.

Einen kräftigen Rücken brauchten die Eninger Krämer für ihr tragbares Ladengeschäft.   FOTO: PR
Einen kräftigen Rücken brauchten die Eninger Krämer für ihr tragbares Ladengeschäft. FOTO: PR
Weinbau in Eningen, das war einmal vor langer Zeit. Nur Straßen- und Gewannnamen - und die Figuren der Narrenzunft - erinnern heute an diese einstige Erwerbsquelle der Eninger. »Weinbergstraße«, »An der Bachkelter« oder »Loschenhalde« sind solche alten Überbleibsel.

Waren getauscht

Nachdem Schädlinge und andere Einflüsse dem Weinanbau in wenigen Jahrzehnten den Garaus gemacht hatten, musste sich die Eninger Bevölkerung einen neuen Erwerbszweig suchen. Sie fand diesen im Landhandel, der Ende des 17. Jahrhunderts begann und bis ins 19. Jahrhundert reichte. Anfänglich war es ein Hausiererhandel, Kalenderschriften des laufenden und neuen Jahres sowie christliche Schriften und Psalmen wurden an Haushalte verkauft oder gegen andere Waren getauscht. Dieser Handel florierte schon nach wenigen Jahrzehnten, die Hausierer zogen als Krämer mit ihren Waren in die Fremde.



Robust, allwettertauglich gekleidet, mit gutem Schuhwerk und einem Krummholzstab als Wanderstock und Abwehrwaffe, einen Warenladen in der Holzkiste - der Krätze - auf dem Rücken tragend, schaffte mancher Krämer weite Strecken bis in andere Länder: Nach Holland, Belgien, ins Elsass und nach Lothringen, aber auch in die Schweiz und nach Österreich, sogar bis in die Städte des Zarenreichs, beispielsweise ins heutige Kiew, kamen die Eninger. Auf diesen Wanderschaften tauschten sie ihre Ware gegen dortige und brachten die fremden Güter mit nach Eningen.

Früh im Jahr zogen sie los um an »Jakobi«, dem 29. Juli, und an Weihnachten wieder mit neuer Ware heimzukehren.

In der Blütezeit des Landhandels im 18. Jahrhundert entstand dann an diesen Heimkehr-Terminen der »Eninger Congress«, der immer mehrere Tage dauerte. Viele Kaufleuten aus nah und fern nahmen die Gelegenheit wahr, die mitgebachten Handelswaren aufzukaufen.

In diesen Zeiten war Eningen dann völlig überlaufen: Damals hatte der Flecken normalerweise 3 500 Einwohner, aber an den »Congress«-Tagen wurden drei- bis viermal so viele Leute im Dorf gezählt.

Was dabei damals alles geschah und wie lange dies dauerte, kann im Heimatmuseum nachvollzogen werden, das am 1. April seine Pforten wieder öffnen wird. (GEA)



Seite versenden
 

Das könnte Sie auch interessieren
Regionen

Wählen Sie Ihre Region

Karte mit einzelnen Regionen Tübingen Reutlingen Pfullingen Eningen Lichtenstein Über der Alb Neckar und Erms

Deutschland bietet Entsorgung von...

Neu Delhi (dpa) - Mehr als 27 Jahre nach der Indus... mehr»

Erderwärmung gefährdet große...

Eine Lederschildkröte auf Trinidad - Die zunehmend Erderwärmung könnte für jede zweite Meeresschildkröte das Ende bedeuten. Foto: Brian Hutchinson/Archiv

San Francisco (dpa) - Die zunehmend Erderwärmung k... mehr»

EU setzt auf Wachstum - Sorge um...

Brüssel (dpa) - Die EU setzt im Kampf gegen Schuld... mehr»

ADAC-Kindersitztest: 5 von 33...

München (dpa) - Fünf von 33 Autokindersitzen sind ... mehr»

Nach Lafontaines Rückzug:...

Berlin (dpa) - Nach dem Rückzug von Oskar Lafontai... mehr»

Aktion

Zeitungspaten gesucht

Zeitung lesen macht schlau! Setzen Sie sich als Zeitungspate dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen einen kostenlosen Zugang zur Tageszeitung haben.
lesen »
Twitter

Aktuelles aus der Region

Abonnieren Sie die neuesten Kurzmeldungen aus dem Bereich Pfullingen/ Eningen/ Lichtenstein! Infos unter
www.gea.de/twitter