Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Philosophie im Kloster - Wissenschaftler Dr. Michael Eldred referiert und diskutiert mit einer Runde philosophisch Interessierter über Männlichkeit

Merkel boxt sie alle weg

VON CHRISTOPH B. STRÖHLE

PFULLINGEN. Ganz schön anspruchsvoll war es, was die Pfullinger Volkshochschule und die Philosophische Runde der Neske-Bibliothek am Donnerstag den Besuchern boten. Der australische Philosoph, Mathematiker und Übersetzer Dr. Michael Eldred war zu Gast in der Veranstaltungsreihe »Philosophie im Kloster« und knüpfte in seinem Vortrag »Was heißt Männlichkeit?« an die Denktradition eines Platon an. In seinem Gang durch die Phänomene zeigte er auf, dass männliches Sein, wie es der griechische Philosoph beschrieb, in den tiefsten Schichten der westlichen Zivilisation verwurzelt ist.

Zwischen Dr. Michael Eldred (links), Moderator Dr. Jürgen Strohmaier und dem Publikum entspann sich ein lebhafter kulturhistorischer und philosophischer Diskurs.  FOTO: STRÖHLE
Zwischen Dr. Michael Eldred (links), Moderator Dr. Jürgen Strohmaier und dem Publikum entspann sich ein lebhafter kulturhistorischer und philosophischer Diskurs. FOTO: STRÖHLE
Mit Sätzen wie »Alles, was klar ist, ist ein Rätsel« spornte Eldred die rund drei Dutzend Zuhörer und Mitdiskutanten immer wieder an, genau hinzuschauen, Denkmuster zu erkennen und diese kritisch zu hinterfragen.

»Alles, was klar ist, ist ein Rätsel«
 
Männlichkeit, so referierte er auf Deutsch, sei in der Antike mit Tapfer-, Wehr- und Standhaftigkeit gleichgesetzt worden. Als »weibisch« habe gegolten, wer entgegen aller Erwartung diesem Anspruch nicht gerecht wurde. In der Welt wahrgenommen zu werden und sich zu präsentieren, sei – damals wie heute – immer »ein Spiel des sich gegenseitig Schätzens«: des Gering- oder Wertschätzens, Unter- oder Überschätzens, oft genug des Verschätzens.

Hoch in der Gunst einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft hätten traditionell diejenigen gestanden, die das Prinzip Männlichkeit in der öffentlichen Wahrnehmung besonders wirkungsvoll darstellen konnten: als Krieger oder wortmächtige Redner, die einen festen Stand einnahmen und selbst aus vertracktesten Situationen als Sieger hervorgingen. Männer, die, mit Friedrich Nietzsche gesprochen, »Wille zur Macht« demonstrierten. Das Prinzip Weiblichkeit sei dagegen, so Eldred, weniger klar definiert gewesen und habe im Wesentlichen aus der Negation jener Eigenschaften bestanden, die einem Mann zur Ehre gereichen konnten.

Kontrovers diskutiert wurde in der Klosterkirche, inwieweit diese Zuschreibungen heute noch zutreffen und ob sie in der beschriebenen Weise je an die Geschlechter gebunden waren. Moderator Dr. Jürgen Strohmaier stellte als These in den Raum, die Deutschen hätten am vergangenen Sonntag mehrheitlich »eine männliche Frau gewählt«. Angela Merkel sei »mit männlichen Attributen« ins Kanzleramt gelangt, habe »in den letzten zehn Jahren alles weggeboxt, was sich ihr in den Weg stellte«.

Aus der Runde kamen noch weitere Fragen: Lässt sich Erfolg als männlich oder weiblich bewerten? Und wie verhält es sich mit der Diplomatie, die anstelle von kämpferischer Konfrontation und Beharrlichkeit auf Kompromissfähigkeit setzt? Die Diskutanten waren sich einig, dass Polarisierungen und Klischees nicht weiterhelfen. Einmal mehr zeigte sich an diesem Abend, dass die Philosophie, wo immer sie nach Antworten sucht, neue Fragen aufwirft. (GEA)



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