Kunst - Pfullinger Malerbegegnungen: »pro arte« und Geschichtsverein eröffnen Ausstellung in der Stadtbibliothek
Kurze Blüte einer Künstlerkolonie
Von Sonja Lenz
PFULLINGEN. Dicht gedrängt zwischen unterschiedlichsten Kunstwerken saßen die Gäste der Vernissage am Freitagabend in der Stadtbücherei: Zwischen Festschriften und Familienwappen, zwischen Ackergaul, Achalmansicht und Quitten-Stilleben. An die kurze Blüte einer Künstlerkolonie in Pfullingen erinnert die Ausstellung, die vom Kunstförderverein »pro arte« und dem Geschichtsverein Pfullingen organisiert worden ist. Hans-Joachim Sonntag und Erich Losch haben Zeugnisse dieser Periode zusammengetragen. Sonntag erläuterte am Freitag das Konzept von »Pfullinger Malerbegegnungen«, wie die Ausstellung heißt.
Wilhelm Eib gab der gut besuchten Vernissage von »Pfullinger Malerbegegnungen« eine musikalische Note mit Klavierwerken von Grieg.
FOTO: Uschi Pacher
»Hier wird die Persönlichkeit der Maler, ihre Lebensläufe aufgezeigt«, betonte Sonntag und wies auf die ausgehängten Biografien an den Wänden hin. Aus diesen leuchtete eine gelbe Markierung hervor: die Angabe, für welche Partie der Wandgemälde in den Pfullinger Hallen der jeweilige Künstler zuständig beziehungsweise tätig war.
»Dir wollen wir huldigen, König von Pfullingen«
Denn selbstverständlich war auch das künstlerische Treiben in den Jahren 1906 und 1907 dem Mäzen Louis Laiblin zu verdanken, der die Pfullinger Hallen erbauen ließ. Und recht lustig müssen es die Maler getrieben haben, wie Sonntag hervor hob. »Die Künstler mischten das Städtchen auf.«
Ausgelassene Gelage habe es gegeben, beispielsweise bei der Einweihung des Erlenhofs, den Laiblin umbauen ließ und der zur Heimat der Künstlerkolonie wurde. Das Programm des Einweihungsfestes im August 1906 wird in einer Vitrine präsentiert. Halb ernst, halb übermütig ist dort von Festjungfrauen die Rede, die Blumen streuen. Der Festgesang »Dir wollen wir huldigen, König von Pfullingen« wurde angestimmt und ein Denkmal für Laiblin enthüllt.
»Zeitweise waren bis zu 20 Maler in der Künstlerkolonie«, erinnerte Sonntag. Im Sommer 1906 präsentierten diese eine Werkschau im Pfullinger Rathaus, die nicht nur in den regionalen Zeitungen, sondern selbst in Stuttgarter Blättern Erwähnung fand. Auch diese Meldungen und Berichte sind in der Stadtbücherei nachzulesen.
Wie schon in diesen über 100 Jahre alten Zeitungsartikeln beschrieben sind es die Farben und Motive der Bilder, die noch heute beeindrucken. So leuchten die Mohnblumen in den Aquarellen von Fritz Ketz kraftvoll. Sein Ackergaul steht müde mit durchhängendem Kreuz und dem Kummet um den Hals hinter dem Karren, aus dem er ausgespannt wurde. Die Tempera-Bilder von Bruno Goldschmitt zeigen Ansichten von Georgenberg und Achalm zu einer Zeit, als sie noch bis weit hinauf unterm Gipfel bewirtschaftet wurden. Zeichnungen, Gemälde oder Fotografien von Skulpturen zeugen vom Schaffen der übrigen Künstler.
Die knappen Lebensläufe informieren über die bewegte Karriere von Professor Josef Eberz, der unter dem Nationalsozialismus als »entartet« diffamiert wurde, oder über die Weberin Hermine Winkler, die vier Jahre lang an den Wandbehängen der Pfullinger Hallen arbeitete. Auch die Turnhalle sei einst mit Malereien ausgeschmückt worden, wusste Sonntag. Doch diese seien später übertüncht worden.
Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zu besichtigen. (GEA)