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Naturschutz - Verein »Reptilien-Amphibien-Neckar-Alb« kümmert sich um Biotope und die darin lebenden Tiere

Lichtensteiner haben ein Herz für kleine Tiere

VON GABRIELE BÖHM

LICHTENSTEIN. Viel hat der Verein schon erreicht und noch mehr hat er vor: Seit 2011 kümmert sich der Verein »Reptilien-Amphibien-Neckar-Alb«, kurz Rana, um den Erhalt und die Förderung der Populationen von Gelbbauchunke, Laubfrosch oder Schlingnattern und die Schaffung und Pflege von Biotopen.

Vorsitzender Jürgen Tröge, Ingrid Rall-Haiß und Walter Koch, von links, setzen sich bei Rana ein für die Tierwelt. Foto: Böhm
Vorsitzender Jürgen Tröge, Ingrid Rall-Haiß und Walter Koch, von links, setzen sich bei Rana ein für die Tierwelt. Foto: Böhm
Dabei hilft ihm jetzt ein kleiner Traktor, der dank der Umweltstiftung der Stuttgarter Hofbräu angeschafft werden konnte. »Der Artenschutz ist uns ein wichtiges Anliegen«, betont Stiftungsvorstand Franz Xaver Brummer bei der Scheckübergabe auf dem vereinseigenen Grundstück. »Mit unserer Stiftung möchten wir Leute, die sich so engagiert einsetzen, unterstützen«, sagt Brummer. Der Verein Rana habe eine Jury absolut überzeugt und sei von ihr ausgewählt worden. »Wir sind sehr dankbar für die großzügige Spende, die uns die Anschaffung des Traktors ermöglicht hat«, sagte Vereins-Vorsitzender Jürgen Tröge. »Oft sind wir in unwegsamem Gelände unterwegs, denn die Biotope liegen abseits der Wege, damit die Tiere nicht gestört werden. So habe man beispielsweise fünf Tonnen Schotter bewegen müssen, um einen Amphibienzaun unten abzudichten. Ein anderes Mal sei es sehr mühsam und langwierig gewesen, Material für eine Trockenmauer als Lebensraum für Eidechsen über einen 500 Meter langen Weg zu transportieren. »Gerade deshalb ist ein schmaler Traktor von großem Nutzen.«

»Oft sind wir in unwegsamem Gelände unterwegs«
 

Bürgermeister Peter Nußbaum dankte sowohl der Stiftung als auch den Vereinsmitgliedern für ihren Einsatz. »Wir haben in unserer Gemeinde eine große Vielfalt an wertvoller Flora und Fauna. Es ist sehr wichtig, dass Sie mit Ihrem Fachwissen auch das Verständnis für das Natur- und Ökosystem fördern.« Der rund 560 Kilogramm schwere Traktor mit 16 Pferdestärken ist klein genug, um in den vereinseigenen Anhänger zu passen und so an den jeweiligen Einsatzort gebracht werden zu können. Von den Anschaffungskosten von 10 470 Euro trug die Umweltstiftung 9 470 Euro, der Rest kam von Rana selbst.Allein in der Person von Jürgen Tröge, der stellvertretenden Vorsitzenden Ingrid Rall-Haiß und Beisitzer Walter Koch kommen über 150 Jahre an Interesse für Reptilien und Amphibien zusammen. »Die Faszination begann schon mit sieben Jahren«, blickt Tröge zurück. »Damals wurden wir von der Schule dazu angehalten, Kaulquappen zu fangen und zu beobachten, wie sie sich zu Fröschen entwickeln.« In diesen wenigen Wochen wiederhole sich die ganze Evolution von Wasser- zu Landbewohnern. Durch das Lesen von Fachliteratur, Tierbeobachtung, Tagungen und Fortbildungen eigneten sich die rund 40 Vereinsmitglieder das Fachwissen an, das heute von Behörden ebenso genutzt wird wie von der Feuerwehr, die bei Rana den Umgang mit Schlangen lernt, oder von jenem Geschäft, bei dem plötzlich ein Mittelmeerlaubfrosch über das Gemüse hüpfte. »Vier vom Landratsamt bestellte, ehrenamtliche Naturschutzwarte gehören ebenfalls dem Verein an«, erklärt Walter Koch.

»Es ist einfach wichtig, die Tiere für die Nachwelt zu erhalten«
 
Der Verein berät auch einen ehemaligen Realschullehrer, der regelmäßig bei den Exkursionen zu Gast ist und einen Lehrfilm für Schulen dreht. Jeden Mittwoch leitet Tröge Schüler in Gammertingen beim Bau ihres Schulgartens an. Bis jetzt wurden in 2017 schon 400 ehrenamtliche Stunden geleistet. »Es ist einfach wichtig, die Tiere für die Nachwelt zu erhalten«, sagte Ingrid Rall-Haiß. »Am besten geht das, wenn man bei Kindern Aufklärungsarbeit betreibt und ihnen deutlich macht, wie wichtig Erdkröten, Ringelnattern und Laubfrösche für das Öko-System sind.« Letztlich seien Amphibien und Reptilien auch hervorragende Vertilger von Schädlingen. Besonders wichtig ist dem Verein auch die Vernetzung von Biotopen. Das geschieht durch sogenannte Trittsteinbiotope, durch die die Tiere von einem Standort zum anderen wandern können. So findet auch ein Austausch der Gene statt. Sein Engagement brachte dem Verein Reptilien-Amphibien-Neckar-Alb bereits zahlreiche Auszeichnungen ein, darunter 2016 den Umweltpreis der Stadtwerke Tübingen und 2011 den ersten Platz beim Umweltpreis der Stadt Reutlingen. (GEA) www.reptilien-amphibien.de

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