Pfullingen / Eningen / Lichtenstein
Engagement - Heute vor zwanzig Jahren wurde die Initiative für ein Kulturhaus in Pfullingen (i’kuh) ein Verein

Kulturhaus in Pfullingen: Dem Ziel so nahe wie nie

VON PETRA SCHÖBEL

PFULLINGEN. Das kleine grüne, aus Papier gefaltete Haus mit der Aufschrift »Kulturhaus« ist mehr als eine zwanzig Jahre alte Spendenbox: Es ist das Symbol für die Idee, der Vielfalt des kulturellen Schaffens in der Stadt eine eigene Heimstatt zu geben. Helmut Bachschuster hat es seinerzeit geschaffen. Manfred Kober und Sieger Maier haben es mitgebracht zum Pressegespräch aus Anlass des besonderen Datums: Am 30. Januar 1995 wurde aus der Initiative für ein Kulturhaus (i’kuh) in Pfullingen ein Verein.

Seit zwanzig Jahren in Arbeit: Das Pfullinger Kulturhaus, hier von Manfred Kober (links) und Sieger Maier präsentiert als Spendenbox zum Basteln, die Helmut Bachschuster einst entworfen hat. GEA-FOTO: PS
Seit zwanzig Jahren in Arbeit: Das Pfullinger Kulturhaus, hier von Manfred Kober (links) und Sieger Maier präsentiert als Spendenbox zum Basteln, die Helmut Bachschuster einst entworfen hat. GEA-FOTO: PS
Das grüne Häuschen hat die zwei Jahrzehnte unbeschadet überstanden. »Papier ist geduldig«, sagt Maier. Denn diese Zeit hat nicht ausgereicht, um das Kulturhaus entstehen zu lassen. Doch der Verein bleibt zuversichtlich: Noch nie standen die Chancen, dass aus der Idee Wirklichkeit wird, so gut.
»Aus unserer Sicht sollte das auch ein kommunales Projekt sein«
 
Anfang der 90er-Jahre begann sich in Pfullingen eine kulturelle Szene jenseits von Gesang- und Musikvereinen zu entwickeln. 1992 brachte eine Gruppe von Kreativen erstmals die »Kunst im Klosterkeller« (KiK) auf die Bühne, eine Kleinkunst-Veranstaltung, die vom Geheimtipp schnell zum Kult mutierte. Zur gleichen Zeit wurde die Kulturhaus-Idee geboren und fand Unterstützer, die Initiative machte sich an die Arbeit. Die Vereinsgründung vor zwanzig Jahren gab dem Projekt einen offiziellen Charakter.

»Damals haben wir uns so eine Art Kulturkneipe mit vielen kreativen Angeboten vorgestellt«, erinnert sich Maier. Helmut Bachschuster, Andreas Schuler und Ulrich Koch haben dafür mit Flugblättern und dem Kulturhaus-Bastelbogen geworben. Etliche Vereinsvorsitzende waren von Anfang an dabei. »Die Kulturschaffenden der Stadt haben sich gleich über i’kuh vernetzt«, betont Maier, der seit 2009 Vorsitzender ist.

Die Vorstellung, wie ein Kulturhaus funktionieren sollte, wandelte sich indes. »Aus unserer Sicht sollte das auch ein kommunales Projekt sein«, sagt Maier. Was bei der Stadtverwaltung damals nicht so gut ankam. »Wir wollten ja nicht ein Vereinsheim für uns schaffen, wie hartnäckig behauptet worden ist«, führt er aus, »die Idee ging weit darüber hinaus: Das Kulturhaus sollte verbindenden Charakter haben.«

Als i’kuh das Schloss als mögliches Kultur-Domizil ins Gespräch brachte, machte das die Diskussion mit der Stadt nicht einfacher. »Ein Gebäude mit großer geschichtlicher Bedeutung für die Stadt in zentraler Lage – da hatten wir uns ziemlich drauf eingeschossen«, räumt Maier ein. Sein zehnjähriges Bestehen feierte der Verein 1995 symbolträchtig im Schloss. Und organisierte 2010 ein großes, buntes Kulturspektakel mit Heiner Kondschak in und um das ehrwürdige Gebäude. Zwar wurde so der Blick der Öffentlichkeit auf die Tatsache gelenkt, dass das Schloss unbedingt saniert und modernisiert werden muss. Doch der damit verbundene finanzielle und organisatorische Aufwand – das Gebäude wird vielfältig genutzt – wäre enorm und stand der Umsetzung stets im Weg. »Pläne für Umbau und Erweiterung gibt es«, sagt Maier. Doch die sind nach wie vor unter Verschluss.

Vorschläge der Stadt für andere Gebäude haben sich schnell wieder zerschlagen. Auftrieb bekam die Kulturhaus-Idee erst wieder, als sich mit der aus Brandschutzgründen für die Klosterkirche geforderten Fluchttreppe die Chance auftat, das historische Gebäude zu erweitern. »Mit den Räumen der Klosterkirche und dem geplanten neuen Saal kann dort ein richtiges Kulturzentrum entstehen«, freuen sich Maier und Kober.
»Der Entwurf geht weit über das hinaus, was wir uns vorstellen konnten«
 
Der Entwurf von Architekt Thomas Bamberg, der aus dem Mini-Planungswettbewerb als Sieger hervorgegangen war, ist denn auch aus i’kuh-Sicht sehr attraktiv. »Er geht tatsächlich weit über das hinaus, was wir uns vorstellen konnten«, sagt Maier. Sollte er verwirklicht werden, könnte dieses Kulturhaus Heimstatt für die verschiedensten Vereine oder Aktivitäten werden, meint Kober.

Deshalb müsse mit Nachdruck an der Konzeption gearbeitet werden. Das Gremium dafür gibt es bereits. »Im ›Forum Kulturhaus‹ muss jetzt die inhaltliche Arbeit beginnen«, betont Maier, »dazu wollen wir nach Kräften beitragen.« Vorstellen können die i’kuh-Verantwortlichen sich vieles: vom Theater über Kleinkunst und Kabarett bis hin zu Vorträgen, Filmvorführungen, Vereinsveranstaltungen und Open-Air-Darbietungen im Klostergarten. Denkbar wären auch Firmenveranstaltungen und private Feiern. Die Vermietung der Räume böte die Möglichkeit, Einnahmen zu erwirtschaften.

Die Arbeit an der Konzeption biete auch der Stadt Gelegenheit, sich ein eigenes kulturelles Profil zu geben, meinen Kober und Maier. Dettingen zum Beispiel werde stets mit den Mundart-Tagen verbunden, Bad Urach mit den herbstlichen Musiktagen. »Für eine Image prägende Veranstaltungsreihe gäbe es in Pfullingen ausreichend Ansatzpunkte«, betont Maier. Und Kober ergänzt: »Ein Kulturzentrum Klosterkirche hätte Strahlkraft.« Beide hoffen, dass sich auch die Verwaltung »professionell« in die Arbeit des Forums Kulturhaus einbringt.

Eine Chance erwächst letztendlich auch für den Verein selbst aus dem Klosterkirchen-Projekt. »Viele von uns sind seit zwanzig Jahren dabei«, sagt Maier, »wir kommen allmählich in die Rentner-Generation.« Auch i’kuh stehe vor dem Problem, Nachwuchs finden zu müssen. »Wir brauchen Leute, die auf längere Zeit in Pfullingen leben und bei uns mitmachen möchten«, fasst Kober zusammen. Mit einem attraktiven Veranstaltungszentrum im Hintergrund stellt er sich das einfacher vor.

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits: Seitdem die Idee, die Klosterkirche zu erweitern, im Raum steht, ist der Verein auf rund 70 Mitglieder gewachsen. »Tendenz steigend«, betont Maier. (GEA)



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